Im Lichterglanz präsentiert sich der Marktplatz beim Leonberger Adventsdörfle. Foto: Simon Granville

Stimmungsvoller Start in die Adventszeit mit langer Einkaufsnacht in Leonberg und Adventsdörfle auf dem Marktplatz: Ein Bummel mit einigen Geschmacksproben.

Nun ist sie da, die Adventszeit, beim Blick auf den Leonberger Marktplatz kommt Stimmung auf. Kopfsteinpflaster, Fachwerkhäuser mit Giebelbeleuchtung, Tannenbäume, Strohballen, ein dekorierter Brunnen mit schwimmenden Leuchtsternen: Es ist schon heimelig beim Auftakt des Leonberger Adventsdörfles. Vereinsdörfle würde auch passen, sind es doch Vereine und Verbände, die neun dezent geschmückte Hütten mit Leben füllen – an jedem von drei Adventswochenenden andere.

Glühwein beim Leonberger Adventsdörfle – für die gute Sache

Zum Klischee des Weihnachtsmarkts gehört klebrig-süßer Glühwein. Stimmt das auch beim Leonberger Adventsdörfle? Martin Krüßmann, Präsident im Lions Club Solitude, verweist auf „schwäbischen Winzer“ als Einkaufsquelle, Dornfelder als Basis des Roten, Chardonnay beim Weißen. „Sie sind hungrig, durstig, in der Reihenfolge?“ begrüßt er die schon früh Schlange stehende Kundschaft an der Leonberger Hundehütte. Helmut Frank kommt kaum nach mit dem Einschenken. 4 Euro für 0,2 Liter, „verfeinert mit Orange, Zitrone, Zimt und Nelke“. Trinken für die gute Sache – die Einnahmen kommen gemeinnützigen Projekten zugute. „Würzig, nicht zu süß“, beurteilt die Begleitung den Roten. Süß ist die Soße zur Currywurst. „Karamellisiert“, erklärt Rolf Eiss das Besondere, Cola gehöre zum Rezept.

Süß sind auch die aus Keramik gegossenen Deko-Häuschen und Figuren, die Jessica Strähle in einem der sechs ergänzenden Verkaufspavillons anbietet. Die Produktmanagerin in einem Elektromarkt hat das Anfertigen für sich „als kreativen Ausgleich zum Heruntergekommen“ entdeckt. Kleine Tannenbäumchen gehen gut weg, vor allem aber niedliche Alpakas, 2,50 Euro das Stück. Sie sei „zu billig“, habe Kundschaft mit Blick auf andere Märkte rückgemeldet.

Leonberg genießen: Gilt das auch für das, was in die Glühwein-Tassen eingeschenkt wird? Foto: Simon Granville

Auch einen professionellen Anbieter gibt es für Essen und Getränke. „Kartenzahlung möglich“, wirbt Monkey Catering, viele stehen an. Bargeldloses Zahlen ist vielfach problemlos möglich an den Hütten, selbst mit Paypal. 4 Euro kostet der Glühwein auch hier, weitere 4 für das obligatorische Glaspfand. Viele bringen, gewohnt aus dem Vorjahr, eigene Becher mit. „Wir füllen aus unserer Tasse um, wegen der Hygiene“, sagt Heinz Jäger. Der Rote ist „Hüttenglut“, ein Standard-Glühwein aus Nürnberg, „aufgepimpt“ mit Gewürzen. Der Weiße ist aus der Literflasche von der Besigheimer Felsengartenkellerei.

