Wie verhalte ich mich bei Auto-Unfällen korrekt?

Immer wieder passiert es, dass zwei Autofahrerinnen oder Autofahrer gemeinsam in einem Unfall verwickelt sind. Doch das richtige Verhalten in diesem Fall ist gar nicht so einfach: Zusätzlich zu der Tatsache, dass viele Verkehrsteilnehmer nicht zweifelsfrei wissen, wie sie sich überhaupt einwandfrei verhalten sollten, kommt ein hoher unfallverursachter Adrenalinspiegel, der eine kühle, selbstkontrollierte Verhaltensweise erheblich beschwert.

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Autorin: Linda Heid

Artikel vom 16. November 2017 - 15:28

Schon aus diesen Gründen ist es wichtig, ein juristisch und moralisch einwandfreies Unfallverhalten nahezu schlafend zu kennen. Dieser Artikel liefert Ratschläge und Tipps, wie ein richtiges Verhalten im Fall des Falles aussieht.


Aktuelle Zahlen zu Verkehrsunfällen in Deutschland

Wie relevant ist dieses Thema derzeit überhaupt? Um diese Frage zu beantworten, muss man sich selbstverständlich verlässliche Zahlen zum Thema beschaffen. Dabei dient hier das Statistische Bundesamt als Quelle. Dabei liefert das Bundesamt Zahlen zu den Straßenverkehrsunfällen des Jahres 2016. Als Straßenverkehrsunfall definiert das Amt hierbei „Unfälle, bei denen infolge des Fahrverkehrs auf öffentlichen Wegen und Plätzen Personen getötet oder verletzt wurden oder Sachschaden entstanden ist.“

Die Zahlen belegen einwandfrei, dass die Zahl der Verkehrstoten im Jahr 2016 sich auf einem historischen Tiefststand bewegt. Diese Tatsache ist vermutlich auf eine ganze Reihe von Ursachen zurückzuführen, bei denen etwa die zunehmende Verkehrssicherheit der meisten Fahrzeuge eine Rolle spielen dürfte. Nichtsdestotrotz ist der Faktor Zufall hier nicht zu vernachlässigen. Denn die Zahl der Verkehrsunfälle an sich hat einen neuen Höchststand erreicht. Während knapp über 3200 Menschen bei Verkehrsunfällen im Jahre 2016 gestorben sind, haben sich ganze 2,6 Millionen Verkehrsunfälle geeignet. Dabei ist zu beachten, dass es sich hierbei lediglich um polizeilich erfasste Verkehrsunfälle handelt – mit der addierten Dunkelziffer dürfte die Zahl noch etwas höher liegen.


Die Pflicht, Erste Hilfe zu leisten

Sollte man als Beteiligter bei einem Autounfall im Stande sein, dem anderen Unfallbeteiligten Erste Hilfe zu leisten, so handelt es sich hierbei um eine Pflicht. § 323 c Abs. 1  im StGB ist diesbezüglich klar und deutlich:

(1) Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

Sollte man selbst also nahezu unverletzt sein, der andere Verkehrsteilnehmer allerdings nicht, besteht hier die juristische Pflicht zur Hilfeleistung. Natürlich besitzt das Thema auch eine ethische Dimension, die in die gleiche Richtung geht. Die Verpflichtung besagt übrigens nicht, dass man in jedem Fall alle Maßnahmen der Ersten Hilfe zu leisten hat. Manche davon können durchaus die eigenen Grenzen überschreiten. Das Herbeirufen eines Krankenwagens wird allerdings vorausgesetzt.


Polizei zu Rate ziehen!

In jedem Fall sollte man nach der Absicherung der Unfallstelle und eventuellen Hilfsmaßnahmen bei einer Konsenssituation mit dem anderen Unfallbeteiligten die Polizei heranziehen. Dies ist ratsam, um eventuelle Konflikte mit der Versicherung zu verhindern, da diese in aller Regel einen offiziellen Unfallbericht verlangt. Dieser Umstand kann dafür sorgen, dass die Versicherung ihre Leistungen im konkreten Fall drosselt. Lediglich bei Schäden, die über einen sehr geringen Sachwert nicht hinausgehen, ist es nicht unbedingt nötig, die Polizei heranzuziehen.

Hat man einen Unfall mit einem parkenden Fahrzeug, sollte man wenigstens dreißig Minuten warten, bis man den Unfallort verlässt, sodass der Geschädigte den Verursacher eventuell noch antreffen kann. Ansonsten sollte man die eigenen Kontaktdaten am Fahrzeug hinterlassen und die Polizei über den Unfall informieren.

Die Polizei sorgt für den offiziellen Bericht, der nicht nur die Unfallschilderungen der Beteiligten enthält. Indem sie beispielsweise die beteiligten Fahrzeuge und die Schäden fotografieren, sorgen sie für etwaige Auseinandersetzungen vor Gericht für die nötigen Beweise. In der Regel dokumentieren sie auch Bremsspuren und rekonstruieren den Unfallhergang.

Wer übrigens bei geringeren Sachschäden sichergehen will, sollte die Polizei rufen, obwohl es nicht notwendig ist. Gerade dann, wenn die Unfallberichte der Unfallbeteiligten weit auseinandergehen, ist es wichtig, eine objektive Stelle zur Verfügung zu haben, der die Wogen entsprechend glättet.


