Hier ist toben ausdrücklich erwünscht: Am 7. September eröffnet in Nürtingen das Café Incanto. Im neuen Lokal mit großer Spiellandschaft sollen Kinder und Eltern gleichermaßen auf ihre Kosten kommen.
Mama, guck mal! Papa, ich muss aufs Klo! Mama, dies, Papa, das. Für Eltern klingt das alles vollkommen normal, auch im Café oder im Restaurant. Andere Gäste jedoch fühlen sich mitunter durch den Trubel gestört – eine schwierige Situation für alle Beteiligten. Desirée Portale-Marin aus Nürtingen weiß nur zu gut, dass gerade in der Gastronomie manchmal Welten aufeinanderprallen. Sie und ihr Mann Simon Marin haben vier gemeinsame Kinder zwischen zwei und zehn Jahren. „Sobald ich mit meinen vier Kindern auftauche, merkt man die Blicke“, sagt sie. Zumal: In den meisten Cafés oder Restaurants langweilten sich die Kids. Geboten sei für junge Gäste in der Regel wenig. Die 32-jährige Mama sagt, sie habe schon viele Einrichtungen getestet, zumeist gebe es nur „kleine trostlose Spielecken. Da sind die Kinder nach fünf Minuten fertig“.
Jetzt eröffnen die Eheleute in ihrer Heimatstadt ihr eigenes Café, wo eines klar ist: Hier stehen Familien im Mittelpunkt. Damit sich im Café Incanto junge und erwachsene Gäste gleichermaßen wohlfühlen, wurde eine riesige Spiellandschaft installiert. Während sich die Kinder auf den Rutschen, im Bällebad, in Krabbeltunneln, auf Kletterpodesten oder auf dem Trampolin auspowern, können die Eltern in greifbarer Nähe einen Kaffee trinken oder etwas essen und haben dabei den Nachwuchs stets im Blick. Ein Indoorspielplatz plus Sitzbereich, von dem aus man seine Kinder nicht aus den Augen verliere, auch ohne hinterherzurennen, das sei einzigartig. „Es gibt in Nürtingen dergleichen gar nichts. Außer McDonald’s“, sagt Desirée Portale-Marin.
Die Einrichtung hielt dem Praxistest stand
Am 7. September soll endlich eröffnet werden, woran das Ehepaar so lang gewerkelt hat. Seit Ende Januar hatten die Marins ein ehemaliges asiatische Restaurant an der Millotstraße direkt über dem Wörth-Stadion in Eigenregie umgebaut. Viel Arbeit, viel Energie und auch viel Geld seien ins Projekt geflossen. Simon Marin zeigt auf dem Handy Fotos. Küche, Böden, Wände, Toiletten, alles wurde neu gemacht, auch die Spielecke wurde selbst gebaut.
„Den Praxistest hat sie überlebt“, sagt der 30-Jährige lachend, sowohl Kinder als auch Erwachsene und der TÜV hätten sämtliche Geräte auf Herz und Nieren geprüft. Bei der Auswahl der einzelnen Elemente habe der eigene Nachwuchs zumindest indirekt viel Einfluss gehabt. „Ich habe immer überlegt: Was gefällt meinen Kindern?“, erzählt Desirée Portale-Marin.
Positive Resonanz aus dem Bekanntenkreis
Von der Idee sind die Eheleute so sehr überzeugt, dass sie ihre bisherigen Jobs im Einzelhandel und im Maschinenbau gekündigt haben. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, sagt Desirée Portale-Marin. „Aus dem Bekanntenkreis gab es nur positive Resonanz“, fügt ihr Mann hinzu. Das Café Incanto soll künftig zwischen Mittwoch und Sonntag von 9.30 bis 13 Uhr und dann wieder von 14.30 bis 19 Uhr geöffnet sein. Die Spielwiese richtet sich an Kinder bis etwa sieben Jahren. Servieren wollen die Betreiber Frühstück, Kuchen und warme Snacks wie Flammkuchen und Toast. Arbeiten werden sie mit einem Pager-System, um sich Bedienungen zu sparen, außerdem mit einer Anzeige auf der neuen Incanto-Homepage, die Interessierten angibt, wie viele Familien sich für den jeweiligen Tag angekündigt haben. Damit der Aufenthalt im Café selbst für lärmerprobte Eltern nicht zu turbulent wird.