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Mehr als durch den Wald joggen

KRZ-Laufteam 2014: Beim Fitness-Check im Pink Power werden die Teilnehmer aufs Training vorbereitet

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    Wolfgang Laib aus Aidlingen: Der passionierte Radfahrer wirft alles in die Waagschale

Dass die Vorbereitung auf einen Halbmarathon deutlich mehr umfasst als einfach nur loszulaufen, hat das KRZ- Laufteam am Samstag im Pink Power beim Fitness-Check gelernt. Mit Hopserlauf rückwärts, akrobatischen Dehnübungen und der Black Roll konnte sich allerdings noch nicht jeder gleich anfreunden.

Artikel vom 05. Februar 2014 - 15:42

BÖBLINGEN. Rund vier Stunden lang haben die angehenden Halbmarathon-Bezwinger aufmerksam gelauscht, kräftig geschwitzt und manchmal auch ganz schön gestöhnt. "Es wird besser mit der Zeit", versprach Lauftreffleiter Axel Stahl, der den Teilnehmern vor allem in Sachen Koordination ganz schön was abverlangte. An drei Stationen bekam das Laufteam nach dem gemeinsamen Aufwärmen sämtliches Rüstzeug mit auf den Weg, um beim Stuttgart-Lauf gesund und glücklich ins Ziel zu kommen.

 

Zerrend: Schon beim Aufwärmen mit Werner Kolb wurde schnell klar, dass zum erfolgreichen Laufen ein bisschen mehr gehört als locker durch den Wald zu joggen. Der sportliche Leiter des Pink Power zeigte Stabilisations-, Kräftigungs- und Dehnübungen. "Vor allem die Männer sollten hier aufpassen. Da holt man sich schnell mal ne Zerrung", erklärte er. "Ahh", ertönte es derweil aus dem Hintergrund. Ob die Warnung vielleicht einen Tick zu spät kam?

 

Raubbau: Wenn es ums Training geht, ist Tobias Stumpf mehr als gefragt, er wird regelrecht gelöchert. Hat der Diplom-Sportlehrer doch nicht nur alle Trainingspläne geschrieben, sondern auch auf alle Fragen eine Antwort. Und eines liegt ihm besonders am Herzen: Die Gesundheit der Läuferinnen und Läufer. "Es gibt auch zuviel", warnte er vor Übereifer - mit dem Verweis auf den Raubbau, der Training eben auch bedeutet. "In jedem Training zerstört ihr euren Körper, Muskeln und Sehnen reißen", überraschte er das Team mit der Realität des Sportlers. Deshalb gelte es auch, den Trainingsplan zu verfolgen, "nichts weglassen, nichts hinzufügen". Doch sei der Plan nicht in Stein gemeißelt: "Wenn 'ne Trainingseinheit wegfällt, fällt se weg." Und bei Krankheit heißt es Pause machen, "keinesfalls mit Fieber trainieren".

 

Durch die Nase: Doch was sich auf dem Papier an langsamem und lockerem Dauerlauf, an Entwicklungsbereich und Grundlagenausdauer findet, muss ja auch in die Praxis umgesetzt werden. Und nicht jeder hat einen Herzfrequenzmesser am Handgelenk. Obwohl er sinnvoll ist. Doch wie erkennen, ob das Tempo langsam genug ist? Durch Nasenatmung: "Wenn ihr durch die Nase noch einatmen könnt und mit dem Nachbarn reden, ist es okay", gab "Tobi" einen entscheidenden Hinweis. Denn zu schnell laufen Anfänger und erfahrene Läufer gerne, selten zu langsam. Doch "wenn die Qualität stimmt, stimmt auch das Endergebnis, wichtig ist die Varianz". Wer zuviel und zu intensiv trainiert, riskiert dagegen Verletzungen: "Sehnen, Bänder und Knorpel brauchen Monate, um sich an höhere Belastungen anzupassen", warnte Tobias Stumpf. Und gab noch einen Tipp: "Es muss Spaß machen, man soll nicht mit Schmerzen trainieren."

