Der Stuttgarter Kioskbesitzer Serkan Gürbüz rechnen mit Retour-Fluten nach dem Black Friday. Foto: Lea Krug

Vom Zigarettenladen zum Mini-Logistikzentrum: Womit der Stuttgarter Kioskbesitzer Serkan Gürbüz rechnet und was die Logistikzentren tun.

Die heiße Päckchen-Phase startet. Nicht der Nikolaus oder das Christkind bringen sie, sondern vor allem die vielen Zusteller von den großen Logistikunternehmen. Mit romantischer Vorweihnachtszeit hat das wenig zu tun. Es geht um viel Arbeit und ein riesiges Geschäft. Oder wie Serkan Gürbüz sagt: „Nächste Woche wird eine Katastrophe.“ Gürbüz betreibt an der S-Bahn-Haltestelle Schwabstraße den Kiosk „Tabacco and More“. In den kommenden Wochen steht letzteres vor allem für eines: Päckchen. Sein Laden ist nicht nur Anlaufstelle für Raucher und Zeitungsleser, sondern auch einer der zahlreichen DHL-Shops in Stuttgart, in denen Menschen ihre Pakete abgeben können.

Am Donnerstag liegt nur ein kleiner Stapel Pakete im Laden. Serkan Gürbüz geht jedoch davon aus, dass er in den nächsten Tagen deutlich anwachsen wird. Nach dem Black Friday gehe es erst richtig los. „Dann kommen die Retouren“, sagt er. Also all jene Gegenstände, die letztlich wieder zurückgeschickt werden an die Händler. Normalerweise werden die Pakete bei Gürbüz einmal täglich abgeholt, doch bis zur Weihnachtszeit werde sein Laden gleich zweimal angesteuert, erzählt er.

Aus der Ruhe lässt sich Gürbüz nicht bringen. Während er über seinen Alltag im Geschäft spricht, kommen immer wieder Kunden herein: Zigaretten, Energydrinks oder Zeitungen – sein Kiosk ist eine feste Anlaufstelle im Viertel. „Ich habe zum Black Friday selbst elf Jeanshosen bestellt, aber den größten Teil schicke ich ja auch selbst wieder zurück“, sagt er offen.

Die höchsten Paketmengen

Das zusätzliche Geschäft ist enorm. Ein Pressesprecher von Deutsche Post und DHL erklärt: „An Spitzentagen sind rund 14.800 Paketzustelltouren geplant – etwa 5000 mehr als an einem normalen Tag.“ Der boomende Onlinehandel und stark schwankende Sendungsmengen – insbesondere rund um Black Friday und Cyber Week – stellten hohe Anforderungen an Planung und Steuerung, so das Unternehmen. Entsprechend würden zusätzliche Kräfte eingesetzt: 10.000 Aushilfen unterstützen die 150.000 Mitarbeitenden in den Zentren und bei der Zustellung.

Ähnlich fällt die Einschätzung beim Konkurrenten Hermes aus. „In diesem Jahr erwarten wir rund um Black Friday und die anschließende Cyber Week erneut die höchsten Paketmengen – mit bis zu drei Millionen Sendungen“, so ein Unternehmenssprecher. Im Vergleich zu einer regulären Oktoberwoche rechnet Hermes mit einem Anstieg des Sendungsvolumens um rund 23 Prozent.

Der Kiosk von Rifat Oguz in der Tübinger Straße in Stuttgart. Foto: Krug

Doch nicht überall ist von steigenden Zahlen und großem Andrang die Rede. Mancher blickt bereits eher pessimistisch auf das kommende Weihnachtsgeschäft. „Der Black Friday ist kein so großes Thema mehr“, sagt Rifat Oguz, dessen Familie in der Tübinger Straße einen Kiosk mit DHL-Annahmestelle betreibt. Der ruhige Mann hinter dem Tresen, umgeben von Zigaretten, Softdrinks und Snacks, sieht die Lage skeptisch. „Die Leute haben kein Geld oder wollen nicht mehr so viel kaufen“, lautet sein Eindruck der vergangenen Monate. Früher sei deutlich mehr los gewesen.

Verdi macht auf problematische Arbeitsbedingungen aufmerksam

Wenig begeistert zeigen sich mit Blick auf das große Paketgeschäft vor Weihnachten auch die Gewerkschaften. Verdi kritisierte zuletzt die großen Paketdienste wegen ihrer problematischen Arbeitsbedingungen. Eine Umfrage unter mehreren Tausend Beschäftigten habe ergeben, dass viele länger arbeiten als erlaubt, zu wenig Pausen haben und die Qualität ihrer Arbeit darunter leidet. Auch das Arbeitsministerium Nordrhein-Westfalen stellte bei Kontrollen zahlreiche Verstöße gegen den Arbeitsschutz in der Branche fest.