Die Gymnasien sollen weniger Schüler aussieben – mit der Forderung hat Kultusministerin Schopper viel Kritik auf sich gezogen. Hier der Überblick.
Unterschiedliche Reaktionen hat Kultusministerin Theresa Schopper für ihren Vorstoß geerntet, wonach die neuen neunjährigen Gymnasien weniger aussieben und einen höheren Anteil der Schüler durchs Abitur bringen sollen. Die Förderung leistungsstarker Schüler dagegen hat die Grünen-Politikerin in einem Interview mit unserer Redaktion allen Schularten gemeinsam als Aufgabe zugewiesen.
Von der Landtags-FDP hat Schopper sich mit dieser Positionierung scharfe Kritik eingehandelt. Sie habe „wohl die Sommerhitze nicht gut vertragen“, wetterte der liberale Bildungspolitiker Timm Kern. Dass Schopper die vermeintlich „großzügige Abschulpraxis“ in der Mittelstufe beenden wolle, sei absurd. Immerhin hätten die Grünen 2011 die verbindliche Grundschulempfehlung abgeschafft. Deshalb gingen heute deutlich mehr Kinder aufs Gymnasium, obwohl eine andere Schulart besser für sie geeignet wäre. Mit ihrer Kritik falle Schopper den engagierten Lehrkräften in den Rücken, die sich jeden Tag um die Kinder bemühten.
SPD bekennt sich zu steigenden Bildungsanforderungen
Sein SPD-Kollege Stefan Fulst-Blei sieht den verstärkten Sog zum Abitur zwar als wirtschaftliche Notwendigkeit an, weil die Unternehmen im Land heute höher qualifizierte Fachkräfte benötigten. Aber er wirft Schopper vor, den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden, weil im Land nach wie vor zu viel Unterricht ausfalle. Fulst-Blei kritisierte erneut, dass nicht alle Gymnasialreferendare eingestellt werden. Im Grundsatz verteidigte er aber Schoppers Linie: „Viele berufliche Chancen ergeben sich mittlerweile nun mal über den Weg zum Abitur. Dies gilt auch für die duale Ausbildung, etwa mit Blick auf die Entwicklung der dualen Hochschulen, die viele wichtige Ausbildungsberufe wie den Industriekaufmann in den vergangenen Jahren substituiert haben.“
Der AfD-Bildungspolitiker Rainer Balzer dagegen macht sich für ein Gymnasium als „Exzellenzschule“ stark. „Das Gymnasium war immer die Schulart, die leistungsstarke Kinder fördert und sie zum Abitur führt. Es ist absurd, diese Schule jetzt zu einer Sammelstelle für alle möglichen Schüler umzubauen“, erklärte er. Wer Leistungsstarke, Leistungsschwache, Hochbegabte und Förderfälle unter einem Dach haben wolle, zerstöre das Profil des Gymnasiums. „Das Ergebnis wird nicht mehr Leistung, sondern weniger Niveau sein“, kritisierte er und nannte es einen „bildungspolitischen Irrweg“, durch mehr „Förderzeit“ in neun Jahren jeden Schüler durchs Abitur schleusen zu wollen.
CDU setzt auf begabungsgerechtes Bildungssystem
Die Bildungspolitiker der Koalition verteidigten die Ministerin. Der CDU sei die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung in einem begabungsgerechten Schulsystem wichtig, betont Andreas Sturm für seine Fraktion. Ziel des Gymnasiums sei es, Schülerinnen und Schüler auf ein Hochschulstudium vorzubereiten. Die Rückkehr zu einer verbindlicheren Grundschulempfehlung sei „ein wichtiger Schritt, damit Kinder den Weg gehen, der wirklich zu ihnen passt und der sie vor Enttäuschungen bewahrt“. Dass Gymnasien ihre Schüler gezielt förderten und auf das Abitur vorbereiteten, sei eine Selbstverständlichkeit.
„Es ist gut, wenn die individuelle Förderung auch am Gymnasium ausgebaut wird“, betonte der grüne Fraktionsvize Thomas Poreski. Bisher seien Kinder am Gymnasium häufig nicht an ihrer Leistungsfähigkeit gescheitert, sondern weil die Eltern sich keine Nachhilfe leisten konnten. Eliten- und Begabungsförderung sei auf allen Lernniveaus möglich. Das zeigten sowohl Sieger von internationalen Bildungsvergleichen als auch innovative Gymnasien und Gemeinschaftsschulen hierzulande.