Dopingprobe (Symbolbild) Foto: imago/Frank Sorge/Foto: Sabine Brose/galoppfoto.de

Ein Experiment der ARD-Dopingredaktion zeigt, wie durch minimale Berührungen ein Dopingverdacht ausgelöst werden kann. Die Dokumentation dazu löst eine Diskussion zu dem Thema aus.

Berlin - Der Verein Athleten für Deutschland hat nach der ARD-Dokumentation „Geheimsache Doping - Schuldig. Wie Sportler ungewollt zu Dopern werden können“ eine umgehende, sachliche und nuancierte Diskussion über eine mögliche Änderung der Beweislastumkehr gefordert. „Die Erkenntnisse des Films verdeutlichen auf krasse Weise, dass die Regeln des Anti-Dopingkampfs in Konflikt mit der menschenrechtlich verbrieften Unschuldsvermutung stehen“, hieß es am Montag in einer Stellungnahme der Athletenvertretung. „Schlussendlich muss geklärt werden, ob und welche Anpassungen es im Anti-Dopingkampf geben könnte, um die fundamentalen Rechte von Athleten und Athletinnen zu wahren und gleichzeitig die Effektivität des Anti-Dopingkampfs nicht zu gefährden.“

In einem Experiment der ARD-Dopingredaktion und des Instituts für Rechtsmedizin der Uniklinik Köln bekamen zwölf Probanden geringe Mengen verschiedener Anabolika mittels einer Trägersubstanz über die Haut verabreicht - durch minimale Berührungen an Hand, Nacken und Arm. Bei allen Probanden ergaben die Erstauswertungen der Proben durch das Kölner Doping-Kontrolllabor einen massiven Betrugsverdacht. Die verbotenen Substanzen waren im Experiment in Minimaldosen verabreicht worden und zum Teil schon eine Stunde nach der Applikation und bis zu 15 Tage lang nachweisbar gewesen.

Im Sportrecht gilt nicht die Unschuldsvermutung

Die Beweislastumkehr ist ein zentraler und wichtiger Bestandteil des Antidopingkampfes, wie auch IOC-Präsident Thomas Bach betonte. Im Sportrecht gilt anders als im Strafrecht nicht die Unschuldsvermutung - der Sportler muss nachweisen, dass er nicht wissentlich gedopt hat, ansonsten wird er gesperrt, auch ohne Beweis der Schuld. Bei einer Umkehr sehen viele die Gefahr, den Machenschaften von Betrügern einen Freifahrtsschein auszustellen. Auf der anderen Seite wären mögliche unschuldige Anschlagsopfer „Kollateralschäden“.

Athleten Deutschland fordert von der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, die zurückhaltend auf die Dokumentation reagierte, eine umgehende und angemessene Reaktion an. „Für Athleten und Athletinnen muss es zukünftig leichter gemacht werden, ihre Unschuld zu beweisen. Außerdem gilt es weiterhin, die investigativen und analytischen Kapazitäten der Anti-Doping-Organisationen zu stärken.“

Lars Mortsiefer, Vorstand der Nationalen Anti-Doping-Agentur, hatte in der ARD-Sportschau gesagt, dass die Wada möglicherweise das System adaptieren müsse. Der internationale Dopingermittler Richard McLaren erklärte, dass bei einer Beweislastumkehr das derzeitige Anti-Dopíng-System „in sich zusammenfallen“ würde.

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