Die Percussionband Skin of Clazz hat in der Böblinger Kongresshalle Premiere und Heimspiel, stammen doch viele der Musiker aus der Musikschule. Garniert wird der Abend mit dem Chor der Jungen Bühne und einigen Solisten, etwa Jule Borchardt.
Es ist eine Premiere gewesen und was für eine. Die Böblinger Percussionband Skin of Clazz spielte zum allerersten Mal im großen Europasaal der Kongresshalle. Dieser war gut besucht, mehr als 600 Zuhörer waren gekommen. Skin of Clazz kamen aber nicht alleine, sie hatten eine Vorgruppe dabei, Cube 61 – ebenfalls in der Percussion daheim. Sie heizte unter der Leitung von Klaus Küting den Zuhörern schon mal kräftig ein und veranschaulichte, wie viel Rhythmen man gleichzeitig und wie viel differenzierte Klangfarben man mit rund einem Dutzend Perkussionisten erzeugen kann. Entsprechend gut war bereits Stimmung im Parkett, als der Hauptakt kam. Das an Karneval erinnernde Mitsingen war eigentlich überflüssig.
Wie Cube 61 auch ist die Hauptgruppe im Wesentlichen ein Eigengewächs, das sich überwiegend aus ehemaligen Schülern/innen des Albert-Einstein-Gymnasiums und der Musikschule zusammensetzt. Ein paar Gäste wirkten auch mit, bei Cube 61 der Gitarrist Tobias Wernado und bei Skin of Clazz der Tenor Daniel Fix.
Kurz vor Ende der ersten Konzerthälfte verlas die Sindelfinger Kulturgröße Ingo Sika eine begrüßenswerte Stellungnahme gegen Rassismus und Intoleranz. Das war insofern beziehungsreich, als der zweite Song der zweiten Hälfte „Wayfaring Stranger“ als ein Lied gilt, das aus der Freiheitsbewegung der schwarzen Sklaven im Amerika des 19. Jahrhunderts kam – unter anderem unnachahmlich gesungen von Johnny Cash.
Wer die Hauptgruppe des Abends gut kennt, weiß, dass sie nicht nur ein sehr farbiges Konzert geben, sondern auch eine ausgeprägte Bühnenshow abliefern kann, ohne die heute kein Popkonzert mehr denkbar ist. Man denke nur an Taylor Swift.
Dazu gehörten in diesem Fall zwei kleine Türme auf der Bühne, auf denen abwechselnd einzelne Solisten musizierten, vor allem der Saxophonist Julian Wirth und die Sängerin. Letztere heißt Jule Borchhardt und hat in der Region mehrfach schon durch ihre ausdrucksvolle und variationsreiche Stimme begeistert. Zu abwechslungsreichen Performance gehörte eine ausgefeilte Lichtshow, die zuckende Blitze und mäandernde Strahlen in unterschiedlichsten Farbkombinationen bereithielt. Die Kompositionen wirkten wie klingende, manchmal auch krachende Kaleidoskope, die fantasiereich variierten. Ein besonderer Lichtakzent war auch das Musikstück „Neon Groove“, in dem die Schlagstöcke der drei Schlagzeuger zwischen Rot, Grün und Blau ständig ihre Farben wechselten – auf der dunklen Bühne war das mehr als nur ein Gag.
Interpretiert wurden auch Stücke bekannter Namen wie etwa Musik des Hollywood-Komponisten Hans Zimmer, dessen Song „Interstellare“ dargeboten wurde. Auch die der Chor der Jungen Bühne Sindelfingen war zu Gast. Ungewöhnlich war der Opern-Hit „Nessun dorma“ aus Puccinis „Turandot“, mit dem berühmte Tenöre wie Luciano Pavarotti oder Michael Spyres einst glänzten. Hier gab der Tenor Daniel Fix eine ganz beachtliche Vorstellung.
Zweieinhalb Stunden Wirbel um die Trommeln
Die Perkussionsgruppe Skin of Clazz ließ sich nicht nur in der musikalischen Qualität nicht lumpen, sondern auch in der Konzertdauer. In mehr als zweieinhalb Stunden erklangen mehr als 20 verschiedene Titel.
Die Sängerin wechselte auch des Öfteren ihr Outfit, so schlüpfte sie bei dem lateinamerikanisch befruchteten „Delirio“ in ein hautenges, grünes Kleid, was sich auf der reichhaltig bestückten Bühne gut abhob.
Natürlich ließ das begeisterte Publikum seine Band nicht ohne Belohnung von der Bühne: Als Zugaben wurden „Later B.“ und „Ain‘t nobody“ gegeben.