Roger Roth war im Rathaus für Straßenbau, Stadtentwässerung und Baubetriebshof zuständig. Er erlebte rasante Stadtentwicklung mit – vom Engelbergtunnel bis Glems-Freilegung.
Obwohl er diesem Schritt entgegenfieberte – leicht gefallen ist Roger Roth der Abschied von den Kolleginnen und Kollegen im Rathaus und auch von den Mitgliedern im Gemeinderat nicht. Immerhin war er fast 29 Jahre lang der Leiter des städtischen Tiefbauamtes in Leonberg. Der 62-Jährige hat sich und seine Familie im Laufe seiner Berufsjahre finanziell so abgesichert, dass er sich bereits vor dem offiziellen Rentenalter beruflich zurückziehen kann.
Als Roger Roth im Jahr 1997 nach Leonberg kam und die Stelle als Abteilungsleiter Straßenbau antrat, hatte der studierte Bauingenieur bereits in einem Ingenieurbüro in Göppingen, später bei der Stadt Eislingen im Kanalbau und wenig später in der Straßenbauabteilung der Kommune gearbeitet. „Das war für mich das Fundament meiner beruflichen Laufbahn“, sagt Roth, unter dessen Regie die Eislinger Ortsdurchfahrt inklusive einiger Brücken gebaut wurden.
Roth: „Ich hatte in den vielen Jahren eine erfüllte Arbeitszeit“
Den jungen Ingenieur zog es aber rasch weiter, zumal er in Holzgerlingen gebaut hatte und ihm der Anfahrtsweg in den Kreis Göppingen auf Dauer zu zeitintensiv war.
So bewarb er sich in Leonberg auf eine frei gewordene Stelle des Abteilungsleiters Straßenbau – und wurde nach kürzester Zeit vom Gemeinderat zum Leiter des Tiefbauamts gewählt, weil sich der bisherige, Fritz Vogel, in den Ruhestand verabschiedet hatte. Dort war Roger Roth seither nicht nur für den Straßenbau, sondern auch für die Stadtentwässerung sowie den Baubetriebshof verantwortlich. „Ich hatte in den vielen Jahren eine erfüllte Arbeitszeit und durfte ein großes Spektrum an Projekten umsetzen“, sagt Roth.
An seine Anfangszeit in Leonberg erinnert sich der Vater von zwei erwachsenen Kindern gut: „Es herrschte Aufbruchstimmung, es wurden viele Straßen gebaut, Wohn- und Gewerbegebiete erschlossen.“ Es war auch die Zeit, als in der Stadt bereits heftig und in allen Facetten über das Thema Verkehr diskutiert wurde. Südrandstraße und Engelbergbasistunnel waren in der Entstehungsphase. Damals wurde überlegt, ob eine der alten Tunnelröhren und die ehemalige Autobahntrasse als Ausweichstrecke bei hohem Verkehrsaufkommen offen bleiben – oder ob ein Tunnel ab dem Hasenbrünnele in der Feuerbacher Straße unter der Stadt gegraben werden sollte, um die Grabenstraße zu entlasten.
Der Ministerpräsident kam per Helikopter zur Eröffnung des Engelbergtunnels
Die Tunnelröhren wurden schließlich zugeschüttet. Die KZ-Gedenkstätte hat dort später am südlichen Ende einer Röhre ihren Platz gefunden. Nach einer vierjährigen Bauzeit des Engelbergbasistunnels (1995 bis 1999) wurde die Eröffnung groß gefeiert. Der damalige CDU-Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Erwin Teufel, wurde mit dem Helikopter nach Leonberg eingeflogen. Ein weiteres großes Straßenbauprojekt war später der Westanschluss auf der Autobahn 81.
Roger Roth hat unter anderem die Kläranlagen in Warmbronn und auch im Ramtel zurückbauen lassen, um alles mit Hilfe von Druckleitungen im Höfinger Glemstal zu zentralisieren. Roth erwähnt die Erschließungen der Gewerbegebiete Riedwiesen oder Leo-West, auch das Wohngebiet Ezach III. Die Sanierung der Stuttgarter Straße habe so lange gedauert, weil nach Protesten einiger Altstadt- Einzelhändler der Bereich nicht komplett gesperrt werden durfte. Aus Platzgründen wurde das Materiallager in die Glemsstraße verlagert, was zudem für Verzögerungen sorgte. „Die Grabenstraße habe ich dann nach meinen Vorstellungen mit einer Vollsperrung in den Sommerferien gebaut. Das ging ohne Baustellen-Behinderung ruckzuck.“
Offenlegung der Glems: „Ingenieurbau in allen Facetten“
Fragt man Roger Roth nach seinen wichtigsten Projekten in der Stadt, erwähnt er einige in den Leonberger Ortsteilen: die Neukonzeption des Warmbronner Friedhofes, den Ausbau der Ortsdurchfahrt in Silberberg oder den Bau des zweiten Sportplatzes in Gebersheim. Am wichtigsten ist ihm aber – und dort wünschte er sich auch, dass der Fotograf ein Foto von ihm macht – die Offenlegung der Glems und der Bau des Kreisels in der Gebersheimer Straße und Schweizermühle. „Das war Ingenieurbau in allen Facetten“, schwärmt Roth noch immer.
Die Glems floss dort einst unterirdisch in einem Kanal. Oft wurde das Gebiet, wo sich auch der Bauhof befindet, bei Starkregen überschwemmt, wenn die Rohre nicht frei waren. Bei einer Kontrolle wurde festgestellt, dass sich das Bauwerk in einem schlechten Zustand befand. „Also hat man gleich die Glems freigelegt, renaturiert sowie eine Grünfläche geschaffen.“ Um dem Gewässer den nötigen Raum zu schaffen, wurde die Straße in einem Bogen verlegt und der Kreisverkehr gebaut. „In den Jahren haben sich dort einige Tiere angesiedelt, unter anderem Krebse.“ Ab dem Jahr 2009 seien die Bauprojekte wegen Sparmaßnahmen zurückgefahren worden. Gerne hätte er beispielsweise noch die Sanierung der Römerstraße oder den Brückenbau für die Verbindung von Altstadt und Neuer Stadtmitte miterlebt.
Nun hat er Zeit für seinen Oldtimer
Nun wird Roger Roth mehr Zeit für seine Hobbys haben. Seinen Oldtimer der Marke Auto Union hat er die letzten Jahre restauriert. Jetzt freut er sich auf diverse Ausfahrten. Auch seine Modelleisenbahn wird er wieder herausholen. Für seine Führungsposition im Rathaus muss derweil eine Nachfolge gefunden werden.