Aus vier mach einen: Der neue Kirchengemeinderat der evangelischen Kirchengemeinde Böblingen ist offiziell im Amt begrüßt worden. Foto: Evangelische Kirche Böblingen

Die Kirche muss sparen, vier Böblinger Kirchengemeinden sind daher vor einem Jahr zu einer fusioniert. Ein Teil eines Umbauprozesses: der neue und nun einzige Kirchengemeinderat.

Es ist ein weiterer wichtiger Schritt in einer ganz neuen Ära, ein Teil eines großen kirchenpolitischen Umbauprozesses in der evangelischen Landeskirche: Vor einem Jahr sind die vier Kirchengemeinden – Christus-, Martin-Luther-, Paul-Gerhardt- und Stadtkirchengemeinde – zu der einen evangelischen Kirchengemeinde Böblingen fusioniert. Jetzt wurde der neue Kirchengemeinderat dieser neuen Gesamtgemeinde gewählt. Denn bis zur Einsetzung der neu gewählten Mitglieder waren die vorherigen Kirchengemeinderäte der vier Gemeinden im Amt geblieben. 37 stimmberichte Mitglieder hatte das Gremium seit vergangenem Januar.

Nun wurden die neuen Mitglieder feierlich in einem Gottesdienst in der Paul-Gerhardt-Kirche Böblingen begrüßt, und natürlich die 29 Mitglieder des bisherigen Kirchengemeinderats aus ihrem Amt entlassen. Zwölf Männer und Frauen – neu, aber auch wiedergewählt – gehören dem neuen Kirchengemeinderat an: Julian Ackermann, Monika Baisch, Gerold Brückelt, Uthe Hartmann, Jens Heß, Florian Hilgenberg, Annabell Graness, Florian Kanngießer, Eva Kramer-Well, Wiltrud Rebmann, Annerose Walter-Becker und Carsten Wohnsdorf. Neben diesen zwölf gewählten Mitgliedern gehören die fünf Böblinger Pfarrerinnen und Pfarrer, Markus Frasch, Gerlinde Feine, Fabian Maysenhölder, Eva Schury und Mika Sinn von Amts wegen dem Kirchengemeinderat an.

Die Vertreter der Kirchengemeinderäte aus den vier bisherigen Böblinger Kirchengemeinden sind mit Dank verabschiedet worden. Foto: evangelische Kirche Böblingen

„Ich freue mich sehr und danke Ihnen, dass Sie sich bereit erklärt haben, dieses Amt der Gemeindeleitung zu übernehmen“, wandte sich der Dekan Markus Frasch an die Mitglieder des Kirchengemeinderats. „Wir werden nun diesen Neuanfang der evangelischen Kirchengemeinde Böblingen gestalten und mit viel neuem Schwung in die Zukunft gehen.“

Mit großem Dank und einem symbolischen Geschenk entließ Dekan Frasch die aus dem Gremium ausscheidenden Mitglieder aus Ihrer gemeindeleitenden Verpflichtung. „Sie haben viel Zeit, Engagement und Kraft in die Leitung der vier bisherigen Gemeinden eingebracht. Manche von Ihnen sind schon viel länger als nur eine Wahlperiode dabei. Tatsächlich blicken einige auf bis zu 30 Jahre Mitarbeit im Kirchengemeinderat zurück.“ erklärte der Dekan anerkennend.

Ein Programm für alle vier Kirchen

Tatsächlich bedeutet die Einsetzung des neuen Kirchengemeinderats für die evangelischen Gemeindeglieder in Böblingen eine große Veränderung: Etwa werden schon jetzt Gottesdienste so gestaltet, dass alle Gemeindeglieder in alle vier Böblinger Kirchen eingeladen werden. Auch das Angebot für Kinder und Familien wird als ein Angebot für alle angesehen, ebenso alle anderen Angebote, die sich an bestimmte Zielgruppen wenden.

Der Umbau- und Fusionsprozess hat bereits im Jahr 2018 begonnen und wird sich noch einige Jahre weiter hinziehen, in Böblingen selbst war der Aderlass durchaus bedeutend: Seit 2018 verlor die Große Kreisstadt bereits zwei volle Stellen, von den verbliebenen 4,5 Stellen werden bis 2030 nur noch drei bleiben. Grund dafür sind Sparmaßnahmen der Landeskirche. Seit 2012 ist zudem die Zahl der evangelischen Gemeindeglieder in Böblingen von 12 200 auf aktuell 8900 gefallen – um fast 30 Prozent.