Auf Augenhöhe mit den Honigbienen

Robert Löffler aus Weil im Schönbuch hat sich als Berufsimker selbstständig gemacht - Kindergartenkinder aus Schönaich haben ihn besucht.

  • img
    Robert Löffler mit seiner Bienenfarm

Autor: Martin Müller

Artikel vom 26. September 2017 - 11:50

WEIL IM SCHÖNBUCH. Berufsimker gibt es gar nicht mehr viele. Im Landkreis Böblingen ist Robert Löffler der einzige, der die Imkerei nicht als Hobby oder im Nebenerwerb betreibt. Er will ausschließlich von den Erzeugnissen seiner Honigbienen leben. "Die Imkerei ist mein Ein und Alles", sagt der Weilemer, "und es war der richtige Schritt, dass ich mich jetzt ganz auf meine Bienen konzentriere." 50, 60 Völker hat er schon immer, seit seinem 21. Lebensjahr, betreut. Inzwischen ist er 51 und hat nun 130 Völker in die Obhut seiner Schönbuchimkerei genommen. Doch es sollen noch ein paar mehr werden, damit der Businessplan auch funktioniert: "Das Ziel sind 200 Völker."

Im nächsten Jahr schon hofft er so weit zu sein. Seine Bienenstöcke hat er rund herum und mitten drin im Schönbuch verteilt - von Pliezhausen über Einsiedel bis Hagelloch und, na klar, Weil im Schönbuch. Nicht überall arbeiten die fleißigen Honigbienen freilich gleich schnell: Zwischen seinen Bienenvölkern im nördlichen und südlichen Schönbuch können zwei Wochen Zeitversatz bei der Honigproduktion liegen. Und das ist auch gut so. "Das hilft mir, Arbeitsspitzen zu vermeiden." Denn vorerst schafft Löffler alles im Ein-Mann-Betrieb. Geht alles glatt und kommt er gut über die ersten Jahre, kann er sich freilich auch vorstellen, einmal einen Azubi anzuheuern. Denn als Meister seines Fachs darf Robert Löffler auch als Ausbildungsbetrieb agieren.

"Das, was die Bienen benötigen zum Leben, und das, was der Imker für sich braucht, muss im Einklang stehen", gibt der Weilemer sein Berufsethos preis: "Schließlich sind das ja meine Mitarbeiterinnen, die muss ich auch gut pflegen." Zwölferlei Honigsorten hat der Berufsimker im Programm, darunter Erlesenheiten wie den sortenreinen Brombeerhonig oder den reinen Kirschblütenhonig. Aber auch der Schönbuch-Waldhonig macht dem Namen der Schönbuchimkerei alle Ehren.

"30 bis 40 Kilogramm Honig pro Volk und Jahr sollten drin liegen", sagt der 51-Jährige. Das gibt bei 200 Völkern nach Adam Reise eine Ausbeute von gut und gerne 8000 Kilogramm des bernsteinfarbenen Brotaufstrichs. Damit nicht genug, luchst Robert Löffler den fleißigen Bienchen aber auch überschüssige Blütenpollen ab: Die kann er auf den Markt bringen zum Beispiel als Nahrungsergänzungsmittel für Muskelprotze. Aber auch Menschen, die auf Blütenpollen allergisch reagieren, können unter Betreuung eines Arztes oder Heilpraktikers ein bis zwei Monate vor der Blütenzeit mit den entsprechenden Pollen immunisiert werden. "Das kann umso erfolgversprechender sein, wenn die Pollen aus der Region stammen, in der auch der Allergiker lebt", weiß Löffler.
 

Auch als Fachbuchautor und Referent ein viel gefragter Mann

Auch Seifen oder selbst gemachten Met, den Honigwein, gibt es bei der Schönbuchimkerei in der Wolfsgrube zu beziehen. Der Vertrieb läuft über das Projekt Plenum Heckengäu des Landes Baden-Württemberg zur Erhaltung und Entwicklung von Natur und Umwelt mit der daran angeschlossenen Regionalmarke "Heimat-Nichts-schmeckt-näher". Und so können die Produkte der Schönbuchimkerei inzwischen auch in den CAP- und Edeka-Märkte der Region erworben werden: "Der Betriebsplan steht", steckt Löffler voller Zuversicht.

Auch als Fachbuchautor und Vorsitzender der Arbeitsgruppe der Magazinimker - eines eingetragenen Vereins mit Sitz in Weil im Schönbuch - ist Löffler ein viel gefragter Mann: Einladungen zu Vorträgen bis nach Österreich oder Mitteldeutschland liegen vor. 2015 hat er im Selbstverlag ein Standardwerk publiziert, das helfen soll, die betriebswirtschaftlichen Abläufe in der Imkerei zu vereinfachen; denn 58 kaufbare, aber nicht miteinander kombinierbare Systeme sind im Umlauf. Durch die Optimierung und Standardisierung von Geräten des Imkereibedarfs sollen die Prozesse beschleunigt werden - ohne dass es zu ärgerlichen Unpässlichkeiten kommt, wenn zum Beispiel die verwendeten Honigwabenrahmen nicht in die bestellte Honigschleuder hineinpassen. Optimierungen, die Löffler nun auch im eigenen Betrieb fruchtbar machen kann.

Was ein Imker so alles können und wissen muss, das hat Robert Löffler am Montag Ferienkindern vom Kindergarten Finkenweg aus Schönaich in aller Ausführlichkeit erklärt. Für die Kinder war es der krönende Abschluss mehrerer Projektwochen rund um die Honigbiene; und für Imker Löffler bereits die vierte Führung dieser Art, die er in diesem Jahr angeboten hat. Denn auch Schulungen hat er im Betriebsprogramm.
 

Ferienkinder aus Schönaich schauen den Bienen in die Puppenstube

Von der Weiler Wolfsgrube, wo der Imker zuhause ist, geht's im halbstündigen, gemütlichen Spaziergang hinaus zur Osterhalde. Dort, am südexponierten Sonnenhang zwischen der Dettenhäuser Straße und der Trasse der Schönbuchbahn, hat Robert Löffler nicht nur 25 Bienenvölker stehen, sondern auch einen Schaubienenstand. An Ort und Stelle erläutert er den Dreikäsehochs, was die fleißigen Bienen so alles leisten, zeigt, wie sie ihre Wachsrahmen und Waben bauen, welches die Königin ist, die die Eier legt, und wie sich die Brut vom Ei über die Larve und Puppe zur fertigen Biene entwickelt. Die Kinder kleben mit den Nasen an der Scheibe des Schaubienenstandes, sind mit den Bienen auf Augenhöhe und halten den Atem an.

Der vorwitzige Valentino ist dann plötzlich ganz aus dem Häuschen, als er ruft: "Schau mal, da ist ja 'ne Ritterrüstung!" Und weit daneben liegt er mit dieser Annahme gar nicht einmal. Beim weißen Kleidungsstück mit dem vergitterten Sichtfenster vor dem Gesicht handelt es sich um einen Stichschutzanzug. Den zieht der Imker immer dann über, wenn er sich an den Bienenmagazinen zu schaffen macht, Pollen oder Honig entnimmt.

Oft gestochen wird er aber trotzdem, "zigmal" im Jahr. "Das macht mit aber gar nichts aus." Und dann vertraut er den Kindern noch ein Geheimnis an: "Nur vor einem hab ich eine Höllenangst: Wenn ich beim Arzt bin und eine Spitze kriegen soll." Letzte Woche war's so weit. Da hat sich der Berufsimker gegen Zecken impfen lassen. Und war heilfroh, als er's hinter sich hatte.