Die Teilnehmer erhielten viele Anregungen und Tipps, wie die Wildblumenwiesen und Wildstaudenflächen dauerhaft gepflegt werden und wie mit eventuellen anfänglichen Schwierigkeiten umgegangen werden kann. Foto: Stadt Renningen

Das landesweite Nabu-Projekt „Natur nah dran“ bringt die Fachkräfte der teilnehmenden Kommunen bei einem Workshop mit Pflegeeinsatz in Renningen zusammen. Die gemeinsame Fortbildung soll den Aufwand für Blühflächen verringern.

Renningen - Es blüht für Mauerbienen, Bläulinge und Distelfinken: Vertreter von sieben der insgesamt 15 Kommunen, die 2020 am NABU-Projekt „Natur nah dran“ teilgenommen haben, trafen sich zu einem Praxistag in Renningen. Gemeinsam begutachteten und pflegten sie bei einem Workshop die Blühflächen, die sie im September 2020 mit Wildstauden und -blumen bepflanzt hatten. Unter Anleitung des Naturgartenplaners Reinhard Witt unterschieden die fast 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – aufgeteilt in zwei Gruppen – welche Jungpflanzen der im Vorjahr eingebrachten Arten bereits auf den Flächen zu sehen sind. Einige weniger erwünschte Arten wie Gänsedisteln und Kompasslattich, die die Fläche schnell zu überwuchern drohen und deren Samen sich noch im Boden befunden hatten, wurden entfernt. So haben die zum Teil noch kleinen Wildblumen und -stauden Platz und Licht, um zu wachsen.

Stabile Pflanzengemeinschaft mit mehrjährigen Arten

„Die im Projekt angelegten Biotope benötigen anfangs etwas Geduld und Pflege, um sich zu entwickeln. Interessant ist auch, dass sie sich im Laufe der ersten Jahre immer weiter verändern“, erklärt Martin Klatt vom NABU Baden-Württemberg. „Blühen beispielsweise im ersten Jahr noch viele einjährige Pflanzen wie Mohn oder Wegerich-Natternkopf, etabliert sich über die Jahre eine stabile Pflanzengemeinschaft mit mehrjährigen Arten – das macht die Flächen als Lebensraum so attraktiv für viele Insekten und andere Tiere. Wer genau hinschaut, entdeckt bereits jetzt viele kleine Vorboten der kommenden Jahre. In Renningen zeigen sich zum Beispiel schon Margeriten, Weiße Lichtnelken und Blauer Lein.“

Die Teilnehmer erhielten bei der Veranstaltung viele Anregungen und Tipps, wie die Wildblumenwiesen und Wildstaudenflächen dauerhaft gepflegt werden und wie mit eventuellen anfänglichen Schwierigkeiten umgegangen werden kann. Zu Gast in Renningen waren Mitarbeiter der Grünflächenämter, Stadtgärtnereien und Bauhöfe aus sieben der insgesamt 15 in 2020 für „Natur nah dran“ ausgewählten Kommunen. Sie kamen aus Achern, Baindt, Emmendingen, Görwihl, Horb am Neckar, Neuenburg am Rhein, Ostrach und Renningen.

Wildbienen summen mitten in Renningen

„Besonders erfreulich ist, dass wir hier schon zahlreiche Wildblumen wie Färberkamille und Kornblume sehen konnten, an denen nicht nur Honigbienen Nahrung finden, sondern auch die anspruchsvolleren Wildbienen“, erklärt Martin Klatt und begründet: „Das ist besonders wichtig, denn von den rund 460 Wildbienenarten in Baden-Württemberg sind über die Hälfte in ihrem Bestand gefährdet. Da leisten unsere Flächen einen wertvollen Beitrag, um die wichtigen Bestäuber zu schützen.“

Die Teilnehmer erhielten bereits im April eine Online-Schulung mit Reinhard Witt und dem NABU-Team, da zu diesem Zeitpunkt ein Treffen vor Ort wegen der Corona-Pandemie nicht möglich war. „Die Teilnehmer waren sich einig: Die Tipps aus dem Online-Seminar und der virtuelle Austausch mit den anderen Kommunen haben ihnen sehr geholfen“, bilanziert Martin Klatt. „Ein Treffen vor Ort ist aber durch nichts zu ersetzen: Hier konnten wir gemeinsam die Pflanzen anfassen, riechen und entscheiden, ob sie entfernt werden müssen oder die Fläche bereichern. Diese Erfahrungen sind für die Arbeitspraxis unentbehrlich.“

INFO: Das NABU-Projekt „Natur nah dran“

Natur nah dran Das NABU-Projekt „Natur nah dran“ wird gefördert durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg sowie im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes. Ziel ist es, Städte und Gemeinden mit Rat und Tat dabei zu unterstützen, Grünflächen im Sinne der Biodiversität umzugestalten.

Flächen in Renningen Die umgestalteten Flächen in Renningen und Malmsheim liegen an den folgenden sieben Standorten: Schöckengasse, Grundschule Malmsheim, Altes Bahnhofsträßle, Alemannenstraße, Lisztstraße/ Hinterriedwiesen, Zufahrt Parkplatz Friedhof Renningen und Verkehrsinsel Gottfried-Bauer-Straße.

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