Michel Loth ist weit herumgekommen. Nun zeigt er seine beeindruckende Kunst in Weil der Stadt. Foto: Simon Granville

Der Künstler Michel Loth aus Riquewihr stellt zurzeit unter dem Titel „Émotions et Nature“ in der Wendelinskapelle in Weil der Stadt aus.

Es wird gehämmert, gebohrt, mit Laser und Wasserwaage ausgerichtet und immer wieder korrigiert. Dabei geht es auf deutsch und französisch hin und her. Die Hängung der Bilder von Michel Loth in der Weil der Städter Wendelinskapelle ist eine besondere Herausforderung, da die Arbeiten des Künstlers großformatig sind, die Kapelle eher klein. Doch schließlich ist das Werk vollbracht und auch die Helfer sind zufrieden. Die Ausstellung mit Bildern des Franzosen Michel Loth ist seit Sonntag in Weil der Stadt zu sehen.

Der Künstler, der in Lothringen geboren ist, hat heute sein Atelier und eine Galerie in Weil der Stadts Partnerstadt Riquewihr. Er erlernte einst den Beruf des Kunsttischlers und arbeitete als solcher. Doch Farben hatten es ihm angetan, die Liebe zur Malerei wurde immer deutlicher. In einem Bildband über den Künstler wird der Autor Peter Handke zitiert: „Einmal bin ich dann in den Farben zu Hause gewesen.“ Dies gilt offensichtlich auch für Michel Loth.

Dass er als Maler ein Autodidakt ist, ist ihm wichtig zu betonen. Allerdings ist er viel gereist, hat Kunstakademien in der ganzen Welt besucht und an vielen Orten rund um den Globus ausgestellt, so auch in New York und Tokio. „Vor ein paar Jahren hatte ich ein Atelier und eine Wohnung auf der Île de Réunion. Ich war immer im Winter dort“, sagt Loth.

Eine Besonderheit in der Ausstellung sind drei Stelen. Foto: Simon Granville

Bei mehreren Arbeiten, die in der Wendelinskapelle gezeigt werden, fällt der ähnliche Aufbau ins Auge. In der Mitte scheinen die Farben zu explodieren, viel Bewegung ist darin. Darüber finden sich größere Farbflächen – in Türkis und Hellblau erinnern sie an den Himmel und das Gelb an Sonnenlicht. Auch unten sind die Farben meist flächiger. Die Farbe Rot hat bei Michel Loth allgemein etwas Loderndes.

Künstler Michel Loth malt „in einem Rutsch“

Der Künstler malt am liebsten groß. Und: „Er malt in einem Rutsch“, weiß Silvia Tanczos-Lückge, die Vorsitzende des Kunstforums Weil der Stadt. Der Künstler selbst sagt lachend: „Ich fange an, dann geht es mit dem Pinsel hin und her. Ich weiß nicht, was dabei herauskommt.“ In einem Tag habe er ein Bild fertig. In der Regel malt er in Öl, kleinere Arbeiten fertigt er in Mischtechnik.

Auffallend ist die Farbe schwarz, die auf vielen der gezeigten Werke zu sehen ist. Auf den Bildern links hinten – vom Eingang der Wendelinskapelle aus – geben sie den Ton an, das letzte Bild ganz hinten ist vom Schwarz beherrscht. Wenn man näher herangeht, werden wenige weiße, dünne Linien und unten etwas wie Aubergine sichtbar. „Dieses Bild habe ich während des Golfkriegs gemalt“, erzählt Michel Loth. Es zeigt, dass seine Arbeiten aus seinem Inneren heraus entstehen. Eine Besonderheit in der Ausstellung sind drei Stelen. An allen vier Seiten findet sich dort Malerei wie bei einem Bild – hier aber eben nicht zweidimensional. Alle drei Säulen wirken durch ihre Farben sehr fröhlich.

Einen Austausch zwischen den beiden Partnerstädten Riquewihr und Weil der Stadt gibt es bereits in vielfältiger Form. „Bei den Riquewihrer Weintagen habe ich einmal vorgeschlagen, ob man nicht vielleicht auch etwas im Bereich Kunst machen könnte“, sagt Silvia Tanczos-Lückge. Dann wurden die Weil der Städter zur Regionalausstellung „Reg´Art“ in Riquewihr eingeladen. Jetzt beim zweiten Mal sind den Mitgliedern des Weiler Kunstforums die Arbeiten von Michel Loth ins Auge gesprungen. „Ich hoffe, dass der Austausch weiter geht“, so Tanczos-Lückge.

Was, wann, so

Ausstellung
Die Ausstellung in der Wendelinskapelle in Weil der Stadt, Herrenberger Straße 17, geht bis Sonntag, 7. Dezember. Die Öffnungszeiten sind freitags von 16 bis 19 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Finissage
Zur Finissage am 7. Dezember ist um 16 Uhr „Kunst im Gespräch“ mit dem Künstler vorgesehen. Bereits am Samstag, 6. Dezember, steht „Kunst und Wein“ mit Weinen aus Riquewihr auf dem Programm.