Die Eröffnung des New Classic Music Festivals in der Stadthalle Sindelfingen setzte ein Zeichen für Freiheit, Vielfalt und Gemeinschaft.
Stimmen nannte sich das Eröffnungskonzert des New Classical Music Festival, das in verschiedenen Konzertorten der Region stattfindet. Jedes dieser Events steht unter einem anderen Motto und ermöglicht die Bekanntschaft mit verschiedenen Musikensembles. Federführend sind die Hanke Brothers.
„Stimmen – ein Konzert über das Ich im Wir“ hieß es jetzt in der voll besetzten Sindelfinger Stadthalle. Das Sindelfinger Quartett hatte musikalische Gäste mitgebracht, unter anderem das Württembergische Kammerorchester und das Gesangsduo Paul Smith und Daniela Mars, die extra aus London angereist waren und eine Kostprobe ihrer Fähigkeit abgaben, eine voll besetzte Stadthalle zum Mitsummen und Mitsingen zu animieren. Von einem A und O auf einer definierten Tonhöhe entwickelte sich das kommunikative Mitsingen bis zu einem englischen Refrain mit den Worten „I let you know i’m proud“.
Farbig-poppige Klänge treffen auf brausende Rhythmen
Als vielfarbiger Streicher-Klangteppich agierte das Württembergische Kammerorchester, das sich erstaunlich bruchlos auf den spezifischen Musikstil der Hanke-Brothers eingestellt hat. Als Pasticcio galt vor allem im 18. Jahrhundert eine bunte und unterhaltsame Mischung aus verschiedenen Kompositionen und Musikstilen. Im Grunde genommen ist die Hanke-Musikshow die Belebung dieser lockeren Musizierart. Neben bewährten Stücken vom Hauskomponisten Oliver Davis (Dance, Recorder/Blockflöten-Concerto) hatten die Hankes auch Brandneues im Programm, etwa eine Uraufführung aus der Feder von Jonathan Hanke und Christoph König mit dem treffenden Namen Brothers Symphony. Die originellen Satzbezeichnungen lauten Brolog, Brotherhood, Brothers Peace und Brovertüre. Farbig-poppige Klänge, brausende Rhythmen und einfühlsame Melodien stellten einen Musikkosmos dar, der vieles bietet, aber doch leicht verständlich bleibt.
Extra komponiert für das Sindelfinger Konzert war auch Stephan Böhmes „Stimmen – das Wir im Ich“. Böhme bediente nebenher als Bühnenstatist die Kamera. In seiner Moderation betonte Hanke, dass Musik stets von Individuen ausgeführt wird, sie aber letztlich nur in einem harmonisch abgestimmten Kollektiv realisiert werden kann. Insofern, so Hanke, ist Musizieren ein gelebtes Vorbild für eine funktionierende Gesellschaft – mit Kontrasten, aber ohne Feindschaften. Die Wirkung dieser Darbietungen war grandios und wurde mit donnerndem Applaus belohnt.
Auch das Publikum verkörperte eine bunte Mischung aus allen Altersklassen. Ein Mädchen im Kindergartenalter beantwortete die Frage, ob es ihr gefallen habe, mit „gut“. Das Erfolgsrezept liegt in dem, was man gerne Cross-over nennt. Unnachahmlich ist das klangliche Ergebnis aus dem meist etwas im Hintergrund begleitenden Streichorchester und den vier Hanke Brothers auf ihren Instrumenten Tuba, Blockflöte, Bratsche und Klavier.
Es gibt kaum einen Musik-Küchentopf, aus dem nicht ein schmackhaftes Menü gezaubert wurde. Dazu zählen sowohl das an Barockmusik erinnernde Blockflöten-Concerto, die Klaviersoli mit stimmungsvollen Blues-Elementen und die poppig einschmeichelnden Harmonien, die manchmal auch den Bereich der Süßlichkeit streifen. Die rasanten Rhythmuswechsel sorgen für mitreißenden Drive, dessen Wirkung sich kaum einer entziehen kann. Trotz kurzer Solodarbietungen, die manchmal wie improvisiert wirken, werden doch immer alle vier musikalisch wieder zusammengeführt: eben das Ich im Wir. Die Musik ist eingängig, aber nicht vordergründig. Die Brothers sind alle vier nicht nur musikalisch aktiv, sondern unterstreichen durch Elemente einer Bühnenshow, dass Musik bei Ihnen immer mit ausgeprägter körperlicher Aktivität zu tun hat. Standing ovations und als Zugaben „Artemis“ und „Flow“ von Oliver Davis.