Mehr als Rehragout und Wildschweinbraten

Der Schönaicher Jäger, Garten-, Forst- und Landschaftsgestalter Alfred E. Haas fordert mehr Respekt für den Lebensraum Wald

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    Vielleicht einer der schönsten Arbeitsplätze im Landkreis: ein Hochsitz im Schönbuch Fotos: Sabine Ellwanger

Die Jagdzeit hat begonnen. So geruhsam und beschaulich wie einst geht es heute allerdings im Wald nicht mehr zu. Erhöhte Aufmerksamkeit ist angesagt, darauf weist Alfred E. Haas als engagierter Jäger immer wieder hin. Und zwar für die Jäger einerseits, aber auch für die vielen Nutzer und Besucher der grünen Reviere.

Artikel vom 13. Oktober 2017 - 18:18

Von Sabine Ellwanger

SCHÖNAICH. Ja, im Wald ist richtig was los. Fahrradfahrer, Hundebesitzer, Walker und Jogger, Geo-Cacher und aktuell auch Pilzsammler durchstreifen das Gelände. "Zum Problem wird das vor allem, wenn die Leute den Wald nicht als wichtigen Lebensraum respektieren. Wenn er mehr der Unterhaltung, als Spielplatz und dem Sport dient, als der Erholung", mahnt Haas, sich ruhig zu verhalten, auf den Wegen zu bleiben und das Wild nicht zu stören.

Ein anderes Ärgernis sind in seinen Augen die zahlreichen, von Borkenkäfern befallenen Fichten. "Wenn die Waldbesitzer nichts dagegen unternehmen und diese Bäume nicht entfernen, werden viele weitere Fichten in den nächsten Jahren absterben", prognostiziert der Forst- und Gartenbau-Fachmann, dessen Sieben-Mann-Betrieb von der Garten-Neuanlage über komplizierte Baumfällungen bis hin zur Pflege bestehender Gärten ganzjährig ein breites Aufgabenfeld bewältigt.

Wer mit ihm auf Tour durch sein 330 Hektar großes Revier zwischen Schönaich und Steinenbronn unterwegs ist, sieht, was im Wald nicht in Ordnung ist: Eine ordentliche Anzahl toter Fichten, achtlos weggeworfener Müll, Hundebesitzer, die trotz Verbots mit dem Auto bis an den Wald fahren, um dort ihre Hunde springen zu lassen - das sind nur einige von vielen Beispielen. Die Folge: Das Wild beginnt zu wandern.

"Schäden außerhalb des Waldes sind oft der Unruhe geschuldet", wirbt Haas für mehr Verständnis. Er sieht die Jagd als "Handwerk und Aufgabe". "Wir Jäger versuchen, durch gute Jagdwirtschaft natürlich auch Wildbret in Spitzenqualität zu liefern", sagt er. Wildschwein und Reh aus seinem Revier gebe es zum Beispiel in der gehobenen Gastronomie wie im Böblinger Restaurant Reussenstein, natürlich von eigens zertifizierten Metzgern versorgt und gut abgehangen.

Er selbst ist meist zweimal täglich in Feld und Flur unterwegs, denn zu tun ist immer vieles. Als Inhaber der gleichnamigen Garten, Forst- und Landschaftsbaufirma verfügt Alfred E. Haas über das notwendige Equipment, um Wege von hohem Gras zu befreien und zu mulchen, lose Äste oder krankes Holz sicherheitshalber zu entfernen, Neuanpflanzungen fachmännisch einzubringen und zu schützen. Das Know-how des vielseitig aufgestellten Fachbetriebs kommt ihm in vielerlei Hinsicht zugute, wenn es um die Pflege des "Wohnzimmers fürs Wild" geht.

Den Bestand hat der 53-Jährige, der seit 29 Jahren Jäger ist und dem Ökologischen Jagdverein ÖJV angehört, gut unter Kontrolle. Wie? Einerseits durch Beobachtungsposten wie Hochstände an verschiedenen Wiesen, den Wildäckern für Rehe, die hier leckere Kräuter und vieles mehr finden. Um andererseits die grunzenden Schwarzkittel im Blick zu behalten, geht er anders vor. Raffinierter. Wie lockt man Genießer? Richtig, man deckt den Tisch mit feinem Futter, das funktioniert wie bei den Zweibeinern auch.

Auf den "Teller" kommt feiner Mais, drumherum ist der ideale Platz für eine gemütliche Suhle. Kein Grund mehr für die Wildschweinrotte also, dieses schöne "Wohnzimmer" zu verlassen. "Diese Kirrungen richten wir ein, um die Tiere abzulenken von anderen Futterquellen, und um somit Schäden zu vermeiden", erklärt Haas. Der Mahlbaum ist der Gipfel des Wohlbefindens in der Schwarzkittel-Stube: Ein mit Buchenholzteer bestrichener Stamm, an dem Sau und Eber sich den Rücken kratzen und ihre Duftmarken hinterlassen können. Die Spuren zeigen, hier war in der Nacht zuvor mächtig was los. Ja, sagt Haas, grinst, und weist auf eine unauffällig angebrachte Wildkamera: "Kann ich nachprüfen. Die Aufzeichnungen liefern Infos über krankes und schussreifes Wild. Oder über Waschbären, Radfahrer, Pilzsammler oder sogar Jagdkollegen."

Das alles interessiert die Tiere nicht. Sie suchen und buddeln, richtig tief. Nach Eicheln, Trüffeln, Engerlingen, Käfern und leider oft auch nach Äpfeln, die es in diesem Jahr kaum gibt. Und wenn man schon ein so schönes Dreckloch gegraben hat, dann legt man sich auch gleich rein und macht sich's gemütlich im eigenen Habitat, wie der Waldbesucher hinterher leicht erkennen kann.

Um mehr Verständnis für die Zusammenhänge, die Jagd und für den Lebensraum Wald zu wecken, lädt der Forst- und Gartenfachmann Interessierte ein, ihn gerne mal zu begleiten und die richtige, zeitgemäße Jagd mit all ihren Facetten kennen zu lernen. Schon eine gemeinsame Tour durch den Forst macht klar: Es geht um viel mehr als "nur" ums Jagen.