Beim Glühwein muss die Qualität stimmen: „Ich zahle lieber einen Euro mehr“

„Wir haben selbst durchprobiert“, erklärt Florian Pfisterer in der Marktplatzhütte für die Jugendgruppe der Neuapostolischen Kirche die Glühwein-Auswahl. „Ein Auto, randvoll“ wurde dann aus Kernen im Rems-Murr-Kreis geholt von der Kellerei Kern, 170 Liter Rot, 140 Weiß, 110 Liter Punsch. Der Weiße mundet. Nicht süß, mit Zimt, Nelke, Kardamom, Ingwer und Zitrusfrucht – 3,50 Euro die Tasse. „Das klingt gut“, sagt eine Kundin, die sich vor dem Kauf erkundigt. „Ich zahle lieber einen Euro mehr“, auf dass die Qualität stimmt. „Wir schauen, wer unterstützt wird“, erläutert ein Ehepaar seine Wahl, wer Glühwein in die mitgebrachten Becher gießen darf. Die beiden wollen nicht das Pfand sparen, sondern Zeit bei der Rückgabe. Apropos sparen: Den Schnäppchen-Glühli kredenzt am ersten Adventswochenende der AfD-Ortsverband. 3 Euro für das Glas, das überzeugt einige. Nicht aber das Ehepaar: „Den könnten sie auch verschenken, nee.“

Es ist nun kurz vor 19 Uhr, der Platz füllt sich. Die örtliche Künstlerin Alexandra Habryka hat rund 50 Adventskränze gefertigt für ihren Verkaufsstand – und hofft, dass die ersten Kerzen am Sonntag möglichst in vielen privaten Haushalten angezündet werden.

„Man muss ein Gefühl für die Menge bekommen“, sagt Kimon Karakostas vom Technischen Hilfswerk (THW) Leonberg, je nach Wetter müsse teils nachgeordert werden. Mit 150 Liter Glühwein sieht er sich für die drei Tage in der Pferdemarkthütte gut gerüstet. Passend zum Kaiserschmarrn, den die THW-Jugend in der Nachbarhütte zubereitet, kommt hier Wein aus Österreich in die Becher, 3,50 Euro eine Portion. Er riecht sehr stark nach Nelken und ist im Vergleich herb. Langsam ist auch der Alkohol spürbar. Gut, dass das Auto zu Hause steht.

Lange Einkaufsnacht in Leonbergs Altstadt, bummeln bis 22 Uhr

„Ho ho ho“ steht auf einem Kissen bei Zieglers Geschäft für Wohn- und Tischkultur. Nicht nur auf dem Marktplatz leuchtet es, in der illuminierten Altstadt lädt die lange Einkaufsnacht zum Bummeln ein. Einige Stammkunden werden bei Ziegler namentlich begrüßt, „aber wir sehen auch viele neue Leute“, sagt Andrea Schieber. Viele lassen sich inspirieren von den weihnachtlichen Dekotischen, aber kaufen sie auch? „Die Leute sind schon sparsamer.“ Gleichwohl sei spürbar, dass das Weihnachtsgeschäft anläuft. Einige der großen Blech-Nikoläuse, für draußen geeignet, hätten neue Besitzer gefunden – für rund 90 Euro das Stück.

Ziegler präsentiert in der langen Einkaufsnacht in Leonbergs Altstadt auch viel Deko für die Weihnachtszeit. Foto: Roland Böckeler

Während in manchen Geschäften Mitarbeiter unter sich scheinen, brummt der Laden bei Schlawiner. Bücher, Holzspielzeug, Kuscheltiere gibt es hier seit Juli: „Wir freuen uns, dass der Laden so gut ankommt“, sagt Eva Pilgrim. Hochwertig und langlebig soll alles im Sortiment sein. Das eine oder andere Weihnachtsgeschenk geht über den Tresen.

Wie ist das Fazit des Glühwein-Tests beim Adventsdörfle?

Draußen kriecht langsam die Kälte in die Knochen. Aber nicht bei jedem, wie das Paar beweist, das in einem offenen Cabrio vorbeifährt. Auf zur Pomeranzengartenhütte. „Den vielleicht besten Glühwein gibt es hier“, wirbt das evangelische Jugendwerk. 4 Euro kostet „original Christkindles Glühwein“, auch hier soll „mit edlen Gewürzen“ verfeinert sein. Er wirkt wie mit Saft verfeinert, ein bisschen dünn. Vielleicht sind auch die Geschmacksknospen ermüdet. Aber der Erlös dient dem Förderverein für die Jugendarbeit, also Prosit. Fazit: Das Adventsdörfle mit seinem Ambiente ist den Besuch wert, Glühwein-Fusel kommt keiner ins Glas. Auch wenn der Kopf am nächsten Morgen zunächst anderes sagt – was an der Quantität der Kostproben liegt, nicht an der Qualität.