In der Krise können Kitas Gruppengrößen erhöhen und mit 20 Prozent weniger Personal arbeiten. Foto: Imago/Imago

Laut einer Verdi-Befragung fehlen in baden-württembergischen Kitas rund 27 000 Fachkräfte. Erzieherinnen und Elternvertreter kritisieren, dass der Personalschlüssel in der Pandemie noch unterschritten werden kann.

Stuttgart - Durchschnittlich drei Fachkräfte mehr pro Kita bräuchte es, um den pädagogischen Anforderungen gerecht zu werden. Das sagen Kita-Mitarbeitende in einer Befragung der Gewerkschaft Verdi in Kooperation mit der Hochschule Fulda. Hochgerechnet fehlten so in Baden-Württemberg 27 000 Erzieherinnen und Erzieher, bundesweit seien es 173000 Fachkräfte, teilte die Gewerkschaft mit. Gut jeder dritte Befragte gab an, in der Spitze für mehr als 17 Kinder verantwortlich zu sein. Verdi-Landesbezirksleiter Martin Gross fordert deshalb von Politik und Arbeitgebern „eine Qualifizierungs- und Ausbildungsoffensive“.

Mit den Ergebnissen bestätigt sich einmal mehr der Personalmangel im Bereich frühkindliche Bildung. In der Krise hat sich die Personalsituation in den Kitas zusätzlich verschlechtert: Die Einrichtungen können den Mindestpersonalschlüssel derzeit um 20 Prozent unterschreiten und größere Gruppen bilden. Diese ursprünglich nur bis Ende August gültige Regelung wurde vom Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) kürzlich „für die Dauer der Gültigkeit der Corona-Verordnung Kita“ verlängert.

Eltern haben weniger Personal bislang mitgetragen

Das hatte unter anderem der Verband Kita Fachkräfte BW kritisiert, der befürchtet, hier werde schleichend der Personalschlüssel dauerhaft aufgeweicht. Die derzeitigen Rahmenbedingungen seien weder „entwicklungs- und bildungsfördernd bei den Kindern noch bieten sie attraktive Arbeitsbedingungen für Fachkräfte, welche dringend gewonnen werden sollten“, so der Verband.

Auch die Landeselternvertretung der baden-württembergischen Kindertageseinrichtungen (LEBK-BW) kritisiert die Personalsituation in den Einrichtungen. Man habe den verringerten Personalschlüssel bislang mitgetragen, aber nun müsse der „Weg zurück in einen Regelbetrieb“, und damit zum normalen Personalschlüssel, bis Ende des Jahres schrittweise beginnen. „Diese Rückkehr muss behutsam gestaltet werden, weil etwa Kinder, die im Laufe der Pandemiezeit in die Kitas aufgenommen wurden, den Normalbetrieb gar nicht kennen“, so ein Sprecher der LEBK-BW.

Elternvertreter befürchten, dass Personal geht

Sollten die Ausnahmen bei Betreuungsschlüsseln und Gruppengrößen beibehalten werden, fürchtet die LEBK-BW, dass Erzieherinnen und Erzieher aus dem Beruf aussteigen, weil sie mit den Arbeitsbedingungen unzufrieden sind.

Christiane Staab, Sprecherin der CDU-Fraktion für frühkindliche Bildung, verweist darauf, dass Baden-Württemberg den besten Personalschlüssel bundesweit hat. Die grün-schwarze Koalition habe das Thema „Qualitätssicherung und, wo notwendig, auch der Qualitätssteigerung gerade auch im frühkindlichen Bereich als wichtige Aufgabe definiert“, so Christiane Staab. Mit der Einführung und dem Ausbau der praxisintegrierten Ausbildung Pia habe man außerdem neue Kräfte gewinnen können. Diese Offensive solle weiter geführt werden. Staab sieht allerdings bei der Nachwuchsgewinnung auch die Träger in der Verantwortung. „Wichtig wird es sein, auch junge Männer für diesen Beruf zu gewinnen und zu zeigen, welche Chancen er bietet.“ Das sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Zur 20-Prozent-Regel machte sie klar, dass diese nur für die Zeit der Pandemie gelten wird.

  
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