Sindelfinger Hanke Brothers begeistern Publikum in Böblingen

Junge Klassik: Böblinger Sommerkulturreihe erweitert ihr Musikangebot

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    Klassik mit Vorwärtsdrang: die Hanke Brothers beim "Sommer am See" Foto: Thomas Bischof

Artikel vom 10. September 2018 - 17:30

BÖBLINGEN (red/edi). Der Böblinger "Sommer am See" stand in der Vergangenheit vor allem für eine Programmmischung aus Kleinkunst, Jazz und Weltmusik. Seit Andreas Wolfer im Jahr 2014 als Böblingens neuer Veranstaltungsmanager die Organisation der Sommerkulturreihe übernahm, erweitert er sie Stück für Stück um weitere Genres und Angebote.

Die in zweifacher Hinsicht jüngste Ergänzung des Veranstaltungsprogramms war der Auftritt der Hanke Brothers. Die vier Brüder aus Sindelfingen haben am Freitagabend in der ausverkauften Alten TÜV-Halle bei ihrem "Colourful Concert" klassische Musik auf frische und unkonventionelle Weise präsentiert.

Die Brüder David, Lukas, Jonathan und Fabian sind die vier Söhne von Matthias und Theresia Hanke - im Verbund gehören sie zu den musikalischsten Familien der Region. Die Mutter ist Berufsmusikerin und Geigenlehrerin, der Vater hat über viele Jahre als Kirchenmusikdirektor in Sindelfingen gewirkt und ist seit zwei Jahren als Landeskirchenmusikdirektor in Stuttgart tätig. Die vier Brüder haben allesamt Preise bei "Jugend musiziert" gewonnen, darunter sogar Erste Preise beim Bundeswettbewerb. Unter dem Namen "Hanke Brothers" ist das Bruder-Quartett erstmals offiziell bei der ersten Sindelfinger Biennale im Sommer 2015 in Erscheinung getreten. Den eigentlichen Startschuss für das Vier-Brüder-Ensemble markierte jedoch bereits das Jahr 2014. Damals nahmen Hankes ihre erste gemeinsame Familien-CD auf.

Nach und nach entwickelten die vier Brüder einen individuellen Stil für ihre Konzerte. Ihre Markenzeichen: viel selbst arrangierte Musik, genresprengend, stilübergreifend. "Colourful Concert", farbenreiches Konzert, nennen sie ihr aktuelles Programm, das sie auch in Böblingen präsentierten.

Schon allein die Besetzung ist ungewöhnlich: David Hanke, der Größte der vier Brüder, spielt das kleinste Instrument - die Flöte. Von der Sopranino-Blockflöte bis hin zur Bassflöte hat er ein großes Instrumentarium im Gepäck. Fabian Hanke, der jüngste der vier, spielt Tuba und Geige. Lukas Hanke hat sich auf die Bratsche spezialisiert und Jonathan Hanke fühlt sich am Klavier von Klassik über Jazz bis hin zur Kunstliedbegleitung in vielen Genres heimisch.

In Böblingen präsentierten die vier Brüder neben eigenen Arrangements und Kompositionen als Uraufführung die "Suite African Circus", die der Hamburger Komponist Sören Sieg eigens für das Quartett geschrieben hatte. Das Publikum hörte konzentriert zu und genoss die musikalische Vielfalt, in die sich sogar südamerikanische Rhythmen und Klezmer-Klänge mischten.

"Das sind wirklich fantastische Einzelkönner. Wenn sie spielen, merkt man, wie viel Spaß die haben", schwärmte Andreas Wolfer nach dem Konzert. Der Böblinger Kulturamtsmitarbeiter hatte die Hanke-Brüder bereits für das Fischsuppenessen Mitte Februar nach Böblingen geholt.

"Die inszenieren sich sehr gekonnt"

Mit ihrem Auftritt in der Alten TÜV-Halle ist Wolfer sehr zufrieden. "Die Musik war über die Technik verstärkt. Deswegen hat es auch nicht gestört, dass direkt gegenüber im Bootshaus Biergarten-Betrieb war. Dazu kam eine gut gemachte Light-Show. So hatte das Ganze fast schon Popmusik-Charakter. Das hat sehr gut funktioniert", freut er sich über den gelungenen Ausflug ins Klassik-Genre. "Die inszenieren sich sehr gekonnt", lobt er die jugendlich-unverkrampfte, zugleich aber auch sehr professionelle Präsentation des Brüder-Ensembles.

Als regelmäßigen Bestandteil der "Sommer am See"-Reihe sieht er Klassikkonzerte allerdings noch nicht - zumal diese mit einigem Aufwand wie etwa dem Anmieten eines Konzertflügels verbunden seien. Ein Wiederhören und Wiedersehen mit den Hanke Brothers sei aber keineswegs ausgeschlossen: "Ich kann mir gut vorstellen, wieder etwas mit denen zu machen", kündigt Andreas Wolfer an.

Der bekam übrigens - weil die Veranstaltung an seinem Geburtstag stattfand - nach Konzertende noch eine ganz private Zugabe: "Gerade als ich zum Abbauen auf der Leiter stand, haben sie mir ein Ständchen gespielt. Das war sehr nett", schmunzelt er.

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