Böblinger Bilder besonders beliebt

Die Städtische Galerie verleiht immer mehr Gemälde aus ihrem Bestand an renommierte Institutionen

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    Kurt Weinholds Gemälde Wedde in gelben Höschen (1929)
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    Kubistischer Kopf, Lily Hildebrandt 1914-1916
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    Das Proletarisches Altarbild von Franz Frank (1928) wurde dreimal verliehen Fotos: Thomas Bischof

Zahlreiche Gemälde aus den Beständen der Städtischen Galerie Böblingen wurden in letzter Zeit "auf absehbare Dauer", also temporär, an renommierte Institutionen aus der Region, aber auch aus der weiteren Umgebung, ausgeliehen. Damit gab es seit 2015 eine erhöhte Anzahl an Leihgesuchen an die Stadt Böblingen.

Artikel vom 11. September 2018 - 19:30

BÖBLINGEN (red). Böblinger Bilder boomen, zumindest wenn es um das Leihen von Gemälden aus den Beständen der Städtischen Galerie geht. Das seien Anzeichen dafür, dass die Kunstsammlung auch andernorts auf großes Interesse stößt und ihren Bekanntheitsgrad immer weiter ausbaut. "Wichtige Voraussetzungen hierfür waren wohl die Sonderausstellungen samt deren ausstellungsbegleitenden Kataloge, welche sich intensiver mit den Eigenbeständen der Galerie auseinandersetzen und damit zuvor selten gezeigte Schlüsselwerke bekannt machten", heißt es dazu aus dem Böblinger Amt für Kultur.

Die verstärkte Leihaktivität betraf einige Werke auch oftmals doppelt oder dreifach. In gleich zwei Fällen beispielsweise war der Maler Franz Frank im Fokus. Dessen monumentales Hochformat "Proletarische Altarbild" (1928) durfte zunächst ins Städtische Museum im Kornhaus nach Kirchheim unter Teck reisen, wo es in der großen Einzelausstellung Franz Franks politische Werkphase der 1920er- und 1930er-Jahre bildgewaltig repräsentierte. Ab dem 30. September wird das Hauptwerk nun in der großen Landesausstellung des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart für die Dauer eines ganzen Jahres zu sehen sein.

Das neusachliche Gemälde "Wedde in gelben Höschen" (1929), einem der schönsten Gemälde von Kurt Weinhold, wurde in den letzten beiden Jahren ebenfalls gleich zwei Mal ausgeliehen. Erst komplettierte es die Schau "Vom Wesen der Weiblichkeit" im Hermann-Hesse-Museum in Calw, um im direkten Anschluss daran auf Wanderschaft nach Waldshut zu gehen, wo es in der Doppelausstellung "Der Mensch im Blick" Seite an Seite mit Werken von Rudolf Schlichter präsentiert wurde.

Der "Kubistische Kopf" von Hildebrandt kommt nach Bielefeld

Bereits unterschrieben ist der Leihvertrag zwischen der Stadt Böblingen und dem Bielefelder in diesem Jahr neu gegründeten Hermann-Stenner-Museum, wohin Lily Hildebrandts "Kubistischer Kopf" (1914-16) geschickt wird. Dort soll es als rares Bildzeugnis einer der frühesten Schülerinnen in der berühmten "Damenmalklasse" von Adolf Hölzel an der Stuttgarter Akademie fungieren.

Bis Anfang 2018 hing es noch im Museum in Freiburg und ergänzte die Gruppenschau "Im Laboratorium der Moderne: Hölzel und sein Kreis"- eine beeindruckende Rekonstruktion der ersten gemeinsamen Schau des Schülerkreises um Hölzel im Freiburger Kunstverein von 1916. Mit gleich zwei Kreide- und Pastellarbeiten, einem Teppichentwurf (1946) und einer Naturstudie (1950), wird Ida Kerkovius, eine weitere frühe Schülerin aus dem legendären Hölzel-Kreis, in drei Monaten für die Ausstellung "Sie ist ganz Kunst." Ida Kerkovius - eine Künstlerin des Bauhauses" in das rund 400 km weiter östlich in Thüringen liegende Kunsthaus von Apolda ziehen.

Das sich seit 2014 im Zusammenhang mit der Böblinger Ausstellung "Vertraute Fremde" wohl aufgrund seiner malerischen Prägnanz im Zusammenspiel mit seiner inhaltlichen Vielschichtigkeit zu einem Lieblingsbild des Galeriepublikums avancierte Gemälde "Puppenparadies" (1932) der Malerin Alice Haarburger hatte die Einzelausstellung zu Ehren des 125. Geburtstages der dem Nazi-Regime zum Opfer gefallenen Künstlerin im Spendhaus Reutlingen in der Rubrik "Spielzeug-Stilleben" ergänzt.

Die in Zusammenhang mit der "Vertrauten Fremde" in den Bestand der Galerie aufgenommene Sandsteinplastik "Weibliche Figur mit Schlangen" von Horst Antes aus dem Jahr 1981 ist als eine herausragende Arbeit des selten im Dreidimensionalen arbeitenden, mittlerweile hochbetagten Karlsruher Künstlers für die Motivausstellung "Geschlängelt" der renommierten Galerie der Stiftung pro arte der Kreissparkasse in Biberach angefragt worden.

Publikumsliebling Reinhold Nägele war gleich drei Mal in Stuttgart

Gerade in diesem Jahr war der Publikumsliebling Reinhold Nägele mit gleich drei wichtigen Werken aus dem Böblinger Bestand in der Einzelausstellung "Chronist der Moderne" im Stuttgarter Kunstmuseum zu bestaunen.

Neben Präsentieren, Bewahren, Sammeln und Recherchieren ist es eine der Kernaufgaben einer musealen Sammlung, auch auf externe Bildanfragen zu reagieren und falls bestimmte, strenge konservatorische Kriterien erfüllt sind, einer Ausleihe zuzustimmen.

Das Verleihen von Werken an anderweitige Institutionen wirkt als öffentlichkeitswirksamer Multiplikator, steigert den Bekanntheitswert sowie den Bedeutungsgrad eines Werkes wie seinem Besitzer und bedeutet daher nicht zuletzt neben weiteren Hauptbestandteilen eines der wichtigsten Tätigkeitsfelder innerhalb der Galerie- und Museumsarbeit.

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