Kommunale Programme zur Stadtentwicklung - Herausforderungen und Ziele

Einige Städte in Baden-Württemberg stellen sich den großen Aufgaben der Zukunft und rüsten kräftig auf. Darunter sind Herrenberg und Böblingen. Immer mehr Menschen zieht es von den ländlichen Regionen in die Städte. Das bringt große Herausforderung mit sich, denen sich die Städte stellen müssen, um nicht an Attraktivität zu verlieren.

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    In Herrenberg und Böblingen wird fleißig gebaut. Quelle: © Calado – 169518773 / Fotolia.com

Autorin: Maria Hildebrandt

Artikel vom 21. Dezember 2017 - 10:22

Zu diesen Herausforderungen gehört unter anderem der demographische Wandel, der sich allgemein vollzieht, außerdem haben die Städte mit den Engpässen auf dem Wohnungsmarkt zu kämpfen – ein Problem, welches im Zuge der Urbanisierung immer extremer wird. Aktuell sind einige Projekte im Gange oder zumindest in der Planung, um diese Aspekte anzugehen, die Stadtentwicklung voranzutreiben und damit die Städte für die Zukunft zu rüsten.


Maßnahmen für eine nachhaltige Stadtentwicklung

Eine Stadt, die sich nicht weiterentwickelt und immer auf dem alten Stand bleibt, kann im Wettbewerb mit anderen Städten irgendwann nicht mehr mithalten: Sie verliert an Attraktivität. Damit Menschen aber gerne dort leben, arbeiten und ihre Freizeit genießen, muss eine Stadt lebendig und auf vielerlei Weise lebenswert sein.

Genau das ist die Aufgabe der Stadtentwicklung. Über verschiedene Konzepte und Strategien setzt sie den Rahmen für die Zukunft der Stadt und ihrer Gesamtentwicklung. Die Umsetzung der geplanten Vorhaben teilt sich in vier Themenbereiche auf:

- Bauleitplanung: Sie lenkt die bauliche Entwicklung in den Bereichen Wohnen, Gewerbe und Dienstleistungen und stellt außerdem Flächen für Straßen, Infrastrukturen sowie Erholungsmöglichkeiten bereit.

- Städtebauliche Sanierung: Sie hat das Ziel städtebauliche Missstände zu beseitigen und dafür gesundes Wohnen und Arbeiten in der Stadt zu ermöglichen.

- Diverse Förderprogramme, welche die Stadtquartiere aufwerten sowie die Lebensbedingungen und die Erwerbsmöglichkeiten der Bevölkerung verbessern sollen.

- Weitere thematische Konzepte und Maßnahmen, die sich mit bestimmten Aspekten befassen und damit zur Verbesserung der Stadt beitragen.

Grundsätzlich geht es darum, die Wohnsituation stetig zu verbessern und Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern. Auch die Versorgung der Bevölkerung und eine gute Infrastruktur gehören zu den Zielen und Herausforderungen einer jeden Stadtentwicklung.

Weitere Aspekte sind die sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Bevölkerung (Freizeit, Sport, Erholung), die es zu berücksichtigen gilt, sowie der Hochwasserschutz. Was gerade in der heutigen Zeit immer wichtiger wird und damit auch bei der zukünftigen und nachhaltigen Entwicklung einer Stadt ein großes Thema ist, sind Umweltschutz, Naturschutz und die Pflege der Landschaft.

 

 

 


Entwicklungsdrang versus finanzielle Sorgen

Diese Aufgaben zu erfüllen, ist nicht immer leicht, denn schließlich muss die betreffende Stadt nicht nur sinnvolle Projekte planen, sondern auch das nötige Geld für die Umsetzung haben.

Das bringt die Gemeinderäte in eine heikle Konfliktsituation: Einerseits wollen sie die Stadt attraktiver und ansprechender für die Einwohner gestalten, was auch dem Image der Stadt zugutekommt und Investoren anlockt. Andererseits fehlen oftmals die nötigen Geldmittel.

Dabei gibt es einige Möglichkeiten, mit wenig Geld viel zu bewirken. So lässt sich an ausgewählten Stellen Geld sparen, das dann für die Gestaltung und Verschönerung der Stadt zur Verfügung steht. Grundsätzlich sollte in Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten investiert werden, denn solche Maßnahmen sparen auf lange Sicht gesehen merklich Kosten.


Herrenberg gibt Vollgas

Die Stadt Herrenberg steht im Vergleich zu anderen Städten bislang zurück und droht den Anschluss im Wettbewerb zu verlieren. Dem wollen die Gemeinderatsfraktionen seit geraumer Zeit entgegenwirken. Um aufzurüsten, nutzen die Fraktionen die finanziell positive Lage Herrenbergs, um hohe Geldsummen in die Zukunft der Stadt zu investieren. Für die Jahre 2018 bis 2021 sind rund 66,7 Euro eingeplant, ein absoluter Rekordwert für den städtischen Etat.

Ein Großteil soll in den Erwerb von Grundstücken investiert werden. Es geht vor allem darum, die Innenstadt Herrenbergs zu neuem Leben zu erwecken und gleichzeitig dem steten Bevölkerungswachstum gerecht zu werden.

