Live-Auftritt für den Videostream, aber erstmals auch wieder vor „richtigem“ Publikum: Das „Dit ist schade“. Festival. Foto: Stefanie Schlecht

Der Sindelfinger Verein „Dit is schade“ hat sein gleichnamiges Festival in diesem Jahr als Hybridform veranstaltet. Ein kleines Publikum durfte vor Ort im Odeon der Musikschule zusehen, der Rest schaltete im Youtube-Livestream dazu.

Sindelfingen - Dass Konzerte wieder stattfinden können, sorgt in der Musikszene für große Erleichterung. Zwar kann von Normalität noch keine Rede sein, doch immerhin ist in kleinem Rahmen wieder echtes Publikum erlaubt. Im Sindelfinger Odeon haben an diesem Wochenende knapp 20 Zuschauer den Musikern des „Dit is schade“-Festivals vor Ort zugehört. „Das ist zwar nicht ganz volles Haus, insgesamt hätten wir ungefähr 30 Leute hineinlassen dürfen“, räumt der Organisator Tobias Bacherle im Nachhinein ein. „Aber das Konzert war sowieso eher als Stream ausgelegt und wir sind trotzdem mit allem sehr zufrieden - die Hauptsache ist, es geht wieder was.“

Die Veranstalter sind zufrieden

Der Youtube-Stream konnte bis zum Samstagabend 270 Views vorweisen, die Veranstalter sind zufrieden. „Für uns ist das Streamen absolutes Neuland, wir waren ziemlich aufgeregt, ob das mit der Technik alles klappt“, sagt Tobias Bacherle. „Aber zum Glück haben wir ein großartiges Technikteam und das Einzige, das ein bisschen geholpert hat, war der Facebookstream.“

Kurz vor Festivalbeginn sei die Anspannung auch deshalb ziemlich groß gewesen, weil die Organisation in diesem Jahr ziemlich auf Kante genäht war. „Wir haben vor ungefähr sechs Wochen mit der Planung angefangen“, berichtet Daniel Vogrin aus dem Organisationsteam. „Zum Glück sind wir mittlerweile ziemlich gut vernetzt, sodass wir kurzfristig einige Musiker organisieren konnten.“ Dass auch Publikum vor Ort mit dabei sein darf, habe aufgrund der sinkenden Zahlen erst wenige Tage vor Festivalbeginn festgestanden. „Dafür musste dann natürlich noch mal extra ein Hygienekonzept aufgestellt werden“, erzählt Daniel Vogrin. Kein Wunder, dass den Veranstaltern nach dem gelungenen Ablauf an Tag eins ein richtiger Stein vom Herzen fiel.

Insgesamt sechs Bands an zwei Abenden

Insgesamt sechs Bands hatten am Freitag- und Samstagabend im Odeon ihren Auftritt, darunter auch lokale Musiker, wie das Herrenberger Duo „Romue“. Um das Konzert für die Zuschauer außerhalb des Odeons noch aufzupeppen, wurden zwischen den Auftritten Interviews mit einigen Musikern eingeblendet. Headliner am Freitag war der Berliner Solo-Künstler „Trille“, der sich im musikalischen Genre „Indie-Trap“ bewegt, eine Stilrichtung des Hip-Hop. Den Sound eines Musikers wie „Trille“ auf der Bühne wieder live zu hören, beschreibt Daniel Vogrin als unglaubliches Gefühl. „Da kommen ganz andere Emotionen rüber, als wenn man über Spotify die ausproduzierten Tracks anhört“, schwärmt er. „Auf der Bühne sieht man die Musiker arbeiten, man spürt den Sound und hat alles direkt vor sich.“ Dieser Moment habe ihn vor allem deshalb berührt, weil er selbst Musiker ist und weiß, wie schwer die Branche es seit einem Jahr hat. „Zu sehen, wie schlecht es der Branche geht, schmerzt als Kultur-Fan“, meint er. „Alle Künstler sind mega-hungrig darauf, live zu spielen.“ Zu ihnen gehört auch Elena Rudolph, die mit ihrer Band „Elena Rud“ aus München angereist ist.

Frontsängerin konnte zuletzt nur via Livestream auftreten

Die Frontsängerin war im vergangenen Jahr hauptsächlich via Livestreams aufgetreten und weiß, wie rar solche Auftrittsmöglichkeiten derzeit gesät sind. „Das letzte Jahr war eine etwas deprimierend, weil die Inspiration und Vorfreude auf Konzerte total gefehlt haben“, schildert Elena Rudolph. „Wir haben die Zeit zwar genutzt, um an Songs zu arbeiten, aber das war nicht dasselbe.“ Die Stadt zu verlassen und außerhalb der Heimat auf einer Bühne zu singen, fühle sich fast schon an wie eine kleine Tournee. „Das fühlt sich super befreiend an“, schwärmt sie. Obwohl sich „Trille“ und „Elena Rud“ in der deutschen Indie-Szene schon einen Namen gemacht haben, richtet sich das „Dit is schade“-Festival“ im Gesamtkonzept vor allem an die Musiker, die noch in den Startlöchern stehen. „Uns ist es wichtig, mit unserem Festival Newcomer zu unterstützen und ihnen eine Auftrittsmöglichkeit zu geben“, erklärt Tobias Bacherle. Normalerweise findet das Festival im Jugendhaus Süd statt, bereits im vergangenen Jahr war man allerdings Corona-bedingt auf den „Grünen Platz“ ausgewichen. Bis das „Dit is schade“ wieder mit vollem Haus in seiner gewohnten Location stattfinden kann, ist es leider noch ein langer Weg.

Für September ist ein Festival auf dem Grünen Platz geplant

Doch die Veranstalter geben nicht auf und wollen weiter präsent sein. „Wir planen auch dieses Jahr im September wieder ein Festival auf dem Grünen Platz in Sindelfingen“, kündigt Tobias Bacherle an. „Dann hoffentlich mit noch mehr Freiheiten, sodass vielleicht zumindest in Gruppen wieder Tanzen und ein bisschen feiern möglich ist.“