Die Agentur für Arbeit vermeldet aktuell einen leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit im Rems-Murr-Kreis. Foto: dpa

Nicht alle profitieren vom leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit im Rems-Murr-Kreis: Vor allem Frauen, ältere Menschen und Menschen mit Behinderung haben schlechtere Chancen.

Ein kleiner Lichtblick in grauer Novemberstimmung: Im Rems-Murr-Kreis ist die Arbeitslosigkeit im November leicht gesunken. 104 Menschen weniger ohne Job klingt nach Fortschritt. Die Arbeitslosenquote fällt von 4,6 auf 4,5 Prozent. Doch was auf den ersten Blick positiv erscheint, hat einen doppelten Boden.

Denn wie die Agentur für Arbeit Waiblingen mitteilt, liegt die Zahl der Arbeitslosen weiterhin sieben Prozent über dem Vorjahr – insgesamt 11.128 Menschen sind betroffen. Die konjunkturelle Flaute und tiefgreifende strukturelle Veränderungen drücken weiterhin schwer auf den Markt.

Jugend zeigt Resilienz – Arbeitslosigkeit bei U25 sinkt

Einen echten Hoffnungsschimmer sieht die Agenturleiterin Christine Käferle bei den unter 25-Jährigen: 73 Jugendliche weniger auf Jobsuche als im Oktober, eine Quote von stabilen 3,1 Prozent. Ausbildungsplätze, Übergangsmaßnahmen und eine stärkere Verzahnung zwischen Schule und Beruf greifen offenbar. „Junge Fachkräfte fassen wieder Fuß“, so Käferle.

Christine Käferle sieht einen Hoffnungsschimmer: „Junge Fachkräfte fassen wieder Fuß“, sagt die Leiterin der Waiblinger Arbeitsagentur. Foto: Gottfried Stoppel

Auch die Betriebe signalisieren Bedarf. 488 neue Stellen wurden im November gemeldet, ein Plus von über 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders gefragt sind Kräfte in Logistik, Gesundheit, Handel und sozialen Diensten.

Trotz Jobangeboten: Der Druck bleibt hoch

2.500 offene Stellen im Kreis – und doch kommen viele nicht an. Warum? Mismatch von Qualifikation, Mobilität, oder schlicht Altersdiskriminierung? So bleibt besonders die Situation älterer Arbeitsloser angespannt: Fast 38 Prozent aller Betroffenen sind über 50. Die Langzeitarbeitslosigkeit ist sogar um 17,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Auch Menschen mit Behinderung geraten ins Abseits. 566 Schwerbehinderte sind derzeit arbeitslos, 5,1 Prozent aller Betroffenen. Käferle appelliert an die Unternehmen: „Wer Inklusion lebt, gewinnt engagierte Fachkräfte und stärkt das Betriebsklima.“

Frauen profitieren weniger – viele in Teilzeit und prekären Jobverhältnissen

Besonders auffällig: Der Rückgang der Arbeitslosigkeit betrifft vor allem Männer. Bei den Frauen sank die Zahl zwar um 119 – das sind 2,4 Prozent –, doch sie bleiben in prekären Beschäftigungsverhältnissen überrepräsentiert. Hinzu kommt, dass Teilzeitstellen – oft von Frauen besetzt – stark zunehmen, während Vollzeitjobs rückläufig sind.

Die Schere zwischen Wunsch und Wirklichkeit öffnet sich weiter. Wer arbeiten will, findet nicht zwangsläufig den passenden Job. Und wer qualifiziert ist, bekommt nicht automatisch eine Chance – Stichwörter: Alter, Herkunft, Behinderung.