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Weniger ist manchmal doch einfach mehr

KRZ-Laufteam 2013: Beim Fitness-Check im Pink Power lernen die Teilnehmer alles rund um den richtigen Laufstil und das Training

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Anstatt sich nochmal im Bett rumzudrehen und den Samstag langsam angehen zu lassen, standen die Mitglieder des KRZ-Laufteams 2013 pünktlich um 9 Uhr im Pink Power bereit, um sich und ihre Fitness gründlich durchchecken zu lassen. Auch wenn es an der einen oder anderen Stelle ordentlich zwackte, war's ein Riesenspaß.

Artikel vom 22. Januar 2013 - 13:48

BÖBLINGEN. Laufen ist der einfachste Sport der Welt. So gut wie jeder kann es, überall ist's möglich, und man bewegt sich an der frischen Luft. Dennoch gibt es einiges zu beachten, wie die Teammitglieder am Samstagvormittag erfuhren. Nach gemeinsamem Aufwärmen ging es in vier verschiedene Gruppen, ehe am Ende alle auf spannende Wochen bis zum Stuttgart-Lauf eingeschworen wurden.

Trainings-ABC: Eigentlich, meinte Tobias Stumpf, könne er seinen Vortrag ja beenden, nachdem er erläutert hatte, was Training ist. "Ein zielgerichteter, planmäßiger und systematischer Prozess zur Leistungssteigerung." Doch der Mann, der die Trainingspläne für jeden Einzelnen des KRZ-Teams erstellt hatte, beschrieb diesen Prozess natürlich im Detail. Und machte dabei deutlich, dass "Training den Körper zerstört". Der müsse wiederhergestellt werden, ehe der nächste Trainingsanreiz gesetzt wird, weil sich der Effekt sonst ins Negative kehrt. Training, bläute er der Gruppe ein, "ist so wichtig wie die Regeneration". Deshalb "lieber einmal einen Tag Pause machen, wenn ihr überlastet seid". Vor allem aber nicht übertreiben. Weshalb das Laufen im Grundlagenausdauerbereich immens wichtig ist. Natürlich werde auch schneller gelaufen, bis hin zu Belastungsspitzen bei Steigerungsläufen oder im Intervalltraining. Daher kommt schließlich die Tempohärte. Doch die Basis bildet die Grundlagenausdauer. Womit sich manch erfahrener Läufer eher schwertut, wie Susanne Schrottenholzer bewies. Als geübte Läuferin wollte sie nicht unbedingt im Bummeltempo bei 60 bis 65 Prozent der maximalen Herzfrequenz durch den Wald traben. "Auch Trainierte sollten das Grundlagentraining beibehalten und ruhig laufen", mahnte der Sportpädagoge. Denn erst variable Methoden im Training brächten die erwünschte Leistungssteigerung. Ob Berg- oder Treppensprint, Fahrtspiel oder Intervalltraining: Das alles gehe nicht ohne Grundlagen, doch der Körper passe sich besser an. Dann müsse man sogar "weniger häufig trainieren", was wiederum der Regeneration zugute komme.

Auf eigenen Beinen: Endlich mal länger als 45 Minuten am Stück laufen, das wünscht sich Sabine Malz aus Holzgerlingen. Immerhin haben ihr die zwei Jahre Skigymnastik, die sie in der Vergangenheit fleißig absolviert hat, bei den gymnastischen Übungen geholfen. Die Mutter des erfolgreichen Ringers Yannik Malz hat für den Stuttgart-Lauf vor allem ein Ziel vor Augen: "Auf eigenen Beinen ankommen."

Grenzwertig: "Ausfallschritt nach vorne, das Knie bleibt hinter dem Fuß, sonst schadet ihr dem Knie, und jetzt den Ellenbogen innen runter - wenn's geht bis zum Boden." Spätestens bei den ersten Übungen des Core-Trainings waren alle Aspiranten des KRZ-Teams hellwach, um den Kommandos von Werner Kolb zu folgen. Der sportliche Leiter im Pink Power machte den Läufern deutlich, wie wichtig es ist, die Beweglichkeit nicht zu vernachlässigen. Was das männliche Geschlecht gerne mehr tut als das weibliche. "Liebe Männer, nicht in den Schmerz rein, macht's in euren Grenzen, die sind enger als bei den Frauen", riet er den aufstöhnenden Jungs, die zumeist erstmals Bekanntschaft mit dem kleinen Adduktorenmuskel schlossen, "der erste, der zerrt". Am Ende der halbstündigen Aufwärm- und Kräftigungseinheit wollte der Sportlehrer wissen: "Bei wem glühen die Oberschenkel?" Um dann den guten Rat hinterherzuschieben: "Wenn ihr beweglich seid, verpulvert ihr nicht mehr die Kraft."