Immerhin hat das Stuttgarter Planungsbüro vorausberechnet, dass bis zum Jahr 2035 rund fünf Prozent mehr Menschen in Herrenberg leben werden, das wären 1700 mehr als jetzt. Das liegt unter anderem an der rekordverdächtigen Geburtenrate: bereits Ende September waren es mehr als 1000 Kinder, die in diesem Jahr das Licht der Welt erblickt haben. Höchste Zeit, mehr Wohnraum zu schaffen und die Stadt für diesen Zuwachs zu rüsten. So können zum Beispiel im Gebiet Herrenberg-Süd. Auf dem Leibfried-Areal und am Aischbach attraktive Wohngebiete entstehen, die auch erschwinglich sind.

Anfang des Jahres haben die Gemeinderatsfraktionen beschlossen, dass Herrenberg ab sofort aktiv seine Stadtentwicklung in Angriff nehmen muss. 2018 soll es dann mit den ersten Baumaßnahmen losgehen.

Eine davon betrifft das Areal an der Bahnhofsstraße, auf dem seit dem Abriss der maroden Stadtbibliothek im Jahr 2000 eine Fläche von 3600 Quadratmetern brachliegt. Dort soll ab Sommer oder Herbst des nächsten Jahres ein Gebäudeensemble errichtet werden, bestehend aus Einzelhandel, Gastronomie, Wohnungen und Büros.

Die Bauzeit wird auf 15 bis 18 Monate geschätzt, 14 Millionen Euro sind als Investition für das Projekt geplant. Die zu bebauende Fläche ist zentral gelegen und gewissermaßen der Eingang zur Herrenberger Innenstadt – umso wichtiger ist es daher, dass dieser attraktiv und ansprechend gestaltet wird.

Auch sonst warten in Herrenberg noch einige Flächen darauf, bebaut und nutzbar gemacht zu werden, wie das Baywa-Areal und das Seeländer-Areal. Bei Letzterem ist immerhin ein Projekt für ein neues Wohn- und Geschäftshaus in der Planung, nächstes Jahr sollen die Bauarbeiten beginnen. In den nächsten 10 bis 15 Jahren sollen insgesamt 32 Bauprojekte allein für die Entwicklung der Innenstadt umgesetzt werden. Oberbürgermeister Thomas Sprißer verfolgt damit das Ziel, eine durchmischte und attraktive Innenstadt zu entwickeln.


Böblingen baut und saniert

 

Böblingen muss mehr Wohnraum schaffen. Quelle: © GordonGrand – 140135690 / Fotolia.com

In den vergangenen Jahren wurden die Stimmen nach bezahlbarem Wohnraum in Böblingen immer lauter. Im vergangenen Jahr stand eine Warteliste mit 500 Interessenten einer Planung von zehn Wohnungen mit einer abgesenkten Miete gegenüber. Sozialwohnungen, die neu gebaut werden, sind ebenfalls schnell vergeben. Das Problem dabei ist aber, dass die Grundstücke und Wohnungshäuser eine gewisse Größe haben müssen, damit die Bauträger wenigstens ungefähr auf ihre Kosten kommen.

 

Das Problem mit dem Wohnungsmangel in Böblingen ist deswegen so akut, weil es dort immer mehr Haushalte gibt, in denen im Durchschnitt immer weniger Personen zusammenleben. Längst schon handelt es sich vor allem um Zwei-Personen-Haushalte und Single-Haushalte.

Einige dieser Haushalte haben einen Anspruch auf eine Sozialwohnung. Die sind jedoch Mangelware, nicht zuletzt auch deswegen, weil die Asylsuchenden ebenfalls eine Bleibe benötigen.

Ein Lösungsansatz des Wohnraumproblems ist die Fertigstellung des City Quartiers, die in diesem Herbst erfolgen soll. Die fünfgeschossigen Gebäude ist für Wohnungen und Geschäftsräume konzipiert und steht auf dem letzten freien Grundstück der Innenstadt, also im Zentrum Böblingens. Somit haben die Anwohner und ansässigen Unternehmen einen direkten Zugang zur Innenstadt, was das City Quartier besonders attraktiv macht.

Insgesamt sind es vier Gebäudekomplexe, die dazu gehören. In drei davon sind 59 Eigentums- und 16 Mietwohnungen vorgesehen, jeweils Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen. Der übrige Platz ist als Gewerbefläche für Büros, Praxen und Läden geplant. 250 Menschen sollen dort wohnen und arbeiten. Für das Projekt wurden rund 30 Millionen Euro investiert.

Durch ein ausgelaufenes Förderprogramm hat die Stadt Böblingen vor mittlerweile zwei Jahren Gelder erhalten, die postwendend für die Sanierung zweier Straßen investiert wurden, nämlich die Straße Schlossberg sowie die Turmstraße. Für knapp eine halbe Million Euro sollen künftig Bäume, Bänke und Pflastersteine für ein ansprechenderes Bild sorgen.

Nachdem 2005 ein Großprojekt scheiterte, scheinen solche kleineren Baumaßnahmen deutlich erfolgsversprechender zu sein. So auch die Sanierungsmaßnahmen die Nebenstraßen und Plätze hinter der Fußgängerzone, damit Cafés und Restaurants wieder verstärkt Gäste anlocken. Seit Dezember 2015 sind die heruntergekommenen und verlassenen Ecken der Stadt wieder ansehnlich und tragen zur Attraktivität Böblingens bei.