Als erstgeborenes Kind des belgischen Königspaares wird Prinzessin Elisabeth (22) einmal ihrem Vater auf dem Thron nachfolgen. Foto: dpa/Belga/Laurie Dieffembacq

Belgiens Thronfolgerin Elisabeth studiert demnächst an der Eliteuniversität in Harvard. Das ist nur ein Teil ihrer Ausbildung.

Das Königshaus in Belgien ist eine sehr geräuschlose Angelegenheit. König Philippe und seine Gattin Mathilde wirken wie ein ruhender Pol und führen ihr sprachlich, kulturell und von ewig zankenden Politikern zerrissenes Land mit Freundlichkeit und stoischer Ruhe durch die aktuell eher schwierigen Zeiten. Ihre Untertanen scheinen diese Langeweile zu genießen, denn Skandale hatten sie über Jahre genug.

Philippes leises Auftreten ist das exakte Gegenteil des turbulenten Lebens seines Vaters Albert II.. Der galt einst als „Bruder Leichtfuß“, seine Frau Paola in den 60ern als „Party-Prinzessin“. Vergessen ist inzwischen auch der jahrelange, aufsehenerregende Vaterschaftsstreit um Delphine Boël, der unehelichen Tochter von Albert, die sich ihre Rechte vor dem höchsten Gericht erkämpften musste. Die schillernde Künstlerin wird inzwischen von der königlichen Familie akzeptiert, ansonsten aber freundlich auf größter Distanz gehalten.

Wenn Schlagzeilen, dann nur positive

In dieses Bild der heilen Welt fügt sich auch die belgische Thronfolgerin Elisabeth. Immer wieder macht die junge Frau Schlagzeilen, allerdings ausschließlich der positiven Art. Nun wurde bekannt, dass die 22-Jährige diesen Sommer ihr Studium an der US-Universität Harvard in Boston fortsetzen wird. Prinzessin Elisabeth habe jüngst die Aufnahmeprüfungen für einen Masterstudiengang in Public Policy (etwa: öffentliche Politik) bestanden, teilte das Königshaus in Brüssel mit.

Der zweijährige Studiengang werde ihre akademische Ausbildung nach Abschluss ihres Bachelorstudiums in Geschichte und Politik an der Universität Oxford vervollständigen, hieß es weiter. Vor ihrem Studium in Großbritannien machte Elisabeth ihren Schulabschluss am United World College of the Atlantic in Wales. Zudem besuchte sie zur Vorbereitung auf ihre königlichen Pflichten bereits eine Militärschule und legte den Offizierseid ab.

Ganz billig wird das Studium in Harvard nicht

Die belgischen Medien berichten natürlich mit der nötigen Zurückhaltung über diesen neuen Lebensabschnitt der 22-Jährigen. Aus den Berichten spricht allerdings auch ein gewisser, geradezu elterlicher Stolz auf die Thronfolgerin. Sie sei wegen ihrer guten Leistungen mit dem Fullbright-Preis ausgezeichnet worden. Das Palast betonte, dass diese besondere Auszeichnung mit keiner finanziellen Förderung verbunden sei, es handle sich also nicht um ein Studien- oder Reisestipendium.

Ganz billig wird das Studium allerdings nicht, wie die belgische Tageszeitung „Le soir“ berichtet. Die Gebühren belaufen sich für ein Jahr in Harvard auf knapp über 61 000 Euro. Hinzu kommen noch die königlichen Lebenshaltungskosten, die auf stattliche fast 29 000 Euro geschätzt werden. Dafür hat die Prinzessin allerdings das Vergnügen und auch die Ehre, an einer Universität zu studieren, die schon von berühmten Persönlichkeiten wie etwa der spätere US-Präsident John F. Kennedy oder auch Mark Zuckerberg besucht haben.

Das Presseamt des belgischen Königshauses legt großen Wert auf die Feststellung, dass der Prinzessin, die sich unter ihrem Namen „Elisabeth von Sachsen-Coburg“ beworben hatte, beim sehr schweren Auswahlverfahren der Universität keine Vorzugsbehandlung zuteil worden sei. „Im Zulassungsverfahren werden alle Bewerber gleich behandelt“, bestätigt James F. Smith, Direktor für öffentliche Angelegenheiten an der Harvard Kennedy School, gegen über „Le soir“.

Auch der König war auf einer Eliteuniversität

Die Prinzessin habe erst kürzlich die Aufnahmetests an der Harvard-Universität erfolgreich abgeschlossen, präzisiert der Palast. Das sind harte Prüfungen, denen sich jedes Jahr Tausende von Kandidaten stellen. Um zugelassen zu werden, müssen sie neben drei Empfehlungsschreiben und guten Noten in früheren Studien ein Auswahlverfahren bestehen, das auch das Verfassen von Aufsätzen umfasst. Geprüft wird nicht zuletzt die Argumentations- und Analysefähigkeit der Kandidaten. Weiter heißt es, dass „mehr als die Hälfte der Studenten keine amerikanischen Staatsbürger oder ständige Einwohner sind“. Sie kommen aus allen Teilen der Welt. Die Wahl für eine Universität in den USA ist wohl auch dem Umstand geschuldet, dass die Prinzessin dort wesentlich unbehelligter von der Öffentlichkeit unterwegs sein kann als in Europa.

Offensichtlich ist, dass Elisabeth gezielt auf ihre Rolle als zukünftige Königin von Belgien vorbereitet wird. „Le soir“ erinnert daran, dass ihr Vater Philippe ebenfalls in den USA studiert hat – an der Eliteuniversität von Stanford in Kalifornien. So wird sie eines Tages als erste Frau den Thron besteigen. Lange war das in Belgien den Männern vorbehalten. Erst eine Verfassungsänderung Anfang der 1990er machte ein Ende mit diesem Anachronismus.

Europas künftige Monarchinnen

Töchter
 Nicht nur in Belgien, auch in Norwegen, Schweden, Spanien und den Niederlanden werden irgendwann Königinnen auf dem Thron sitzen. Es sind die Prinzessinnen Ingrid Alexandra von Norwegen (20), Victoria von Schweden (46), Catharina-Amalia der Niederlande (20) und Leonor von Spanien (18). In all ihren Ländern sind zurzeit ihre Väter an der Macht.

Regentinnen
 Regierende Königinnen gelten als diszipliniert und pflichtbewusst – man denke nur an Queen Elizabeth II., die bis zu ihrem Tod 70 Jahre lang auf dem britischen Thron saß. Oder die frühere niederländische Königin Beatrix (86), die stets perfekt vorbereitet in jedes Arbeitstreffen kam und die 2013 ihrem Sohn Willem-Alexander den Thron überließ. Anfang 2024 gab Margrethe II. von Dänemark ihre Abdankung zugunsten ihres Sohnes Frederik bekannt. Sie hatte das Land seit 1972 regiert.