Zwei Steckenabschnitte der Autobahnen A8 und A81 bei Leonberg führen die Unfallstatistik in Baden-Württemberg an. Foto: SDMG

Eine Datenauswertung zeigt: Auf den Autobahnen A8 und A81 bei Leonberg kommt es so häufig wie nirgendwo sonst im Land zu Unfällen mit Verletzten. Warum, erklärt der Streckenbetreiber.

Dass es rund um das Leonberger Autobahndreieck öfter einmal kracht, ist nichts Neues. Dass laut einer Studie zwei Autobahnabschnitte rund um Leonberg die unfallträchtigsten Strecken in Baden-Württemberg sein sollen, lässt dann aber doch aufhorchen. Das will die Allianz Direct Versicherung herausgefunden haben, die jüngst eine Statistik veröffentlicht hat.

Die Zahlen basieren auf jenen aus dem Unfallatlas des Statistischen Bundesamtes. Im Ländervergleich krachte es demzufolge im Jahr 2024 nur in Nordrhein-Westfalen (58 062 Unfälle) und Bayern (44 331) häufiger als in Baden-Württemberg (30 503). 287 der Unfälle endeten im Ländle tödlich, was in der Statistik ebenfalls Rang drei bedeutet.

Meiste Unfälle in Baden-Württemberg: A 81 und die A 8 bei Leonberg an der Spitze

Ebenfalls wird deutlich: Wer regelmäßig auf der Autobahn unterwegs ist, ist einem größeren Unfallrisiko ausgesetzt. Höhere Geschwindigkeit und die schiere Masse an Autos sind der Hauptgrund. Im Land sind 13 der unfallträchtigsten Strecken Teile von Autobahnen – und die beiden Spitzenplätze belegen die A 81 und die A 8 bei Leonberg.

Wo liegen die Gründe dafür, dass es gerade auf den Autobahnen bei Leonberg zu so vielen Crashs kommt? Foto: SDMG

Konkret geht es um zwei Abschnitte: die Zusammenführung der beiden Autobahnen am Dreieck Leonberg mit insgesamt 43 Unfällen mit verletzten Personen sowie der Abschnitt der A 8/A 81 zwischen Leonberger Dreieck und Kreuz Stuttgart mit 42 Unfällen, bei denen Menschen zu Schaden kamen.

Um die Zahlen in Zusammenhang zu setzen, kommt die Autobahn GmbH des Bundes ins Spiel. Die Niederlassung Südwest betreibt rund 1050 Kilometer Autobahn in Baden-Württemberg, in Teilen von Hessen und von Rheinland-Pfalz – und unter anderem auch den Engelbergtunnel und die umliegenden Trassen.

„Bei der Analyse von Unfalldaten berücksichtigen wir als Autobahn GmbH Niederlassung Südwest nicht nur die reine Anzahl von Unfällen, sondern setzen diese in Relation zur Verkehrsbelastung“, antwortet Pressesprecherin Petra Hentschel auf die Anfrage unserer Zeitung. Auch die Unfallschwere werde in den Analysen berücksichtigt. Dann kommt sie auf den Punkt: „Die A 8 weist zwischen dem Autobahndreieck Leonberg und dem Autobahnkreuz Stuttgart eine durchschnittliche tägliche Verkehrsbelastung von 150 000 Fahrzeugen auf.“

A 8 bei Leonberg einer der höchstbelasteten Autobahnabschnitte Deutschlands

Damit gehöre dieser Abschnitt zu den höchstbelasteten Autobahnabschnitten in ganz Deutschland. „Die hohe Verkehrsbelastung ist daher der Hauptgrund für die Zahl der Unfälle.“ Die zulässige Höchstgeschwindigkeit wird mit Hilfe einer sogenannten „Streckenbeeinflussungsanlage“ automatisch und in Abhängigkeit der Verkehrssituation angepasst. Maximal zulässig sind jedoch 120 Kilometer pro Stunde.

Und beim Spitzenreiter? Da liege es vor allem am Gefälle. Vom Kreuz Stuttgart her kommend sowie im ersten Teil nach der Zusammenführung der A8 und A81 am Dreieck Leonberg in Fahrtrichtung Kreuz Stuttgart weist die A 8 eine große Längsneigung auf. „Eine Verringerung des Gefälles wäre nur mit erheblichen Eingriffen in die Streckenführung der A 8 möglich“, so Hentschel. Dabei wiederum müsste das Höhenprofil um mehrere Meter geändert werden. „Eine solche Baumaßnahme wäre äußerst komplex und mit unserer laufenden Maßnahme ‚A8-Enztalquerung’ vergleichbar“, führt die Pressesprecherin weiter aus.

Ein Projekt wie die Enztalquerung auf A8 bei Pforzheim wird in Leonberg nicht stattfinden

Beim sechsstreifigen Ausbau der A 8 bei Pforzheim über 4,8 Kilometer werden 1,1 Millionen Kubikmeter Gestein und Erde abgetragen und damit Steigung und Gefälle im Bereich der Pforzheimer Senke deutlich reduziert. Das kommt für den Bereich bei Leonberg nicht in Frage. „Die Autobahn GmbH führt keine Planungen zu einer Anpassung des Höhenprofils im A 8-Streckenbereich zwischen Leonberg und Stuttgart durch“, stellt Hentschel klar.