Der Bahnhof Backnang soll barrierefrei und moderner werden. 2026 starten die Arbeiten am Bahnsteig 2, weitere Schritte folgen. Was sicher kommt – und wohinter Fragezeichen stehen.
Barrierefreiheit lässt am Bahnhof in Backnang (Rems-Murr-Kreis) seit Jahren auf sich warten. Zwar verbindet die neue Stadtbrücke mit ihren zwei Aufzügen seit 2023 die Kernstadt und Gleis 1 mit dem Gebiet Büttenenfeld. Doch wer zu den Gleisen 2 bis 5 will, muss weiterhin Stufen steigen. Nun soll der Bahnhof grundlegend modernisiert werden – für stufenfreien Zugang, mehr Komfort und eine bessere Verknüpfung der Verkehrsmittel. Langfristig soll der Bahnhof zu einer Mobilitätsdrehscheibe ausgebaut werden, die den gesamten Bereich städtebaulich aufwertet. Bahn und Stadt planen den Umbau in Etappen: manches kommt sicher, manches später – und manches wird erneut länger dauern als gedacht.
Baubeginn im Frühjahr
Die ersten Bauarbeiten der Bahn beginnen im kommenden Frühjahr am Bahnsteig 2 (Gleise 2/3). Der 220 Meter lange Mittelbahnsteig wird von 22. März bis 22. Mai 2026 neu gebaut, auf 76 Zentimeter angehoben und an die Höhe der dort verkehrenden Züge angepasst. Auch wird er unter anderem mit neuer Beleuchtung, akustischen Leitsystemen und einem neuen Dach ausgestattet, erklärte Michael Groh, Regionalbereichsleiter für Personenbahnhöfe bei der Deutschen Bahn, beim Ortstermin mit Backnangs Oberbürgermeister Maximilian Friedrich, dem Ersten Bürgermeister Stefan Setzer und Stadtplanungsamtsleiter Tobias Großmann. Im Zuge dieses Neubaus entsteht auch ein Aufzug. Doch selbst wenn er äußerlich fertig ist, kann er voraussichtlich erst Ende 2026 genutzt werden – wegen technischer und brandschutzrelevanter Abnahmen, wie Groh sagte. Die Arbeiten sind Teil des Bahnhofsmodernisierungsprogramms II (BMP II), das landesweit Stationen barrierefrei und moderner machen soll.
Bahnsteig 4/5 wird erst 2030 modernisiert
Länger dauern wird es beim zweiten Aufzug am Bahnsteig 3 (Gleis 4/5). Sein Einbau soll laut Groh erst während der gut dreimonatigen Sperrpause vom 14. Mai bis zum 20. August 2027 folgen, die unter anderem für den Einbau neuer Bahnbrücken über die B14 benötigt wird. Unter dem Bahnsteig habe man ein bislang nicht vollständig erfasstes Gewölbe entdeckt. Dessen Lage und Ausdehnung müssten nun untersucht werden, weil die Stabilität der Bahninfrastruktur und die Sicherheit der Reisenden Vorrang hätten. Erst danach könne die Planung angepasst werden. Groh nannte beim Ortstermin eine Inbetriebnahme des Aufzugs Ende 2027.
Besonders komplex wird der spätere Umbau des Bahnsteigs 3 (Gleis 4/5). Dort halten sowohl S-Bahnen als auch Regionalzüge, was zwei unterschiedliche Einstiegshöhen erfordert: 96 Zentimeter für die S-Bahn auf Gleis 5, und 76 Zentimeter für die Regionalzüge auf Gleis 4. Die Bahn plant dafür eine Kombination aus Quer- und Längsteilung. „Das ist eine Sonderbauform, die auch eine Sondergenehmigung braucht. Deshalb werden wir da nach aktuellem Stand erst 2030 zum Bau kommen“, sagte Groh.
Unterführung wird heller
Für das Jahr 2027 ist außerdem die Aufwertung der Unterführung vorgesehen. Neue Beleuchtung, klarere Wandflächen und eine freundlichere Gestaltung sollen den Zugang zu den Bahnsteigen verbessern. „Die Unterführung wird gestalterisch aufgewertet, sodass wir hier nachher eine schöne Gestaltung und Beleuchtung haben“, so Groh. OB Maximilian Friedrich verwies auf die Bedeutung eines hellen und sicheren Umfelds für das subjektive Sicherheitsempfinden.
Die große Sperrpause vom 14. Mai bis zum 20. August 2027 wird genutzt, um mehrere Maßnahmen zu bündeln – den Einbau des Aufzugs an Gleis 4/5, Arbeiten an zwei Bahnbrücken über die B 14, Gleis- und Weichenerneuerungen sowie den Umbau der Bahnsteige in Maubach. Da in dieser Zeit unter anderem weder die S 3 noch die S 4 fahren, machte die Stadt deutlich, dass die Planung des Ersatzverkehrs frühzeitig beginnen müsse.
ZOB, Vorplatz, neue Wege
Parallel zu den Maßnahmen der Bahn plant die Stadt ein eigenes Paket für den Bahnhofsvorplatz und den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB). Vorgesehen sind ein ZOB mit 13 überdachten Busbuchten, ein neuer Kreisverkehr, größere Platzflächen, zusätzliche Bäume sowie eine neu geordnete Wegeführung für Fuß- und Radverkehr. Auch ein möglicher Aufzug zur Erbstetter Straße ist im Gespräch. Umgesetzt werden kann das Paket jedoch nur gemeinsam mit der Bahn – sowohl technisch als auch zeitlich. Viele der geplanten Eingriffe betreffen Bahnflächen, Zugänge oder die Baulogistik, die ohne Abstimmung mit der Deutschen Bahn nicht verändert werden könnten. Zudem orientiere sich die angestrebte Förderung nach dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG) ausdrücklich an einer engen Verknüpfung der Verkehrsträger.
Die Stadt beziffert die Kosten für ihr Maßnahmenpaket auf rund 17 bis 18 Millionen Euro. „Wir erwarten im März oder April erste Signale, ob wir mit einer Aufnahme rechnen dürfen“, sagte der Stadtplanungsamtsleiter Tobias Großmann. Erst dann sei klar, in welchem Umfang die Pläne umgesetzt werden können – und nicht zuletzt hat auch der Gemeinderat mehr als nur ein Wörtchen mitzureden.
Empfangsgebäude bleibt Zukunftsaufgabe
Unklar ist weiterhin, wann das in die Jahre gekommene Empfangsgebäude saniert werden kann. Es gehört der Bahn und wäre ein eigenes Projekt mit Bundesmitteln. „Ein Bahnhof ist nicht nur ein Zweckbau, sondern das Tor zur Stadt“, betonte OB Maximilian Friedrich. Groh sagte dazu: „Wenn wir die Bahnsteige machen, wenn der Vorplatz gemacht ist, muss auch früher oder später das Gebäude gemacht werden.“ Eine konkrete Entscheidung hierfür gibt es jedoch noch nicht.