Rückspiegel: Zweikampf oder Dreikampf?

THEMA: Böblinger OB-Wahlkampf vor der heißen Phase

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Artikel vom 16. Dezember 2017

Von Otto Kühnle

Zufall oder Absicht: Am gestrigen Freitag stellten Oberbürgermeister Wolfgang Lützner und Stefan Belz ihr Wahlprogramm für den OB-Wahlkampf in Böblingen vor. Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Allzu nahe an Weihnachten macht dies keinen Sinn, da sinkt die Chance auf die Aufmerksamkeit in der Bevölkerung. Die heiße Phase des Wahlkampfs beginnt nach dem Erscheinungsfest am 8. Januar. Bis dahin wird sich auch entschieden haben, ob aus dem sich abzeichnenden Zweikampf doch noch ein Dreikampf wird. Sehen wir einmal von der Bewerbung von Fridi Müller ab, die bei diesem ersten Wahlgang nicht mehr ist als die Dekopetersilie auf einem Teller, die von den meisten achtlos beiseitegelegt oder nebenbei gekaut wird. Es ginge auch ohne sie. Doch mit der vergangenen Woche hat sich das Zeitfenster für einen Kandidaten, der von der SPD gestützt oder geholt werden könnte, so verengt, dass der große Unbekannte kaum eine Chance hätte, sich den Wählerinnen und Wählern bekannt zu machen.

Der einzige, der aus dem Zweikampf doch noch einen Dreikampf machen könnte, ist Johannes Söhner. Dass sich der Mitbewerber aus dem Jahr 2010 erneut auf den Stimmzettel schreiben lassen will, pfeifen in Böblingen die Spatzen von den Dächern. Bis hin zur Wahlkampfmanagerin ist das Unterfangen vorbereitet. Sich bekannt machen muss der umtriebige Kirchenmann und Jugendreise-Unternehmer nicht. Man kennt ihn in Böblingen. Seine bisherige Zurückhaltung war alleine der Rücksicht geschuldet, einem potenziellen SPD-Kandidaten nicht im Wege stehen zu wollen. Allerdings hat Johannes Söhner aus seinem engen und weiteren Umfeld den Ratschlag bekommen, es doch bei seinem guten Ergebnis von vor acht Jahren zu belassen und das auch finanziell nicht eben billige Abenteuer zu unterlassen. Bis zum 8. Januar, dem Bewerbungsschluss, bleibt diese Tür für ihn geöffnet.

Dass Johannes Söhner und Stefan Belz, der Stadtrat der Grünen, als Kandidaten in nahezu identischen Gewässern fischen, ist eine Sorge der Bürgerinnen und Bürger, die sich für den Amtsinhaber eine ernsthafte und chancenreiche Alternative wünschen. Wahlempfehlungen von Parteien spielen bei OB-Wahlen selten eine entscheidende Rolle, können sich sogar gegen die Bewerber richten. Deshalb darf auch ein Herausforderer des Amtsinhabers sich davon keinen entscheidenden Rückenwind erhoffen. Es kommt alleine auf die Person an.

Und da zeigt sich Wolfgang Lützner bisher gelassen bis siegessicher. Er hat zwar an der einen oder anderen Stelle ordentlich Gegenwind bekommen, es sich mit Bürgerinnen und Bürgern verscherzt. Er selbst interpretiert dies als Zeichen von Führungsstärke und Charakter, es nicht allen Recht zu machen. Und nach den ersten acht Jahren mag es manche Kritik geben, die sich auch aufs Atmosphärisch-Persönliche bezieht. Nicht zuletzt auf eine manchmal aufscheinende Wurstigkeit und mangelnde Präsenz. Dass sein Vorgänger Alexander Vogelgsang die große Linie als stimmig bezeichnete, dürfte das größte Lob gewesen sein. Mit dem Fokus auf die Weiterentwicklung der Hulb liegt er richtig, mit der aktiven Rolle der Stadt in der Grundstückspolitik, dem damit verbundenen Erfolg bei der Bebauung des Volksbank-Areals, hat er auch sichtbare Erfolge vorzuweisen.

Was ihm hätte auf die Füße fallen können, hat er erfolgreich von sich ferngehalten: Den Zwist um die Erhöhung der Fernwärmepreise durch die Stadtwerke. Das Potenzial an Betroffenen ist groß, doch Lützner hat mit der Ablösung des Geschäftsführer Dirk Bacher und Veränderungen in der Führungsspitze dagegengesteuert. Eine unmittelbare Verantwortung als Chef des Aufsichtsrates perlte an ihm ab wie an Teflon. Und sein Gegenkandidat Stefan Belz gilt auch nicht als der Mann der renitenten Bürgerinnen und Bürger der Interessengemeinschaft Fernwärme. Da er zudem nicht über eine Verankerung in Vereinen, Kirche und gesellschaftlichen Akteuren wie Söhner verfügt, dürfte die Wahl eine wenig spannende Angelegenheit werden.