Er ist der wichtige Mann im Hintergrund: Werner Gatzer (li.) bei einer Pressekonferenz mit Finanzminister Christian Lindner. Foto: Political-Moments/IMAGO

Er stand immer für solide Haushaltspolitik. Zum Ende seiner Laufbahn muss Staatssekretär Werner Gatzer eine Lösung für die Haushaltkrise der Ampel finden.

Wenn Werner Gatzer einen Brief schreibt, dann hat das oft ernste Folgen. Zumindest wenn er es im dienstlichen Auftrag tut. Diese Woche verschickte er bereits zwei solcher Schreiben – was in beiden Fällen zu Eilmeldungen aller großen Medien führte. Montagabend informierte er die anderen Ministerien darüber, dass sie aktuell keine Ausgaben für die kommenden Jahren tätigen können. Wer es doch tun will, muss um Erlaubnis fragen. Einen halben Tag später schrieb Gatzer den nächsten Brief, in dem er eine Haushaltssperre für den Wirtschafts- und Stabilisierungsfonds (WSF) anordnete.

Im politischen Berlin hat sein Name Gewicht, ansonsten ist er kaum bekannt. Dabei steht er als Haushaltsstaatssekretär mit im Zentrum der Haushaltskrise der Bundesregierung. Und er dürfte eine wichtige Rolle beim Versuch spielen, diese zu lösen. Werner Gatzer ist ein Mann, den man kennen sollte.

Gatzer wurde 1958 in Bergisch-Gladbach geboren. Nach Jura-Studium und zweitem Staatsexamen trat er in den Staatsdienst ein. In einem Interview sagte er, den Beamtenberuf habe er mit Blick auf die Sicherheit gewählt. Schon als Student wurde er Vater von zwei Kindern, später kamen zwei weitere dazu.

1990 wechselte er als Referent ins Finanzministerium, arbeitete sich dann schnell nach oben. Unter Hans Eichel (SPD) war er Leiter des Leitungsstabes, seit 2005 ist er Staatssekretär. Schon in dieser Funktion schrieb er „blaue Briefe“ an andere Ministerien, weil diese immer weitere Ausgabenwünsche anmeldeten. Gatzer mahnte hingegen zu Sparsamkeit. Seit 2009 macht er – mit kurzer Unterbrechung – das, was er heute noch macht. Er kümmert sich um den Bundeshaushalt. „Der Haushalt ist in Zahlen gegossene Politik der Bundesregierung“, sagte er einmal.

SPD-Mann, der auch Ministern von CDU und FDP diente

Dass er so lange in dieser Funktion ist, ist ungewöhnlich. Er ist Mitglied der SPD, schon seit Studientagen, diente aber in seiner Schlüsselfunktion auch unter dem Christdemokraten Wolfgang Schäuble und tut es seit 2021 für den Liberalen Christian Lindner.

Gatzer war auch beteiligt, als 2009 die Schuldenbremse eingeführt wurde, die der derzeitigen Regierung gerade das Leben schwer macht. Wäre es nach ihm gegangen, hätte er eine noch strengere Schuldenregel bevorzugt, sagte er. Er gilt auch als „Architekt der Schwarzen Null“.

Ein dröger Zahlenmensch ist Gatzer jedoch nicht. Der Rheinländer organisiert die Karnevalsfeiern im Ministerium und ist Fan des 1. FC Köln. „Als Mensch ist Herr Gatzer sehr sympathisch und angenehm“, sagt der frühere CDU-Haushaltspolitiker Eckhardt Rehberg, ergänzt aber auch: „In Verhandlungen hört es mit der rheinländischen Freundlichkeit aber auf. Da kann er knallhart sein.“

Nun kommen komplizierte Verhandlungen auf ihn zu. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts wankt die gesamte Finanzarchitektur der Ampel-Koalition. Das ist nicht ohne Ironie, stand Gatzer doch für eine eher solide Haushaltsplanung. Zum Ende seiner Karriere muss er der Regierung durch eine Krise helfen, die durch Haushaltstrickserei entstanden ist.

„Ich bin Rheinländer. Ich bin Optimist.“

Dem Volljuristen Gatzer müssen mutmaßlich Zweifel an der Finanzkonstruktion der Ampel gekommen sein. Zu eindeutig waren die Warnungen von Experten. Einer, der lange mit Gatzer zusammengearbeitet hat, sagt: „So wie ich ihn kenne, hat er auf die Risiken hingewiesen.“

Die aktuelle Haushaltskrise ist womöglich das letzte Kapitel seiner Laufbahn. Im November 2024 erreicht er das Pensionsalter. Ob es gelingt, die Krise zu lösen? Hoffnungslosigkeit ist von Gatzer jedenfalls nicht zu erwarten. In einem Interview sagte er einmal: „Ich bin Rheinländer. Ich bin Optimist.“