Pendeln macht krank

AOK: Lange Fahrtzeiten zur Arbeit erhöhen das Risiko für Stress und Erkrankung

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    Alltägliches Bild - Stau auf der B 464 bei Holzgerlingen. Foto: Bischof/Archiv

Artikel vom 26. Januar 2018 - 17:00

KREIS BÖBLINGEN (red). Arbeits- und Wohnort driften immer weiter auseinander, wie eine Auswertung des Bundesamts für Bevölkerungsentwicklung zeigt. "Doch gerade die Distanz ist ein entscheidender Faktor, wenn es um die Auswirkungen des Pendelns auf die Gesundheit geht", erklärt Diplom-Psychologe Henry Markus von der AOK Stuttgart-Böblingen in einer Pressemitteilung.

Rund 80 000 Menschen, die in einem anderen Kreis wohnen, pendelten laut Statistischen Landesamt im Jahr 2015 in den Landkreis Böblingen ein - Tendenz weiter steigend. Aber diese Mobilität hat seinen Preis: Beschäftige, die 30 Minuten und länger von zu Hause bis zur Arbeit brauchen, empfinden das Pendeln häufiger als Belastung als Arbeitnehmer mit kürzeren Wegen. Das geht aus einer aktuellen von der AOK in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage hervor. 505 Erwerbstätige ab 18 Jahren in Baden-Württemberg wurden hierzu befragt.

AOK-Experte Markus: "Uns interessierte, wie viel Zeit die Menschen brauchen, um von zu Hause an den Arbeitsplatz zu kommen und wie sehr sie sich dadurch belastet fühlen". Danach fühlt sich fast jeder fünfte befragte Erwerbstätige (17 Prozent) durch den Arbeitsweg stark belastet, 21 Prozent fühlen sich durch den Zeitaufwand, den er oder sie in den Arbeitsweg investieren muss, im Freizeitverhalten stark eingeschränkt. "Es bleibt weniger Zeit für Sport oder Hobbies. Aber auch Familie und Freunde kommen wegen des Arbeitsweges oft zu kurz", erklärt Markus.

Ein Zusammenhang besteht außerdem zwischen der Länge der Pendelstrecke bzw. -zeit und der Anzahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen. Viele leiden unter typischen Stress-Symptomen wie Nervosität, Herzrasen oder Schweißausbrüche. Aber auch Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen sowie Müdigkeit sind häufige Beschwerdekomplexe. Besonders negative Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden hat Mobilität, wenn sie als Zwang empfunden wird - etwa, um womöglich drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden, heißt es weiter. Henry Markus: "Wer dem Pendeln positive Seiten abgewinnen kann und den Weg zur Arbeit als selbstbestimmt empfindet, fühlt sich deutlich weniger belastet als jemand, der nur mit Widerwillen pendelt".

Deshalb sei es wichtig, den Alltag gut zu organisieren - vor allem, wenn man Beruf, Hobby und Familie unter einen Hut kriegen will. Neben einer guten Organisation sei es aber ganz wesentlich, mit Stress umgehen zu können - und das sei erlernbar, erklärt der Diplom-Psychologe, denn: Mit dem AOK-Präventionsprogramm "Lebe Balance" könne jeder seine psychische Gesundheit und Widerstandsfähigkeit stärken.