Ilya Shmukler Foto: www.ilyashmukler.com

Wohl eines der aufregendsten Konzerte der ganzen Festivalgeschichte zeigte der russische Pianist Ilya Shmukler zuletzt beim Böblinger Pianistenfestival.

Beim zweiten Konzert des diesjährigen Pianistenfestivals in der Böblinger Kongresshalle war Ilya Shmukler zu Gast. Hauptwerk des Abends war das fünfsätzige „Miroirs“ von Maurice Ravel. Zudem spielte der 30-jährige russische Pianist noch zwei Notturni von Fanny Hensel (g-Moll, H. 337) und Clara Schumann (Soirées musicales, op. 6). Triumphaler Schlusspunkt: Robert Schumanns Symphonische Etüden op. 13.

Ravels „Miroirs“ basieren auf der Klaviertechnik von Franz Liszt und schildern mit ungeheuer vielschichtigen Klangfarben mit feinsten rhythmischen Akzenten stimmungsvolle Charakterbilder von Menschen und Natur.

Der Leiter des Pianistenfestivals, Ulrich Köppen, wies auf die rasanten Karriereschritte Shmuklers hin. Im Jahr 2024 gewann der junge Russe den renommierten Geza-Anda-Wettbewerb in Zürich. In den vergangenen sechs Monaten gab er 18 Konzerte auf internationalen Bühnen. Vor dem Böblinger Termin gastierte er unter anderem in der Elbphilharmonie in Hamburg, in Nürnberg und Düsseldorf. Auch in den kommenden Wochen gibt er zehn Konzerten in Deutschland, in der Schweiz, Kanada, Japan und nicht zuletzt im auch legendären Konzerthaus in Wien.

Technisch unbegrenzte Möglichkeiten

Seine scheinbar technisch unbegrenzten Möglichkeiten setzte Shmukler vor allem dafür ein, feinsten Nuancen der musikalischen Darstellung zu realisieren. Bei Ravel waren es die subtil schillernden Klanggemälde, bei den beiden romantischen Komponistinnen waren es eher intime Stimmungsbilder, die begeisterten. Bei Robert Schumanns komplexen sinfonischen Etüden, die eigentlich Variationen sind, beeindruckte seine unermessliche Palette an lyrisch-poetischen Nuancen und der mitreißende rhythmische Schwung.

Shmukler war gar so in seinem musikalischen „Flow“ gefangen, dass er die Pause vergaß und alle Stücke hintereinander weg spielte, was aber im Publikum keinen zu stören schien. Den tosenden Applaus und die Bravorufe belohnte er mit einer kurzen Zugabe, einem Satz aus Robert Schumanns bunten Blättern, das „Stücklein“ Opus 99/1.

Nächstes Konzert mit Robert Neumann

Beim nächsten Konzert am Freitag, 23. Januar, um 20 Uhr tritt Robert Neumann im Württembergsaal der Böblinger Kongresshalle auf. Auf dem Programm stehen die Wandererfantasie“ von Franz Schubert, 12 Etüden op. 10 von Frédéric Chopin sowie die Uraufführung einer Sonate, die der Pianisten selbst komponiert hat.