Ein Heimatfilm sorgt beim Dagersheimer Jubiläumsauftakt für eine volle Festhalle. Er zieht allein am ersten Aufführungstag rund 350 Interessierte an – und löst schöne Erinnerungen, aber auch Wehmut aus.
Schwarz-Weiß-Aufnahmen, mit Musik und einer humorvollen Sprecherstimme untermalt, flimmern über die Leinwand. Die Festhalle in Dagersheim wird zum Kinosaal, und aus dem Hier und Jetzt geht es zurück in die 50er-Jahre. Zumindest für rund 85 Minuten. Erinnerungen, Emotionen, Applaus – ein Heimatfilm aus dem Jahr 1957 bewegt zahlreiche Besucher.
Der Grund für die festliche Filmvorführung: Die erste urkundliche Erwähnung Dagersheims geht auf das Jahr 1075 zurück. Der heutige Teilort der Stadt Böblingen startet daher in ein mit Veranstaltungen gespicktes Jahr 2025.
Vorfreude auf das Jubiläumsjahr
Städtischer Auftakt Rund 350 Interessierte sind es, die an diesem Samstagabend bei der städtischen Auftaktveranstaltung von „950 Jahre Dagersheim“ dabei sind – OB Stefan Belz lässt sich entschuldigen. Ortsvorsteher Hendrik Queck freut sich „auf die ganzen Ehrenamtlichen, die hier mitwirken“, und darauf, „dass wir als Ortschaft dieses Jubiläum begehen“.
Das erfordert viel Engagement aus der Bevölkerung. „Es ist schon so, dass alle Hand in Hand mitgeholfen haben. Dagersheim ist da ganz besonders“, sagt Projektleiterin Melanie Häußler. Die ersten Ideen für das Festjahr seien im Juli 2022 gesammelt worden.
Das Duo übernimmt zu Beginn die Taufe des Maskottchens „Dagoldi“. Die Moderation wird von Stücken der Feuerwehr-Musikkapelle umrahmt. Deren Ehrenvorsitzender Frank Wolf, Stadt- und Ortschaftsrat der CDU, meint: „Nach zweieinhalb Jahren Planung ist es Zeit, dass es endlich losgeht.“
Einblicke in das örtliche Leben 1957
Filmaufnahmen Der 61-Jährige ist Teil des mehrköpfigen Film-Projektteams. Er hat die Restaurierung der Aufnahmen, die seine Tante Edith Wolf aufbewahrt hatte, initiiert. Das Haus des Dokumentarfilms und die angegliederte Landesfilmsammlung digitalisierten und restaurierten sie laut der Stadtverwaltung. Dadurch ist „Bei uns Zuhaus in Dagersheim“ nun erstmals in HD-Qualität zu sehen. Das historische Zeitdokument, 1957 auf eine Initiative der Feuerwehr-Musikkapelle hin entstanden, steht im Zentrum dieses Abends.
Es ermöglicht viele Einblicke in das Alltagsleben der damals noch selbstständigen Gemeinde. Die Kamera fängt Straßen und Wohngegenden ein, aber auch Läden und Betriebe, die es einst im Ort gab. Baustoffe Buck, Sägewerk Rau, Elektro-Marquardt, Café Maier, Gasthaus und Metzgerei Hirsch – diese und einige weitere tauchen auf.
Was der Heimatfilm aber vor allem zeigt: viele Bürger. Die Jüngsten vor der Schule oder beim Basketball, den Bürgermeister Erich Maier und viele weitere Erwachsene bei der Arbeit oder im Ort. Manchen scheint der Blick in die Kamera zu gefallen, andere schauen eher irritiert oder versuchen, der Situation zu entkommen. „Marie, Marie, so schnell warst Du noch nie“, sagt der nie um eine Bemerkung verlegene Sprecher über eine Frau – zur Erheiterung der Besucher.
Reaktionen des Publikums Ortsvorsteher Hendrik Queck hatte schon vermutet, dass einige Zuschauer Angehörige oder sich selbst in den Filmszenen wiedererkennen könnten. Unter anderem bei Heinz Dannecker ist dies auch der Fall. „Mir hat der Film sehr gut gefallen, ich bin emotional aber stark bewegt“, sagt der 83-Jährige, der bis 2024 zwei Jahrzehnte lang Ortschaftsrat war (Freie Wähler). Er habe viele Leute erkannt, die er geliebt und geschätzt habe und die es allesamt heute nicht mehr gebe.
Auch Jürgen Kienle, 65, bewegen die Szenen. „Man guckt es mit Wohlwollen und mit Wehmut an“, sagt der Freie-Wähler-Ortschaftsrat, der seinen Opa und Vater entdeckte. Santina Rigione hat einige Leute aus dem Posaunenchor erkannt, die nicht mehr leben, sagt sie. Die Dagersheimerin treibt auch das Wegbrechen der Geschäfte um. Heinz Dannecker merkt dazu an: „Damals gab es drei Metzgereien, heute nicht mal mehr eine.“
Premiere für das Jubiläumsbier
Die Gemeinschaft leben Im Foyer tauschen sich am Abend noch viele Besucher aus. Der Harmonika-Club bietet Getränke und kleine Speisen an, die Jugendgruppe des DRK Böblingen Popcorn. „Es geht auch um das Gemeinschaftsgefühl, das man bei so einem Jubiläum erreichen will“, sagt Jürgen Kienle, der über den Harmonika-Club beteiligt ist. Was natürlich nicht fehlen darf: „Schlapphüadle“. Das Jäger-Spezial-Exportbier der Schönbuch Braumanufaktur mit einem extra für das Jubiläum angefertigten Etikett wird hier erstmals verkauft.
Blick in die Zukunft Apropos Film- und Tonaufnahmen: Die werden an diesem Samstag auch in der Festhalle gemacht. Und auch künftig ist das laut Hendrik Queck geplant. So könne ein Heimatfilm aus der heutigen Zeit entstehen – auch mit Blick auf das 1000-Jahr-Jubiläum, gewährt der Ortsvorsteher einen weiten Ausblick. Wie wertvoll historische Aufnahmen sein können, ist an diesem Abend ja besonders deutlich geworden.
Infos zum 950-Jahr-Jubiläum
Programm
Im hier verlinkten Jubiläumskalender sind für jeden Monat mehrere Termine aufgeführt, veranstaltet werden sie beispielsweise von Vereinen oder dem Jugendtreff. Auf die Besucher warten Konzerte, Vorträge, Partys und mehr. Am 29. Juni steht die Zentralveranstaltung „Schlapphüadle-Fest“ auf dem Dorfplatz an.
Januar
Vor dem städtischen Auftakt kam es Anfang des Monats mit der Après-Ski-Party des TSV zur ersten Vereinsveranstaltung. Am kommenden Samstag geht es mit der Feuerwehr-Musikkapelle weiter, die um 19.30 Uhr in der Böblinger Kongresshalle ihr Neujahrskonzert abhält. Tags darauf steht um 11 Uhr in der Festhalle der Jahresauftakt der TSV-Gymnastikabteilung an. Am Freitag, 31. Januar, kommt es im Haus der Vereine zur ersten Teenparty des Jugendtreffs.
Infos
Alle weiteren Daten, ein Shop und mehr sind unter diesem Link auf der Jubiläumshomepage zu finden.