Angemessenes Verhalten gegenüber der anderen Partei

Unmittelbar nach einem Unfall sollte man zunächst die Ruhe bewahren – auch dann, wenn es schwerfällt. Definitiv muss man von Beleidigungen aller Art absehen, die zu einer Erfüllung des Straftatbestandes § 185 StGB führen könnten:

Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Beleidigung mittels einer Tätlichkeit begangen wird, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Es zeigt sich also, dass dieser Straftatbestand, der bei einem guten Teil von Unfällen durchaus erfüllt wird, zusätzlich zu dem Ärger mit dem Unfall noch weiteres, dieses Mal definitiv juristisch relevantes Ungemach verursachen kann.

Es empfiehlt sich, mit einem ruhigen, sachlichen und neutralen Verhalten aufzutreten. Das Gegenteil eines vermeintlich überlegenen Verhaltens, nämlich das unnötige Schuldeingeständnis gegenüber der anderen Partei ist übrigens auch nicht empfehlenswert.

Tut man es doch, hat man gleich aus mehreren Gründen das Nachsehen. Derartige Schuldbekenntnisse haben nämlich meistens vor Gericht keinerlei Wert, werden aber von den Versicherungen gern als Grund angegeben, den Versicherungsschutz zu verweigern. Daher ist es selbst dann, wenn man zu hundert Prozent überzeugt ist, an einem Unfall Schuld zu sein, keine gute Idee, ein Schuldbekenntnis abzugeben.

Sollte ein Unfallgegner ein derartiges Bekenntnis einfordern, sollte man ihn darauf hinweisen, dass er keinerlei Recht auf dessen Einfordern hat. Der Grund dafür liegt praktisch auf der Hand: Kurz nach dem Unfall steht man in aller Regel unter Schock und ist noch nicht im Stande, die Situation objektiv einzuschätzen. Hinzu kommt, dass selbst ohne Schockzustand womöglich Verkehrszeichen oder Vorfahrtregelungen übersehen wurden, die bei der Klärung der Schuldfrage von Bedeutung sein können.


Die Schuldfrage klären

Um die Schuldfrage zu klären, sollte man auch dann, wenn die Polizei hinzugezogen wird, mit dem Unfallgegner gemeinsam einen Unfallbericht erstellen. Wird dies zunächst ohne die Polizei erledigt, sollte der Bericht unbedingt neutral und sachlich im Tonfall sein. Auch Fotos sollte man von den Schäden für den eigenen Bedarf anfertigen.

Die Schuldfrage ist deshalb so wichtig, weil sie für die Versicherung zentral ist – was auch der Grund ist, weshalb man die Polizei hinzuziehen sollte. Denn ist die Schuldfrage eindeutig geklärt, muss die Kfz-Haftpflichtversicherung des Verursachers die Kosten für die Schäden, die am Fahrzeug der anderen Partei entstanden sind, übernehmen.

Wenn die Schuldfrage allerdings nicht geklärt werden kann, entstehen sowohl für den Geschädigten als auch für den Verursacher Probleme. Denn die Versicherer können die Zahlung so lange verweigern, bis die Schuldfrage eindeutig geklärt ist. Zwar können sie untereinander einen Vergleich aushandeln, sodass beiden Parteien als teilschuldig eingestuft werden. Dennoch dürfte diese Lösung für viele Menschen ziemlich unbefriedigend sein.

In diesem Fall bleibt nichts übrig, außer den juristischen Weg zu gehen. Wer viel mit dem Auto unterwegs ist, sollte den Abschluss eines zusätzlichen Schutzes in Betracht ziehen. Die KFZ Rechtsschutzversicherung deckt die verschiedensten Leistungen in diesem Bereich ab. Verfügt man allerdings nicht über eine entsprechend spezifische Versicherung, kann dies schnell sehr teuer werden.


Warum der juristische Weg sinnvoll sein kann

Es gibt allerdings verschiedene Gründe, aus denen das Wählen des juristischen Weges ohnehin vorteilhaft sein kann. Denn unter Umständen kann dann ein höherer Schadensersatz anstehen, als an Regulierung normalerweise herauszuholen wäre. Auch Schmerzensgeld, das dem Geschädigten nach einem Unfall unter Umständen zusteht, kann durch einen Anwalt besser durchgesetzt werden.

Fehler vermeiden!

Auf jeden Fall sollte man einige große Fehler vermeiden, die an sich leicht vermieden werden können. Diese sind an sich selbsterklärend, sollen aber hier warnend aufgezählt werden. Einer der größten und leider auch häufigsten Fehler ist es, die Schäden am Wagen ohne Rücksprache mit der Versicherung reparieren zu lassen. So verwehrt man dem Versicherer die Möglichkeit, ein unabhängiges Gutachten erstellen zu lassen. Auf jeden Fall sollte man falsche Angaben bei der Schadensmeldung unterlassen, da man sich hiermit strafbar machen würde. Zeitverlust ist auch kritisch: Meldet man den Unfall nicht oder mit Verspätung, kann die Versicherung die Übernahme des Schadens ablehnen.