Fachtag in Böblingen Foto: Ev. Kirchenbezirk Böblingen

Fachtag zum Thema „Freiheit und Fürsorge am Ende des Lebens. Eine persönliche Auseinandersetzung mit dem assistierten Suizid“.

Das Bundesverfassungsgericht hat im Februar 2020 in einem aufsehenerregenden Urteil entschieden: Das im Grundgesetz verbürgte Recht auf persönliche Selbstbestimmung schließt ein, dass Menschen über die Art, den Verlauf und den Zeitpunkt des eigenen Sterbens entscheiden und bei einer möglichen Selbsttötung die Hilfe Dritter (das heißt auch gewerbsmäßige Assistenz über Sterbehilfevereine) in Anspruch nehmen dürfen. Seither sind Politik, Gesellschaft und Medizin auf der Suche nach geeigneten Rahmenbedingungen. Einen Beitrag zu dieser Suche bot ein Fachtag, den der Evangelische Kirchenbezirk im November gemeinsam mit verschiedenen diakonischen Trägern veranstaltet hat.

Das Theaterstück „All das Schöne“ vom Forum-Theater Stuttgart stimmte am Vorabend des Fachtags im Böblinger Haus der Begegnung auf das Thema ein.
Am darauffolgenden Samstagmorgen strömten dann fast 120 Teilnehmende zum Fachtag in die Paul-Gerhardt-Kirche und ins Haus der Begegnung. Es kamen Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen: aus Altenpflege und Hospizarbeit, Beratungsstellen und Krankenhäusern, Landratsamt und Kirchengemeinden. Neben solchen, die beruflich mit dem Thema konfrontiert sind, waren unter den Teilnehmenden auch Menschen, die in ihrem persönlichen Umfeld mit dem Thema in Kontakt gekommen sind.

„Als Evangelische Kirche haben wir bemerkt, dass wir uns mit der Frage beschäftigen müssen, wie wir Menschen mit dem Wunsch nach einem assistierten Suizid begegnen“, sagte Dekan Markus Frasch in seiner Begrüßung in der Kirche. Er betonte, dass es in der Evangelischen Kirche zwar ethische Grundprinzipien gebe, aber kein Amt, das entscheidet, was richtig und falsch ist. Daher müsse sich jeder und jede selbst mit dem assistierten Suizid auseinandersetzen und zu einer eigenen Haltung finden. Um diese Auseinandersetzung zu unterstützen, gab es am Vormittag drei Vorträge. Dr. Anna E. Landis, Psychiaterin, Psychoanalytikerin und Medizinethikerin aus Stuttgart führte in die aktuelle Situation in Deutschland ein und gab Einblicke in ihre Erfahrungen bei der Begutachtung von Menschen, die einen assistierten Suizid anstreben.
Prof. Dr. Björn Görder, an der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg zuständig für Theologie und Ethik in sozialen Handlungsfeldern, gelang es, die Perspektiven evangelischer Ethik allgemeinverständlich darzulegen. Und Pfarrer Dr. Salomo Strauß, leitender Theologe der Evangelischen Heimstiftung aus Stuttgart, berichtete von der Auseinandersetzung des Altenhilfeträgers mit den Sterbewünschen von Bewohnern und dem daraus hervorgegangenen Positionspapier „Das Recht auf assistierten Suizid“, das den Umgang mit dem Thema in den Einrichtungen der evangelischen Heimstiftung regelt.

Ähnlich wichtig waren die zahlreichen Gespräche in den Pausen, in denen die Teilnehmenden von einem engagierten Team rund um Uta Eberle, Heimleiterin im Haus Allmendäcker in Maichingen, versorgt wurden. Neben den Pausen boten auch die Workshops am Nachmittag die Gelegenheit, das Gehörte zu reflektieren und miteinander ins Gespräch zu kommen. Dass im Lauf des Tages viele Aspekte des Themas beleuchtet worden waren, zeigte nicht zuletzt das Plenum am Nachmittag, bei dem alle Workshopverantwortlichen kurz von ihren Perspektiven aufs Thema berichteten. Neben den drei Referenten des Vormittags waren das Intensiv- und Palliativmediziner Dr. Wolfram Panzer, Krankenhaus-Seelsorgerin Heidi Abe, Manuela Weis und Franziska Bach vom Sozialpsychiatrischen Dienst des Evangelischen Diakonieverbands (EDiV) und Monika Haug von der Ambulanten Krebsberatung des EDiV.

Auch die Mitglieder des Vorbereitungsteams waren am Ende des Tages rundum zufrieden. Es gibt schon Ideen für einen weiteren Fachtag. Den Abschluss bildete ein Gottesdienst in der Paul-Gerhardt-Kirche.

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