Fiese Rolle: Und wer viel trainiert, der sollte seine Muskeln und Sehnen gut behandeln. Am besten mit der Blackroll. Die kennt keine Gnade, was so einige schmerzverzerrte Gesichter deutlich zeigten. Aber auch Verwunderung herrschte, als sich die meisten nach einer kleinen Fußsohlenmassage mit der Rolle plötzlich weiter nach unten beugen und mit den Händen den Boden berühren konnten. "Im Körper ist alles miteinander vernetzt", erklärte Werner Kolb. Mit jedem Muskel, der schmerzt, stimme etwas nicht. Da sei eine Massage über die Verhärtungspunkte mit der Rolle genau das Richtige. "Es ist bewiesen - Massagen fördern die Neubildung von Mitochondrien", erklärte Kolb eine Möglichkeit zur Vermehrung der kleinen Energiekraftwerke im Körper. Doch nicht nur die sorgen für einen flotten Schritt.

Einbein-Rasierer: Auch ein guter Schuh ist enorm wichtig, aber längst nicht alles. Dies machte Axel Stahl deutlich. Denn bevor der Laufschuh angepasst wird, komme es darauf an, mögliche Fehlstellungen und Defekte genau zu analysieren. Doch manchmal hilft auch kein Laufschuh weiter. Da mag dann schon mal der Orthopäde gefragt sein. Für alle aber gilt: Die Stabilität im Fuß ist wichtig für den guten Lauf und ein verletzungsfreies Training. "Wer zieht die Socken im Stehen an?" Die scheinbar banale Frage führt direkt zu einfachen und praktischen Verbesserungsmethoden: "Zähneputzen auf einem Bein ist die erste Übung." Männer könnten dann sogar auf einer Schaumstoff-Matte balancierend noch eines draufsetzen, indem sie sich so rasierten. Doch auch wenn das Fußgewölbe in Schuss ist, hält der Laufexperte und KRZ-Teamchef wenig vom radikalen Umschwung zum Barfußlaufen. Natürlich sei man mit der Dämpfung mitunter zu weit gegangen. Laufschuhe würden heute flacher gebaut. "Doch man kann nicht sofort auf Null fahren", warnte er vor Extremen. Schließlich sei der Fuß daran gewöhnt, hinten höher zu stehen als vorne. Vor allem aber warnte er davor, den Treter schwäbisch bescheiden allzu lange zu malträtieren. "Nach 800 bis 1500 Kilometer ist die Dämpfung weg". Und wer Schuhe im Schrank schont, hat nach zwei Jahren auch keine Dämpfung mehr, weil sich die Weichmacher verflüchtigen und der Kunststoff hart wird.

Der richtige Stil: Auch das Laufen selbst will gelernt sein, wie Schönbuch-Cup-Sieger Bastian Franz den Teammitgliedern erklärte. Vorfußlauf, Kniehebellauf, anfersen - was auf den ersten Blick lustig aussieht, schult den Bewegungsablauf und den Laufstil. "Wer kraftschonender läuft, läuft ökonomischer, hält dadurch länger durch und beugt so Verletzungen vor", erklärte der Sportwissenschaftler, der seit Kurzem im Bezirksligateam des TSV Grafenau die Liebe zum Faustball wiederentdeckt hat. "Ich find's toll, weil es ein Mannschaftssport ist", so der 26-Jährige, der mit seinen Übungen den einen oder anderen ganz schön aus der Puste brachte. Mike Prünster und Dieter Mach wollten da den Feierabend gleich ein wenig vorziehen und schwärmten schon mal von Rostbraten und Hefeweizen.

Flotte Sohle: Ins Schwärmen geriet auch Werner Schubert. Der Böblinger hat sich mit seiner Frau Dagmar und Tochter Johanna fürs Laufteam beworben und ist begeistert vom Programm. Das erste Training am vergangenen Donnerstag absolvierte die Familie geschlossen in der Wohlfühlgruppe bei Gisela Leutwein. "Ein bisschen schneller können wir schon noch", verriet der Hobby-Volleyballer. Wie's geht, hat das Laufteam am Samstag jetzt umfänglich gelernt.