Schüler ab 13 Jahren aus Vorbereitungsklassen oder mit Förderbedarf sind gerade in der Sommerschule. Im Aktivpark Bergheide wird nicht nur Deutsch gelernt.
Für viele Kinder ist die letzte Ferienwoche vor Schulbeginn eine Zeit der Sehnsucht: Wie gern würde man wieder zurück in den August reisen, um erneut einen Sommer voller Sonne und Spaß mit den Freunden zu erleben. Im Naturpark Bergheide dagegen freuen sich die Schülerinnen und Schüler, dass jetzt September ist. Trotz Regens in den vergangenen Tagen besuchen diese Woche 25 Teilnehmende ab 13 Jahren die Sommerschule im ehemaligen Waldheimgelände. Von Montag bis Freitag stehen dabei von 9 bis 16 Uhr Lernen, Kochen, Tanzen, Klettern und Teambildung auf dem Programm. Die Sommerschulen im Südwesten werden durch ein Landesprogramm des Kultusministeriums gefördert. Die Programmkoordination übernimmt seit 2023 die Jugendstiftung Baden-Württemberg. Der Sinn hinter diesen Sommerschulen? Kinder aus internationalen Vorbereitungsklassen oder mit Aufhol- und Förderbedarf soll vor dem Schulstart spielerisch geholfen werden, in verschiedenen Fächern ihr Wissen aufzufrischen.
Lisa Schlecker, die als Lehrerin seit Jahren bei der Sommerschule dabei ist, beschreibt deren Nutzen so: „Durch Erlebnispädagogik wollen wir die Teilnehmenden auf das neue Schuljahr vorbereiten.“ Dass es dabei nicht nur um das sture Lernen nach Lehrplan wie in der Schule geht, wird gleich zu Beginn deutlich. Um kurz nach 9 Uhr starten die Schüler in einem Kreis mit dem Warm-up. Jeweils zwei Kinder bilden einen Mathe-Kreis und beginnen laut und abwechselnd, von eins bis drei zu zählen. Nach ein paar Minuten steigern sie die Schwierigkeit: Jetzt sollen sie gleichzeitig klatschen, während sie zählen. „Das gemeinsame Lernen und Erleben soll hier gestärkt werden“, so Schlecker. Die Teilnehmenden kämen aus völlig unterschiedlichen Schularten in der Sommerschule zusammen. „Wir haben Hauptschüler, Realschüler, Gymnasiasten.“ Das unterschiedliche Leistungsniveau sei aber kein Problem. Denn: „Die Leichtigkeit und der Spaß am Lernen sind bei uns zentral“, sagt sie.
Spielerisches Lernen von Deutsch, Mathe und Englisch
Dies zeigt sich auch beim nächsten Programmpunkt. Die Kinder teilen sich in Gruppen auf. Jede hat ihren eigenen Schwerpunkt: Schlecker löst mit den Kindern Matheaufgaben wie Prozentrechnung, während ihre beiden Kollegen Englisch sowie Deutsch vermitteln. „Was wollt ihr heute wiederholen?“, fragt Schlecker ihre Gruppe und teilt Übungsblätter mit Matheaufgaben aus. Immer wieder stellt sie Fragen und läuft zu den Schülern, wenn sie Hilfe brauchen. „Was ist ein Vielfaches von sechs?“ Sie schaut sich in der Runde von neun Schülern um. Ein Kind antwortet mit der Zahl zwölf. Richtig. Wer falsch liegt, setzt sich hin. Spielerisches Lernen, in Bewegung – statt sturem Sitzen im Unterricht.
Ein paar Meter weiter in der Nähe des Hochseilgartens sitzt die Deutschgruppe. Im Fokus: Der Satzbau, die Zeitformen, Verben und die Groß- und Kleinschreibung. Die Betreuerin Miriam Merz meint: „Viele von ihnen können kaum Deutsch.“ Deshalb hat sie ein Kennenlernbingo für die Kinder vorbereitet. „Wer hat eine Schwester oder einen Bruder?“, fragt sie in die Runde. Die Kinder beginnen langsam, untereinander zu sprechen. Miriam verfolgt das mit einem Lächeln: „Es ist wichtig, dass sie sich trauen zu sprechen. Nur so kann man eine neue Sprache erfolgreich lernen.“ Gemeinsam mit den anderen Kindern, so der Tenor, funktioniert das leichter.
„Die Kinder blühen hier richtig auf“
Dass es aber nicht nur ums Lernen geht, stellt Melissa klar. Sie ist als Betreuerin von der Jugendstiftung Baden-Württemberg dabei und verweist auf das weitere Programm. Am nächsten Tag steht eine Aufgabe an, bei der die Kinder mit Wasser gefüllte Pappbecher in einem Parcours transportieren müssen – das Ziel dabei: „Sie müssen zusammenarbeiten, um möglichst wenig Wasser zu verschütten.“ Das Wasser stehe dabei für die Medizin, die die Kinder erfolgreich übermittelt hätten. Auf einer Karte, die öffentlich ausgehängt ist, sieht man eine Weltreise. „Durch diese Bilder und Themen sollen die Kinder motiviert werden“, so Melissa. Das Teambildung stehe im Vordergrund.
Für den Nachmittag künden die Betreuer einen Workshop an, in dem eine Tanzeinlage einstudiert wird. Auch Basteln ist geplant. Gemeinsames Kochen soll alle Gruppen zusammenführen. „Uns ist es wichtig, dass die Kinder ihr Selbstbewusstsein stärken“, sagt Schlecker und schaut aus dem Innenraum des Hauses auf eine Kletterwand. „Gestern haben hier die Schüler versucht, die Wand hochzuklettern. Sie durften dabei keine Hilfsmittel benutzen.“ Hat es geklappt? Ja, nach ein paar Anläufen. „Die Kinder mussten lernen, miteinander zu kommunizieren. Nur mit gemeinsamer Hilfe war es möglich.“
Was bleibt nach fünf Tagen Sommerschule? „Die Kinder gehen hier am Freitag als ganz andere Menschen raus“, sagt Schlecker, „sie blühen richtig auf.“ Das ist für alle Betreuer die größte Motivation: Ängste überwinden, Spaß haben und den Teamgeist stärken. „Die Kinder fragen am Ende immer, ob sie nächstes Jahr erneut kommen dürfen.“ Und auch, wenn das leider nicht möglich wäre, zeige dies, dass die Sommerschule ein voller Erfolg sei.