Angelika Trump leitet eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Histaminintoleranz und ist selbst betroffen. Deshalb weiß die Schorndorferin genau, wie es trotzdem schmecken kann.
Ihr Einzugsgebiet ist beachtlich – Menschen aus dem Rems-Murr-Kreis, der Region Stuttgart, aber auch aus Süd- und Norddeutschland sowie sogar aus England und Frankreich haben schon Hilfe bei Angelika Trump gesucht. Und es sind verzweifelte Anrufe und Mails, die die Frau aus Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) in mittlerweile 17 Jahren schon beantwortet hat. Sie sagt: „Die Betroffenen haben teils schon eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Es geht ihnen richtig schlecht und sie wissen nicht, was sie noch tun sollen wegen ihrer Beschwerden.“
Die Rede ist von Histaminintoleranz – einer Stoffwechselstörung, bei der der Körper Schwierigkeiten hat, Histamin abzubauen, das sowohl im Körper produziert als auch mit der Nahrung aufgenommen wird. Ein Ungleichgewicht zwischen Histaminproduktion und -abbau führt zu Beschwerden, die oft einer Allergie ähneln, aber keine sind. „Viele haben Magen-Darm-Probleme, aber auch Migräne, Hautausschläge und Kreislaufbeschwerden sind möglich“, erklärt Angelika Trump.
Histaminintoleranz: Angelika Trump hatte vor der Diagnose viele Jahre Probleme
Sie weiß das deshalb so genau, weil sie selbst seit Jahrzehnten betroffen ist. Rückblickend erinnert sich die Architektin, die mittlerweile im Ruhestand ist, dass sie schon als junge Erwachsene Probleme mit Lebensmitteln wie Fisch, Käse und Alkohol hatte. „Ich habe die Lebensmittel erst mal weggelassen. Aber vor etwa 17 Jahren wurden die Symptome so heftig, dass es nicht mehr so weiterging: Fließschnupfen, tränende Augen, Magen-Darm-Probleme, Hautjucken und rheumaartige Beschwerden.
Angelika Trump ernährte sich glutenfrei, hielt strenge Diät, nichts half. Die Wendung kam durch ihren Sohn, der als Medizinstudent in einer Vorlesung von Histaminintoleranz hörte und Verdacht schöpfte. Trump ließ sich von einem Gastroenterologen untersuchen, der die Vermutung bestätigte – nicht selbstverständlich, wie die Schorndorferin weiß: „Genau genommen tappt die Medizin immer noch ziemlich im Dunkeln. Die Ursache ist nach wie vor nicht geklärt. Viele Mediziner wissen nicht wirklich Bescheid und beraten falsch“, sagt Angelika Trump und fügt an, dass sie auch Fälle kennt, bei denen Betroffene wegen ihrer Symptome zum Psychiater geschickt wurden.
Schorndorferin leitet die Histamin-Selbsthilfegruppe und ist vernetzt
Die Schorndorferin ist bei vielen Medizinern bekannt. Sie geht zu Vorträgen, ist vernetzt und empfiehlt Ärzte weiter. In Selbstrecherche hat sie zudem eine Hilfe für Betroffene – eine Ampel-Tabelle – erschaffen. Dort sind mit Rot die Lebensmittel aufgeführt, die tabu sind. Gelb sind diejenigen, bei denen es auf individuelle Befindlichkeiten oder Tagesform ankommt, und grün ist super.
Wohl jede Menge Fleißarbeit steckt in dem Dokument, das auf ihrer Homepage auch herunter geladen werden kann. Es zeigt jede Menge grüne Flecken. „Man kann gut mit der Intoleranz leben, und es sind viele frische Obst- und Gemüsesorten dabei, sodass es nicht stimmt, wenn es heißt, dass es eine Ernährung sei, die zu Vitaminmangel führt“, sagt die Schorndorferin.
Histaminauslöser Zitrusfrüchte, Camembert und Co.
