Der Verhandlungstermin in Ellwangen an diesem Montag wurde von der Kammer abgesagt. Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Die Geschichte vom „Wunder von Königsbronn“ muss doch nicht umgeschrieben werden – zumindest vorerst. Das Unternehmen muss derweil weiter kämpfen.

Die Geschichte vom „Wunder von Königsbronn“ muss doch nicht umgeschrieben werden – zumindest vorerst. Einen geplanten Prozess am Landgericht Ellwangen, bei dem es um die sensationelle Rettung der Schwäbischen Hüttenwerke (SHW) hätte gehen sollen, hat die zuständige 2. Zivilkammer zunächst verschoben und mittlerweile ausgesetzt.

Die Hüttenwerke gelten als ältester Industriebetrieb Deutschlands und waren 2019 nach mehreren Insolvenzen und einem vorübergehenden Produktionsstillstand überraschend wieder angefahren worden.

Bisher galten der Betriebsratschef Fred Behr und der Betriebswirtschaftler und Gastwirt Andreas Meyer als die Macher der als Wunder bezeichneten Rettung des Traditionsunternehmens aus dem Kreis Heidenheim. Sie sehen sich nun der Klage des Geschäftsfmannes Wilfried Hitzler ausgesetzt.

Der promovierte Verfahrenstechniker, der wie die beiden anderen Männer ebenfalls aus Königsbronn stammt, behauptet, er habe damals den ersten Kontakt zu der Münchner Beratungsfirma One Square Advisors (OSA) hergestellt. Dies würden Behr und Meyer aber notorisch unterschlagen.

OSA als Schlüsselakteur bei der Rettung der Hüttenwerke

Bei der Rettung der Hüttenwerke (heute: HWK) spielte OSA eine zentrale Rolle als Sanierungsberater und Mitgesellschafter der Auffanglösung, wenngleich die Finanzierung vor allem durch einen Gehaltsverzicht der Mitarbeiter und eine Vorfinanzierung durch Kunden gelang. Die Fabrik, die auf eine Gründung durch Zisterziensermönche im Jahr 1365 zurückgeht, gilt als Weltmarktführer für riesige Papierkalanderwalzen.

Allerdings wird der durchaus kuriose Prozess, bei dem Hitzler von den Beklagten verlangt, seinen Einsatz gegenüber der Öffentlichkeit künftig angemessen zu würdigen und ihn außerdem finanziell zu entschädigen, vorerst nicht stattfinden. Der Verhandlungstermin an diesem Montag wurde von der Kammer abgesagt. Es müsse erst geklärt werden, ob die Klägerseite die Klage aufrechterhalte, teilte ein Gerichtssprecher mit. Hitzler wollte sich dazu nur teilweise äußern. Ein Grund sei, dass er seinen Anwalt entbunden und nun eine neue Kanzlei in Berlin mit dem Fall beauftragt habe, sagte er auf Anfrage.

OSA in Skandal verwickelt: Ermittlungen wegen Betrug und Untreue

Allerdings ist auch die damalige Beratungsfirma in die Schlagzeilen geraten. Seit 2024 ermittelt die Staatsanwaltschaft München I gegen Führungskräfte der OSA wegen Betrug, Untreue, Marktmanipulation, Unterschlagung und Veruntreuung von Anleger- und Gläubigergeldern. Wegen Unregelmäßigkeiten beim Insolvenzverfahren des Textilherstellers Sympatex wurden ein OSA-Geschäftsführer und zwei weitere Angeklagten im Oktober 2025 nach einem sogenannten Deal zu Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt.

Geprüft werden von der Staatsanwaltschaft außerdem drei weitere Komplexe, bei denen OSA aktiv war. Die Rettung der Hüttenwerke ist offenbar nicht betroffen. Als aber im vergangenen Jahr ein weiterer OSA-Chef vorübergehend in Untersuchungshaft kam, musste das mittlerweile an der Börse notierte Unternehmen dies als Ad-hoc-Mitteilung veröffentlichen. Der Mann war bei den Hüttenwerken als geschäftsführender Direktor eingetragen.

Was die Entwicklung von HWK betrifft, musste das Unternehmen zuletzt die Prognose für 2025 senken. Man rechne nun mit einem Verlust im niedrigen einstelligen Millionenbereich. Das Unternehmen sei weiterhin ein Sorgenkind, sagte ein Sprecher der IG-Metall. Das Marktumfeld sei herausfordernd. Nach dem Übergangsjahr 2025 strebt das Unternehmen aber ein zweistelliges Wachstum an. Gegenwärtig zählt der Industriebetrieb rund 120 Beschäftigte.