 

Mächtig Muckis: Und damit auch garantiert nichts wehtut, steht Krafttraining künftig ebenso auf dem Programm. Schließlich trifft bei jedem Schritt das dreifache des Körpergewichts auf den Fuß. Bei einem Mann von 85 Kilogramm und 170 Schritten pro Minute sind das läppische 43,35 Tonnen. Angesichts solcher Zahlen freut sich Uwe Gerstweiler über sein Losglück umso mehr. "Ich bin schon mal einen Halbmarathon gelaufen, so aus dem nichts. Aber mit Anleitung geht es sicher viel besser", ist sich der Jugendtrainer bei der HSG Böblingen/Sindelfingen sicher. Bis zum Jahr 2000 hat der Sindelfinger noch selbst in den Harztopf gegriffen und in seiner aktiven Zeit unter Trainern wie Joachim Becker, Hans-Gerd Hahn oder Matthias Lauer gespielt. "Nach zwei Bänderrissen musste ich allerdings aufhören", erklärte Gerstweiler, der sein sportliches Glück nun im KRZ-Laufteam gefunden hat.

 

Cellulite-Killer?: Um den Schmerz aus einem Muskel schnell herauszubekommen, könnten die Läuferinnen und Läufer zur Black Roll greifen und so genanntes Faszientraining absolvieren. Die kleine Kunststoffwalze verhilft Profis zu mehr Leistung - "bei Mountainbikern waren es zehn Prozent mehr, wenn sie sich vor dem Test gerollt haben", verdeutlichte Werner Kolb den Effekt. Er machte deutlich, dass auch das Bindegewebe entscheidenden Einfluss auf die Leistungsfähigkeit der Muskulatur hat. Und dass es drei Monate zur Regeneration braucht. Das Wunderwerk aus Hartschaum ist vielseitig einsetzbar, hilft auch bei Verspannungen im Nacken. "Bringt die auch was bei Cellulitis?", wollte die ehemalige Holzgerlinger Fußballerin Maren Dölle wissen. Da mussten Kolb und seine schwarze Rolle passen.

 

Süßer Schmerz: Dafür zauberte das schwarze Ding auf so manches Gesicht ein kleines Naturschauspiel. Irgendetwas zwischen Freud und Leid, zwischen Weinen und Lachen. Während Tine Stierle ihren von Ischiasschmerzen geplagten Rücken noch etwas schonte und sich mehr den Beinen widmete, hängten sich Jutta Zechling und Ines Weser voll rein. "Ohje", ertönte es zwischen den Rollbewegungen. Wohl wissend, dass es nur was bringt, wenn die von vielen liebevoll genannte Quäl-Rolle auch regelmäßig benutzt wird. Und sollte sich das Ding mal verformen, ist das auch kein Problem. "Einfach bei 110 Grad in den Backofen legen", so der Tipp von Werner Kolb.

 

Hä?: Wo sollen nur all die Arme und Beine hin? Mehr als nur ein Fragezeichen tauchte da bei Axel Stahls Station auf, als die Teilnehmer gleich drei Sachen auf einmal machen sollten. Hopserlauf, beide Arme in unterschiedliche Richtungen kreisen und das Ganze auch noch rückwärts. Kurzes Innehalten und nochmal von Neuem starten war angesagt. Und ganz so anspruchsvoll wird es in den Trainingseinheiten in Sachen Koordination schließlich nicht, wenngleich sich einige als richtige Multitalente outeten. Während Tine Stierle Fitnesskurse gibt und Wolfgang Alber nebenher gerne zum Tennisschläger greift, absolviert Martin Barthelme jede Woche ein durchaus anspruchsvolles Sportprogramm. Neben Body-Pump geht er zum Spinning, macht Yoga und rast mit dem Mountainbike durch die Gegend. Jetzt muss er nur noch Zeit fürs Laufen finden.