Genaueres Betrachten besagter Tabelle zeigt, dass beispielsweise folgende Lebensmittel rot sind:
- Krakauer
- Rollmops
- Zwieback
- Zitrusfrüchte
- Tomaten
- Sojaprodukte
- Camembert
- Salami
- Sauerkraut
- Banane
- Schokolade
Unbedenklich dagegen sind:
- Kartoffeln
- Reis
- Quark
- grüner Salat
- Rhabarber
- Mais
- Apfelkraut
- Joghurt
- Rindfleisch
- Kräutertee
- Heilbutt
„Mein Fachwissen, das ich mir notgedrungen aneignen musste, will ich teilen, deshalb habe ich die Ampel-Tabelle erstellt und die erste Selbsthilfegruppe in Deutschland gegründet.“ Mit den Jahren seien viele Dankesbriefe in ihren Briefkasten geflattert.
Man müsse sich arrangieren, ausprobieren und vor allen Dingen immer frisch kochen, um mit der Störung, die nicht mit einer Allergie zu verwechseln sei, in den Griff zu bekommen. „Wenn ich eine Pastasoße mache, koche ich sie für meinen Mann auf Basis von Tomaten und für mich selbst einfach mit leckeren Paprika“, erklärt die Mutter zweier Kinder. Der Eiweißbaustein Histamin sei in vielen Lebensmitteln enthalten. Zudem gibt es sogenannte Histamin-Liberatoren, beispielsweise Erdbeeren: Bei Verzehr sorgen sie bei Betroffenen dafür, dass im Körper vorhandenes Histamin freigesetzt wird. Die Blutgefäße stellen sie weiter. Den Betroffenen wird heiß, die Röte steigt ihnen ins Gesicht, das Herz rast, Wasser lagert sich im Gewebe ein, Juckreiz tritt auf. „Dazu kommt, dass der Histamingehalt je nach Frische der Lebensmittel stark schwanke. Länger Gelagertes oder Gereiftes vertragen wir nicht.“
Histaminschock – was zu tun ist
Wenn sie über die Histaminintoleranz und deren Auswirkungen spricht, verwendet Angelika Trump gern den Ausdruck „wir“. Sie weiß, wie es sich anfühlt. Deshalb hat die Frau, die aus dem Ostalbkreis stammt, Kniffe für Spezialfälle parat. „Wenn man einen Histaminschock hat, hilft es, viel zu trinken und sich mit Kartoffeln und Karotten wieder rauszuholen.“ Neben Übelkeit und Durchfall seien selbst Ohnmachten möglich.
Beim Restaurantbesuch empfiehlt Angelika Trump deshalb, zur Sicherheit vorab ein Antihistaminikum zu nehmen. „Das mache ich auch, weil da sonst viel schief gehen kann“, sagt die Schorndorferin,bei der durch die langjährige Unverträglichkeit die Lunge stark betroffen war und deshalb vernarbt ist. „Man muss damit leben. Aber man lernt, sich auszukennen und kann gut klarkommen“, sagt sie und schickt eine gute Nachricht hinterher: „Auch wenn Filterkaffee nicht immer geht, Espresso funktioniert. Das Koffein ist also gesichert.“
Histamin – Fluch und Segen
Info
Im Körper hat Histamin als Botenstoff vielfältige und wichtige Aufgaben: Unter anderem vermittelt es Gefäßerweiterungen, Entzündungsreaktionen und die Produktion von Magensäure. Der Körper bildet das biogene Amin selbst und speichert es, nimmt den Stoff aber auch über die Nahrung auf. Eine wichtige Rolle spielt Histamin als Vermittler allergischer Reaktionen: Dabei schütten Gewebs- und Blutzellen (Mastzellen und basophile Granulozyten) gespeichertes Histamin aus, das an Rezeptoren in Haut, Schleimhäuten und Magen-Darm-Trakt andockt und Symptome wie Quaddeln, allergischer Schnupfen oder Durchfall auslösen kann.