Nasskalt, Eisglätte, womöglich sogar Schnee: Die kommenden Tage werden ungemütlich. Wie gut ist der Kreis Böblingen auf eine Wintereinbruch vorbereitet?
Ein ungemütliches Novemberwetter lässt sich für die nächsten Tage in Deutschland nieder. So fällt am Dienstag im Norden und Westen oberhalb von 400 bis 600 Meter Schnee, in tieferen Lagen regnet es zeitweise, am Himmel dominieren die Wolken. Ähnlich geht es am Mittwoch weiter. „Immer wieder muss mit leichten bis mäßigen Niederschlägen gerechnet werden“, sagt Marcel Schmid, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach.
Im Tiefland fällt demnach meist Regen, nachts und in der Frühe können die Straßen glatt werden. Eine nennenswerte Schneemenge wird es aber wohl nur nur im Bergland geben. Allerdings warnt der DWD wegen überfrierender Nässe in der Zeit zwischen 22 und 9 Uhr in der Region Stuttgart und in weiten Teilen Baden-Württembergs vor verbreiteter Glättegefahr. Winterdienste seien entsprechend vorgewarnt. Voraussichtlich könnte es laut DWD vor allem Nebenstraßen treffen.
Im Landkreis Böblingen ist man offenbar auf mögliche Überraschungen vorbereitet. Auch in diesem Jahr haben die beiden Straßenmeistereien des Landkreises in Herrenberg und Magstadt alle Vorkehrungen für den bevorstehenden Winterdienst getroffen. Die Salzlager sind gut gefüllt. Insgesamt lagert der Landkreis rund 3100 Tonnen Streusalz, in Herrenberg 1100 Tonnen und in Magstadt 2000 Tonnen.
Wenn es sein muss, gibt es drei Schichten, die erste beginnt um 3 Uhr
Jeden Winter befreien die beiden Straßenmeistereien pro Einsatz rund 560 Kilometer an Fahrbahn von Schnee und Eis. Auch die Ausrüstung steht: Mit insgesamt acht eigenen und elf Fahrzeugen von Fremdunternehmen sorgen die Straßenmeistereien für freie Fahrt. Trotz Klimawandel und tendenziell milder werdenden Wintermonaten, stehen, sobald es die Witterung erfordert, die Mitarbeiter in drei Schichten durchgängig bis zum Ende der Winterdienstperiode zur Räumung der Straßen bereit. Bei Bedarf fahren die ersten Fahrzeuge bereits um 3 Uhr morgens aus, um rechtzeitig für den Berufsverkehr die Straßen zu räumen. Die Einsätze enden gegen 22 Uhr.
Wladimir Hahnstein, Leiter des zuständigen Amtes für Straßenbau, erklärt: „Bei starkem Schneefall oder wiederkehrender Glätte leisten wir regelmäßig Überstunden. Bei extremem Schneefall wird der Winterdienst auf wichtige und gefährliche Straßen mit der höchsten Priorität wie Hauptverkehrswege, Steigungen und Brücken oder Kreuzungsbereiche sowie Rettungswege konzentriert.“
Land und Bund – aber auch Bürger sind zuständig
Auf Bundes-, Landes- und Kreisstraßen wird der Winterdienst vom Landkreis durchgeführt. Auf der Autobahn liege die Verantwortung für den Winterdienst bei der Autobahn GmbH des Bundes und innerorts bei den Städten und Gemeinden, die von den Straßenmeistereien der Landratsämter nach besten Kräften unterstützt würden.
Übrigens: Räumpflicht betrifft auch die Bürgerinnen und Bürger. Vor Wohnhäusern sind im Normalfall die Mieter oder Eigentümer in der Pflicht. Nur in seltenen Fällen kümmern sich die Kommunen auch dort. In den Städten Böblingen und Sindelfingen gibt es einen gemeinsamen Zweckverband Technische Betriebsdienste (ZV TBS), der für Räumen und Streuen der Straßen im Stadtgebiet verantwortlich ist. cas/dpa
Zahlen und Fakten zum Winterdienst
Straßenmeistereien
Laut dem Landesverkehrsministerium gibt es in den 35 Landkreisen im Südwesten 86 Straßenmeistereien, die unter anderem für den Winterdienst zuständig sind. Das Land beschäftigt insgesamt 2150 Straßenwärter.
Straßennetz
Die Meistereien sind für ein umfangreiches Straßennetz zuständig. Dieses umfasst rund 4200 Kilometer Bundesstraßen, rund 10 000 Kilometer Landesstraßen und rund 12 000 Kilometer Kreisstraßen.
Fahrzeuge
Um die Fahrbahnen möglichst schnee- und eisfrei zu halten, besteht der Fuhrpark der Straßenmeistereien aus rund 400 Winterdienstfahrzeugen – Lastwagen und Unimogs.
Salz
Der Streustoff für Auftausalze und Sole besteht aus Natriumchlorid, also aus Kochsalz. In den Salzhallen und -silos lagern insgesamt rund 160 000 Tonnen. Durchschnittlich sind in den letzten zehn Wintern rund 140 000 Tonnen Salz verbraucht worden, im vergangenen Jahr wurde mit rund 110 000 Tonnen deutlich weniger gestreut.