Mayte Mateos und María Mendiola (rechts) im Jahr 1983 Foto: imago/Gueffroy

Mit „Yes Sir, I can Boogie” schrieb Baccara einst Popgeschichte. Sängerin María Mendiola ist am Wochenende gestorben, bis zuletzt verband sie mit ihrer Partnerin eine tiefe Feindschaft.

Madrid - Feindschaft ist das richtige Wort. Vor einigen Jahren traten beide in Moskau auf, beide unter dem Namen Baccara, auf verschiedenen Bühnen in verschiedenen Lokalen. Nachher liefen sie sich zufällig in der Stadt über den Weg. Sie richteten kein Wort aneinander. „40 Jahre Erfolg, 35 Jahre Feindschaft“, betitelte die Internetzeitung „El Español“ vor vier Jahren eine Geschichte über das spanische Popduo Baccara. Der Erfolg ist ein gefräßiges Ungeheuer.

Sie nahmen sich den Erfolg vor

María Mendiola und Mayte Mateos wollten sein wie die Kessler-Zwillinge. Sie waren hochgewachsen, sangen Englisch mit spanischem Akzent und waren ausgebildete Tänzerinnen, was man kaum glauben mag, wenn man sich ihre alten Videos anschaut. Vor allem aber nahmen sie sich den Erfolg vor. Mendiola aus Madrid und Mateos aus Logroño in der Weinbauregion La Rioja arbeiteten beim spanischen Fernsehballett, als sie beschlossen, gemeinsam unter dem Namen Venus aufzutreten, singend und tanzend, wenn man so will. Sie sangen die Hits der Zeit nach, von Abba und von Boney M, und als sie im Hotel Tres Islas auf Fuerteventura für zwei Wochen unter Vertrag genommen wurden, bat sie der Hoteldirektor, irgendwas Flamencoartiges ins Programm zu nehmen, das hätten die deutschen Touristen so gern.

Der Musikproduzent saß im Publikum

An einem Abend saß im Publikum der Musikproduzent, der ihr Leben verändern sollte. Es klingt wie ausgedacht, aber war dann doch wahr. Der Mann soll für die deutsche Abteilung des Labels RCA gearbeitet haben. Mendiola und Mateos flogen nach Hamburg, um dort eine Platte aufzunehmen. „María sagte zu mir: Wie machen wir das bloß? Ich kann nicht singen, und du kannst kein Englisch“, erzählte Mateos später. Auch eine dieser bösartigen Anekdoten.

Wenig später waren die beiden Weltstars. „Yes Sir, I can boogie”, geschrieben und produziert von den beiden Deutschen Rolf Soja und Frank Dostal, kam im April 1977 heraus und wurde in 18 Ländern zum Nummer-1-Hit. Nur die USA entzogen sich dem Charme des deutschen Disco-Sounds mit spanischem Akzent. In Spanien selbst brauchte es ein halbes Jahr, bis die Radios den Song entdeckten. Franco war erst seit zwei Jahren tot, und man hörte noch nicht so viel englischsprachige Musik. Die Single verkaufte sich so gut wie kaum eine andere in der Popgeschichte, zwischen 15 und 18 Millionen Mal.

Nach nur fünf Jahren begann der Streit

Die Spanierinnen blieben fünf Jahre zusammen, traten 1979 für Luxemburg beim Eurovision Song Contest auf, wo sie mit „Parlez-vous français?“ Siebte wurden, und nahmen sogar, gemeinsam mit Kindern, ein deutsches Lied auf, „Eins plus eins ist eins“, aber dann zerstritten sie sich, weil Mendiola fand, dass Mateos zu sehr im Vordergrund stehe. Am vergangenen Wochenende ist María Mendiola im Alter von 69 Jahren gestorben. Von Mayte Mateos gibt es keinen Kommentar dazu.

  
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