Groß im Kommen: Glasfaser Foto: imago/argum

Die Stadt Herrenberg schließt zum flächendeckenden Breitbandausbau einen Kooperationsvertrag mit dem Versorger „Deutsche Glasfaser“. Voraussetzung ist allerdings, dass mindestens 40 Prozent der Haushalte mitmachen. Auch andernorts geht der Anbieter in die Offensive.

Herrenberg - In Herrenberg rückt digitales Surfen in Höchstgeschwindigkeit in greifbare Nähe: Die Stadtverwaltung hat mit dem Glasfaserversorger „Deutsche Glasfaser“ einen Kooperationsvertrag zum flächendeckenden Breitband-Ausbau abgeschlossen. Voraussetzung ist, dass mindestens 40 Prozent der anschließbaren Haushalte „Ja“ zu dem Angebot sagen.

Schnelles Internet gehört zur Daseinsfürsorge

In der Pandemie habe die Gesellschaft mit Homeoffice und -schooling „ganz andere Dimensionen erfahren, was Leistungsverfügbarkeit und Datenraten angeht“, unterstrich Herrenbergs Oberbürgermeister Thomas Sprißler bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Schnelle und leistungsstarke Internetverbindungen zählen für ihn inzwischen genauso zur „Daseinsfürsorge“ wie Wasser-, Strom- und Gasversorgung. Die Stadtverwaltung habe bereits seit geraumer Zeit an möglichen Lösungen gearbeitet, so der OB weiter. Unter anderem ist die Stadt auch dem Zweckverband Breitbandausbau im Landkreis Böblingen beigetreten, der wiederum Mitglied der Gigabit Region Stuttgart ist. In den Gewerbegebieten Gültstein und Herrenberg Nord konnte seitdem der Breitband-Ausbau vorangetrieben werden, berichtete Herrenbergs Erster Bürgermeister Stefan Metzing. Wenn es um den raschen flächendeckenden Ausbau gegangen sei, sei für die Verwaltung bei Anfragen bei den großen Netzanbietern bisher allerdings „nicht viel zu holen gewesen“, berichtete der Finanzbürgermeister weiter. Daher freue er sich darüber, dass durch neue Player wie die Deutsche Glasfaser „Bewegung in den Markt“ gekommen ist.

Nachfragebündelung startet am 25. September und dauert bis 18. Dezember

Darüber, ob die digitale Zukunft in der Kernstadt und den sieben Stadtteilen bald Realität wird oder Zukunftsmusik bleibt, entscheidet nun die Einwohnerschaft selbst: Mindestens 40 Prozent der anschließbaren Haushalte in den Ausbaugebieten müssen sich bei der sogenannten „Nachfragebündelung“, die ab dem 25. September startet und bis zum 18. Dezember 2021 geht, für einen Glasfaseranschluss entscheiden. Nur so rechnet sich der eigenwirtschaftliche Ausbau ohne öffentliche Gelder für die Holding.

Das Netz der Deutschen Glasfaser sei dabei „open acces“, betonte Jörg Blum, der als Projektleiter des Unternehmens für Herrenberg zuständig ist. Das heißt, auch andere Anbieter können es nach Abschluss einer entsprechenden Vereinbarung nutzen. Das sei ein wichtiger Punkt beim Vertragsabschluss gewesen, betonte Thomas Sprißler.

Schnellentschlossene erhalten den Hausanschluss kostenlos

Wer bis zu diesem Stichtag auf den digitalen Hochgeschwindigkeitszug mit bis zu einem Gigabit pro Sekunde aufspringt und einen Endkundenvertrag mit zwei Jahren Mindestlaufzeit mit der Deutschen Glasfaser abschließt, der bekommt den Hausanschluss kostenlos. Nachzügler müssen diese Kosten dagegen selbst tragen. Diese liegen aktuell bei 750 Euro, aber „die werden wohl nicht reichen“, betonte Jörg Blum. Um die Kündigung des bestehenden Vertrags und die Rufnummernmitnahme kümmere sich die Deutschen Glasfaser für die Neukunden, erläuterte er weiter. Bis zum Auslaufen des Altvertrages könnten diese zudem bereits kostenlos über den neuen Anschluss surfen.

Ausbaustart könnte im Mai 2022 sein

Falls sich genügend Interessenten finden, will das Unternehmen im Mai/Juni 2022 mit dem Ausbau beginnen, wobei die Verlegearbeiten so „minimalinvasiv“ wie möglich vonstattengehen sollen, so Blum: „Alles was wir an einem Tag aufmachen, werden wir am gleichen Tag wieder verschließen“. Ende 2024 sieht Blum als realistisches Ziel für den Abschluss der Arbeiten. Anschlüsse werden nach und nach freigeschaltet.

Die Deutsche Glasfaser informiert mit Online-Infoabenden und Haustürbesuchen. Zusätzlich wird sie einen Servicepunkt in der Tübinger Straße 20 einrichten. Geöffnet ist dienstags, donnerstags und samstags von 10 bis 18 Uhr.

Deutsche Glasfaser Holding

Aktiv im Landkreis
 Die Deutsche Glasfaser will im Landkreis Böblingen nicht nur in Herrenberg aktiv werden. Laut Unternehmenshomepage läuft die Nachfragebündelung aktuell auch in Bondorf, Gäufelden, Mötzingen, Nufringen, Perouse, Weissach und im Gewerbegebiet Magstadt.

Infos und Termine
 Unter www.deutsche-glasfaser.de/netzausbau gibt es weitere Informationen – unter anderem auch zu Terminen der jeweiligen Online-Infoabende. Es gibt unterschiedliche Tarife je nach gewählter Übertragungsrate. 

Das Unternehmen
 2011 gegründet, firmiert die Deutsche Glasfaser als GmbH und beschäftigt zurzeit rund 1500 Personen. Aktuell verlegt das Unternehmen nach eigenen Angaben 30 000 Anschlüsse monatlich. Nach Telekom und Vodafon ist die Deutsche Glasfaser inzwischen drittgrößte Anbieterin auf dem deutschen Markt.