(v.l.) Alexander Lamka, Mika Greiner, Micha Neitzel, Alexander Medic und Isaac Gonzalez Foto: Gonzalez

Schüler des Kaufmännischen Schulzentrums Böblingen beim European Youth Parliament

Vom 22. bis 27. Mai 2025 nahmen vier Schüler des Kaufmännischen Schulzentrums Böblingen – Mika Greiner, Alexander Lamka, Alexander Medic und Micha Neitzel – an der Nationalen Auswahlsitzung des European Youth Parliament (EYP) in Karlsruhe teil. Bereits im April hatten sie sich bei der regionalen Sitzung in Eckernförde und im Schleswig-Holsteinischen Landtag für diese Runde qualifiziert. Nun vertritt Micha Neitzel im Herbst das EYP Germany bei der internationalen Sitzung im spanischen Málaga.

Das European Youth Parliament ist eine europäische Bildungsinitiative, die Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren einen vertieften Zugang zu politischen Prozessen ermöglicht. In Form mehrtägiger Parlamentssimulationen arbeiten sie in international besetzten Ausschüssen an aktuellen politischen Fragen und formulieren Lösungsvorschläge. Diese werden abschließend im Plenum zur Debatte und zur Abstimmung gestellt. Alle Beiträge erfolgen auf Englisch. Der Wettbewerbscharakter bleibt nicht aus: Eine Jury bewertet sowohl die Ausschussarbeit als auch die Auftritte im Plenum. Die überzeugendsten Rednerinnen und Redner erhalten die Möglichkeit, an weiteren nationalen und internationalen Sitzungen teilzunehmen.

Die Themen, mit denen sich die Jugendlichen auseinandersetzten, reichten vom Umgang mit Mikroplastik über die Stärkung der Luftqualität bis hin zur Bewahrung von Küstenregionen im Spannungsfeld von Tourismus und lokaler Wirtschaft. Besonders beeindruckend fanden die vier Schüler die Arbeit im Landtagsgebäude mit Blick auf die Kieler Förde sowie die Vielfalt der Diskussionen. "Man arbeitet mit Menschen zusammen, mit denen man sonst nie in Kontakt gekommen wäre", berichtet Mika Greiner.

Alexander Lamka hebt hervor, wie sehr das freie Sprechen vor vielen Menschen ihn herausgefordert und weitergebracht habe. Alexander Medic betont die Bedeutung von Argumentationsfähigkeit und Kompromissbereitschaft. Besonders pointiert bringt Mika Greiner die Atmosphäre des EYP auf den Punkt: Er spricht von einem „akademischen Pöbeln“. Die Debatten, so berichtet er, seien leidenschaftlich geführt, aber stets respektvollen geblieben.

In Zeiten zunehmender Politikverdrossenheit bietet das EYP jungen Menschen die Möglichkeit, Demokratie aktiv erleben zu können. „Junge Menschen sind die Zukunft – und wir werden die Folgen heutiger Entscheidungen tragen“, sagt Mika Greiner. Das EYP vermittle ein Gespür für demokratische Prozesse, mache europäische Institutionen greifbar und schule zugleich Sprachkompetenz, Teamarbeit und interkulturelle Verständigung.

Micha Neitzel mahnt jedoch auch zur kritischen Reflexion. Das EYP sei nicht der gesellschaftliche Querschnitt. Es brauche mehr Breite und Zugänge auch für weniger privilegierte Jugendliche.

Das Engagement der Böblinger Delegation endet nicht mit der Sitzung in Karlsruhe. Neben der geplanten Teilnahme von Micha Neitzel an der Sitzung in Málaga arbeiten die vier an einer Kooperation mit einer Münchner Schule. Alle vier betonen, wie sehr das EYP sie persönlich bereichert habe und empfehlen anderen Jugendlichen ausdrücklich, sich zu bewerben. „Ich bereue es, nicht früher teilgenommen zu haben“, sagt Mika.

Das European Youth Parliament ist ein Stück gelebtes Europa. Und es beginnt, wie in Böblingen, mit dem Mut, sich einzumischen.

Bei uns daheim

Die hier veröffentlichten Artikel wurden von Vereinen und Gemeinden, Schulen und Kindergärten, Kirchengemeinden und Initiativen verfasst. Die Artikel wurden von unserer Redaktion geprüft und freigegeben. Für die Richtigkeit aller Angaben übernehmen wir keine Gewähr.