Es beginnt mit leisen Bildern und wuchtigen Lebensgeschichten: Der Dokumentarfilm „Unversöhnt“ von Lukas Augustin führt die Zuschauerinnen und Zuschauer tief hinein in das Ruanda nach dem Genozid von 1994. Augustin lässt Menschen zu Wort kommen, die unfassbaren Verlust erlebt haben, und dennoch Wege gefunden haben, ihre Gegenwart neu zu gestalten.
Noch bevor der Hauptfilm startete, eröffnete Petra Waschner am 25.11.2025 den Kinoabend mit einem einfühlsamen Impuls. Sie führte behutsam an das Thema Vergebung heran und bereitete das Publikum darauf vor, sich auf die emotional herausfordernden Geschichten einzulassen, die der Film erzählt.
Da ist der Vater, der seine Familie verlor und dennoch die Kraft fand, weiterzuleben. Da ist der ehemalige Täter, der mit der Schwere seiner eigenen Vergangenheit ringt. Und da ist die junge Liliane, die aus einer Vergewaltigung während des Genozids stammt und ihre Mutter trotzdem voller Zuneigung betrachtet. Solche Geschichten öffnen einen Raum, der erschüttert, herausfordert und zugleich Hoffnung schenkt.
Der Film macht eindrücklich sichtbar, wie widersprüchlich und kraftvoll Vergebung sein kann. Sie fordert dem Menschen viel ab, stellt sich jedoch dem Kreislauf von Vergeltung und Verbitterung entgegen. Besonders eindringlich ist die Szene, in der Opfer und Täter heute gemeinsam eine Kuh halten, ein stilles, aber starkes Bild dafür, wie Versöhnung im Alltag Gestalt annehmen kann.
Nach der Vorführung vertiefte Filmemacher Lukas Augustin gemeinsam mit Petra Waschner die zentralen Fragen des Films. Sie sprachen darüber, dass zwischen erlittenem Unrecht und der eigenen Reaktion ein innerer Freiraum liegt, ein Moment, in dem sich entscheidet, ob Vergeltung oder ein neuer Anfang möglich wird. Viele der im Film porträtierten Menschen fanden im Glauben eine Quelle der Kraft, die ihnen half, Vergebung als Schritt in die Freiheit zu verstehen.
Durch den Abend führte Ute Reuter, die mit ihrer Moderation sowohl die inhaltliche Tiefe des Gesprächs eröffnete als auch die Verbindung zur ökumenischen Kinoreihe „Zwischen Anpassung und Widerstand“ herstellte. Sie ordnete den Film in die thematische Linie der Reihe ein, gab Orientierung und lenkte den Blick des Publikums auf die übergeordneten Fragen nach Haltung, Mut und innerer Erneuerung.
Eine besondere Bereicherung war der Beitrag von Vital Nsengiyumva, der beim Filmdreh als Übersetzer mitwirkte und aus der Region stammt, in der die filmischen Begegnungen stattfanden. Seine persönlichen Einblicke machten deutlich, wie anspruchsvoll der Weg der Versöhnung in Ruanda bis heute ist, und wie viel Hoffnung er dennoch birgt.
Im Laufe des Abends wurde spürbar, wie stimmig „Unversöhnt“ in die ökumenische Kinoreihe eingebettet ist. Die Katholische und die Evangelische Erwachsenenbildung im Kreis Böblingen greifen darin Filme auf, in denen Menschen an den Grenzlinien zwischen Anpassung, Widerstand und persönlicher Haltung stehen.
Die Reihe findet nun ihren Abschluss: Am Montag, 1. Dezember 2025, wird im Filmzentrum Bären in Böblingen um 19 Uhr der letzte Beitrag gezeigt: „Braveheart“. Der Film lädt dazu ein, das Thema von Mut und Zivilcourage noch einmal aus historischer Perspektive zu betrachten und damit einen eindrucksvollen Schlusspunkt der diesjährigen Reihe zu setzen.
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