Vor dem Training erst den Blutdruck senken

KRZ-Laufteam 2014: Medizin-Check in der Kardiologie des Klinikums Sindelfingen bei Dr. Horst Nebelsieck gibt wichtige Fingerzeige

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    Hatte trotz Belastungs-EKG bei Stefan Froebe (links) und Dr. Horst Nebelsieck (Mitte) noch gut lachen: Werner Dinkelaker, der als Sponsor der ersten Stunde eine Wildcard fürs KRZ-Laufteam 2014 bekam KRZ-Fotos: Otto Kühnle

Passen meine persönlichen Ziele und meine Leistungsfähigkeit zusammen? Für die Mitglieder des KRZ-Laufteams 2014 gab der medizinische Check in der Sindelfinger Kardiologie einen ersten Aufschluss darüber. Nach Ruhe-EKG, Herz-Ultraschall- untersuchung und Belastungstest auf dem Ergometer gab es grünes Licht.

Artikel vom 15. Januar 2014 - 16:06

SINDELFINGEN. Bei drei Aspiranten für den Stuttgart-Halbmarathon stellte Dr. Horst Nebelsieck die Ampel aber auf Rot. Zu viel Gewicht bei zu geringer Leistung, drohende Überlastung, zu hohe Anforderungen an den Bewegungsapparat: Da geht der Kardiologie-Chefarzt auf Nummer sicher. Empfiehlt Nordic Walking, Schwimmen oder Radfahren. Oder gleich den Gang zum Hausarzt zwecks gründlicher Gesundheitsuntersuchung. Diesen Schritt müssen auch einige Kandidaten machen, bei denen der Sportmediziner einen zu hohen Blutdruck attestierte. Was gerade jenen gerne verborgen bleibt, die rank und schlank und gut trainiert sind. "Zu hoher Blutdruck tut nicht weh", doch gesenkt werden muss er. Nicht zuvorderst wegen der Leistungsfähigkeit. Sondern um die Lebenserwartung zu verlängern. "Wenn sie jetzt nichts machen, werden sie statt statistisch 83 nur 70 Jahre alt", machte er einem Probanden deutlich, welche Konsequenzen mögliche Folgeschäden einer versäumte Therapie haben kann.

 

Ran an den Speck: Dagegen müssen ein paar Pfunde zuviel kein Hinderungsgrund sein, wenn ansonsten die Physis stimmt. An den Speck ran wollen Rosaria Scarfiello und Samir Talic. Gemeinsam. "Die sind die idealen Kandidaten, da wird es die größten Leistungssprünge geben", machte Nebelsieck der 36-Jährigen und dem 35-Jährigen Hoffnung. Der Blick auf die Leistungswerte auf dem Ergometer stimmte den Arzt und die Läufer hoffnungsfroh.

 

Schon gut trainiert: Wenn Stefan Froebe, immer einen flotten Spruch auf den Lippen, die Läuferinnen und Läufer auf dem Ergometer angespornt hatte, spuckte der Drucker nicht nur aus, wie sich Herzfrequenz und Blutdruck unter Belastung entwickelten und wieder beruhigten. Über den Trainingszustand gab das Ergebnis, um wieviel jemand über (oder unter) dem erwartbaren Wert seiner Altersgruppe liegt, Auskunft. Da hatten Marita und Martin Seidl keine Probleme. "Du hast fünf Prozent mehr", stichelte Marita - dabei lag sie selbst bei 125 Prozent, ist also schon gut trainiert.

 

Gesundes Herz: Gut in Schuss zeigten sich auch der Polizist Martin Unteregelsbacher und der Böblinger Feuerwehrmann Marcus Winz. Der Mann vom Polizeirevier Böblingen hat einen Sportstudio-gestählten Körper und beste Anlagen. An der Ausdauer darf er aber noch arbeiten - das Resultat dürfte aber ein ganz hervorragendes sein. Wie auch Marcus Winz kein Gramm zuviel auf den Rippen hat und bei der Ultraschalluntersuchung durch Dr. Jochen Markert ironisch feststellte, dass er jetzt wisse, dass er ein Herz habe. Und dazu eines ohne Fehl und Tadel. Was ihn nicht wirklich überraschte. Denn als Atemschutzträger muss er ohnehin regelmäßig zum Check.

 

Bestens in Schuss: Der fiel auch für Werner Dinkelaker äußerst positiv aus. Der Brauerei-Chef wartete mit weit überdurchschnittlichen Werten für sein Alter auf und kann die Strecke getrost unter die Sohlen nehmen. Wie Frank Schubert. Der Böblinger, zumeist bekannt als Akteur des Theaters in der Baracke, ist zwar "bisher eigentlich nur Rad gefahren". Doch nun hat der 54-Jährige eine Wette laufen mit seinen Kumpels. Die steht momentan 2:3 gegen ihn. Die Jungs hätten besser den Medizin-Check abgewartet. Denn Schubert ist so gut drauf, dass die 21 Kilometer kein Problem werden dürften.

 

Im Doppelpack: Das Laufteam 2014 könnte man auch als Paarlauf-Team bezeichnen. Wobei die Duos ganz unterschiedliche Zusammensetzungen haben. So laufen Monika Wolking und Anna Esposito seit Jahren zusammen. "Wir haben uns schon dreimal vergebens beworben", freut sich die Pfarramtssekretärin der Vater-unser-Gemeinde auf der Diezenhalde. Sie ist ebenso überdurchschnittlich fit wie Anna Esposito. Deren Herzfrequenz sank in knapp zwei Minuten von 142 auf 72 - Zeichen für einen trainierten Körper.

 

Unter 2:10 Stunden: Den bringen auch Carmen und Ines Widmaier aus Ehningen mit. Die Buchhändlerin macht "das ganze Programm beim TSV Ehningen durch", und hält sich so fit. Was man sieht. Vor zehn Jahren war sie schon einmal dabei - nun hat sie ihre Tochter überredet, die gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der AWO in Böblingen macht. "Sie läuft immer zu schnell los", bekrittelt die Mama. Doch für beide hat Nebelsieck schon mal die Latte hochgelegt: "Die schaffen das unter 2:10." Wenn sie beim Laufen hübsch zusammenbleiben.

 

Viel Potential: Eher getrennte Wege werden wohl Kerstin und Alexander Klingel gehen. Die 45-Jährige ist gut drauf, aber der 17-jährige Sohn tritt eher in des Vaters Fußstapfen. Und Matthias Klingel hat seit seinem Neustart vor zwei Jahren im KRZ-Team so viel Spaß am Laufen gefunden, dass er seine Familie ansteckte. Allerdings ist das Familienoberhaupt so schnell unterwegs, dass seine Lieben Probleme haben dürften, ihm auf den Fersen zu bleiben. Gemeinsam unterwegs sind Martina Smekal und Thomas Mayer. Das Marketing-Gesicht der Böblinger Stadtwerke trat mal locker 200 Watt - bei der 26-Jährigen sieht Nebelsieck viel Potenzial.

 

Immer mit der Ruhe: Zwei Tage lang versuchte Roswitha Ernst die Probanden am Beginn der Untersuchung so zu beruhigen, dass das Ruhe-EKG keine allzu heftigen Werte auswies. Und neben Dr. Jochen Markert war auch Dr. Claudia Schmidt wieder im Ultraschallraum aktiv. Sie zogen am Ende ein positives Fazit - schließlich war niemand mit lebensbedrohlichen Erkrankungen aufgefallen. Und die restlichen Wehwehchen lassen sich kurieren.