Die Abfallgebühren steigen im Rems-Murr-Kreis im kommenden Jahr deutlich an. Welche Gründe dahinterstecken und was das für einen Vier-Personen-Haushalt konkret bedeutet.
Die Entscheidung ist gefallen: Die Müllentsorgung im Rems-Murr-Kreis wird ab Januar 2026 teurer – spürbar teurer. Wie der Kreistag in seiner jüngsten Sitzung in Backnang mehrheitlich beschlossen hat, steigen die Gebühren für Privathaushalte in den Jahren 2026 und 2027 deutlich an. Besonders betroffen sind Familien und Kleingewerbe.
Wie Marcus Siegel, Finanzvorstand der Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM), erläuterte, müssen vor allem gesetzliche Vorgaben gestemmt werden. 15,7 Millionen Euro an Mehrkosten schlagen in Summe zu Buche. Allein 3,2 Millionen entfallen laut Siegel auf die CO₂-Abgabe, weitere 4,9 Millionen Euro auf Rückstellungen für die Nachsorge längst geschlossener Restmülldeponien.
CO₂-Abgabe, Deponien, IT-Sicherheit – Müll kostet mehr denn je
Auch das digitale Zeitalter hat seinen Preis: Die Umsetzung der sogenannten KRITIS-Verordnung, die kritische Infrastrukturen wie die Müllentsorgung gegen Cyberangriffe absichern soll, kostet den Kreis zusätzlich 1,1 Millionen Euro. Und das ist noch nicht alles. Der Rückgang bei Verwertungserlösen für Altholz, steigende Preise bei Logistik und Dienstleistern sowie neue Investitionen für moderne Wertstoffhöfe treiben die Rechnung weiter in die Höhe.
So summiert sich die jährliche Gebühr für einen typischen Vier-Personen-Haushalt im Kreis künftig auf 196 Euro – das sind 31 Euro mehr als bisher, ein Anstieg um rund 19 Prozent. Die Gebühren gelten für die beiden Jahre 2026 und 2027, danach sei – so die Hoffnung – nur noch mit moderaten Erhöhungen zu rechnen. „Wir erwarten für 2028 eine Seitwärtsbewegung“, erklärte Siegel.
Trotz Erhöhung: Kreis bleibt im landesweiten Mittelfeld
Doch wie steht der Rems-Murr-Kreis im landesweiten Vergleich da? Laut der jüngsten Abfallbilanz des Umweltministeriums liegt der Landesdurchschnitt bei 196,70 Euro – der Rems-Murr-Kreis bleibt mit seinen neuen Gebühren also minimal darunter. 2025 belegte der Kreis Platz 11 von 44 Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg. Ob sich dieser Rang mit den neuen Gebühren halten lässt, bleibt abzuwarten. Ziel ist es laut Landrat Richard Sigel aber, „weiterhin im unteren Mittelfeld“ zu bleiben.
Der Vergleich zu den umliegenden Landkreisen: Während Esslingen 2025 für den „Musterhaushalt“ bei 117 Euro lag, kostete die Entsorgung im Rems-Murr-Kreis bereits 165 Euro. Künftig wird man mit 196 Euro aufholen – und damit unter anderem Heilbronn (170 Euro), Ludwigsburg (216 Euro) und Schwäbisch Hall (223 Euro) zumindest einholen oder gar überholen.
Neue Abrechnungsmethoden erleichtern Müllentsorgung ab 2027
Auch organisatorisch tut sich einiges. Ab 2027 soll die Müllgebühr nicht mehr über Marken, sondern über den Jahresbescheid erhoben werden. Die dafür nötige Ausstattung der Mülltonnen mit elektronischen Chips soll bis zum Sommer kommenden Jahres flächendeckend abgeschlossen sein. Damit will man bürokratische Hürden abbauen und für mehr Transparenz sorgen.
Ein weiterer Punkt betrifft das Grüngut: Die gebührenpflichtige Annahme ab einem Volumen von zwei Kubikmetern wird gestrichen – eine Entlastung für Hobbygärtner und Eigenkompostierer.
Dennoch bleibt die zentrale Botschaft: Abfall wird teurer. Auch für Kleingewerbe steigen die Gebühren – etwa beim Restmüll ab einem Volumen von 240 Litern. Hier wird künftig ein einheitlicher Literpreis angesetzt. Ein Rechenbeispiel verdeutlicht: Für ein 1100-Liter-Gefäß zahlt ein Betrieb künftig 1358 Euro jährlich, das sind satte 123 Euro mehr als 2025.
Was Bürger jetzt tun können: Mülltrennung wird zum Sparfaktor
Was bleibt den Bürgerinnen und Bürgern im Kreis also übrig? Die Antwort klingt banal, ist aber effektiv: Müll vermeiden, richtig trennen und die Biotonne sinnvoll nutzen. Denn wer mehr trennt, produziert weniger Restmüll – und der ist am teuersten. Marcus Siegel appelliert an die Haushalte, Wertstoffe sauber zu sortieren. Auch Landrat Sigel betont: „Jede richtige Entscheidung am Abfallbehälter hilft dabei, das Gebührenniveau stabil zu halten.“
Die Müllgebühr ist also nicht nur eine Frage der Kalkulation, sondern auch der Verantwortung – gegenüber Umwelt, Mitmenschen und dem eigenen Geldbeutel. Wer Müll trennt, spart. Und wer spart, hat am Ende ein bisschen mehr Geld im Portemonnaie.