"Ich würde alles wieder genauso machen!"

Fleischer-Innung Böblingen verleiht Paul Lipp den Goldenen Meisterbrief

  • img
    Nachts um vier Uhr holt die Metzgerei Lipp "ihre" noch warmen Schweinehälften vom Gärtringer Schlachthof. "Das gibt die beste Wurst", sagt Seniorchef Paul Lipp Foto: Sabine Ellwanger

Artikel vom 13. Oktober 2017 - 18:18

Von Sabine Ellwanger

MAICHINGEN/KREIS BÖBLINGEN. Er schafft auch nach 60 Jahren im Beruf noch täglich im Betrieb mit. "Wenn auch nur noch sechs bis acht Stunden und nicht mehr bis zu 14", lächelt Paul Lipp. Bei der Lossprechungs- und Familienfeier der Fleischer-Innung in Maichingen bekam der 74-Jährige Gründer der Metzgerei Lipp den Goldenen Meisterbrief verliehen.

"Ich würde alles wieder genauso machen", blickt Paul Lipp auf sein Berufsleben zurück - aufs bisherige, denn davon, die Metzgerschürze an den Nagel zu hängen, ist nicht die Rede. Zwar stehen heute Tochter Birgit Lipp-Knote und Schwiegersohn Josef Klaußner als Meistergespann im Betrieb in der ersten Reihe, aber der Seniorchef mischt tatkräftig mit und weiß, was läuft. Während des Interviews geht gerade eine große Lieferung ins Wasen-Festzelt Klauss und Klauss. Kurzum, es herrscht Hochbetrieb, auch wenn der Verkauf in der Sindelfinger Straße 5 in Maichingen wegen Personalmangels aktuell zum Erliegen gekommen ist. "Wir sind aber mit dem Erfolg im Frischemarkt Vietz überaus zufrieden", lässt Lipp keine Zweifel aufkommen. Man hat es schließlich seit 1969 immer geschafft, auf der Erfolgsstraße zu bleiben.

Damals machte sich Paul Lipp, der aus dem Allgäu ins Schwäbische kam, in Ötisheim im Enzkreis selbständig. Nach fünf Jahren, dort in Pacht, kaufte er 1974 im Sindelfinger Eichholz ein Anwesen mit Metzgereiproduktion und Laden. Auch die Geschäfte im Verkaufswagen bei der Hertie-Passage in Böblingen und die Filiale am Goldberg florierten seinerzeit. Bis im Eichholz die Nachfrage zurückging. Darauf reagierte Lipp - und verlagerte den Verkauf in den neu eröffneten Frischemarkt Vietz nach Maichingen. Die Produktion zog 2014 ebenfalls nach Maichingen, was sich ganz offensichtlich als richtiger Schritt erwies.

Vieles hat sich in den Jahrzehnten der Selbständigkeit verändert. "Früher hatten wir mal sieben Lehrlinge gleichzeitig, drei Metzger und vier im Verkauf", erinnert sich der Handwerksmeister, der von 1957 bis 1960 seine Lehre und vor 50 Jahren in Stuttgart seinen Meister gemacht hat. Auch in punkto Zubereitung ist längst nicht mehr alles beim Alten: "Die Vielfalt der Gewürze für Steaks und Braten, die zahlreichen bratfertigen Angebote im Verkauf - dahinter steckt eine arbeitsaufwändige und lohnintensive Vorbereitung." Ebenso habe sich das Sortiment um zig Wurstsorten erweitert. "Aber unsere Philosophie ist in all den Jahren die gleiche geblieben: Wir kaufen Tiere aus ländlicher, regionaler Aufzucht. Das behalten wir auch bei, das ist unsere Stärke!"

Um diese Qualitäts-Nahversorgung sicher zu stellen, engagierte sich Paul Lipp, von 1994 bis 2011 Obermeister seiner Zunft, für die Planung und Realisierung des neuen Schlachthofs in Gärtringen. Von dort holen seine Metzger bis heute einmal wöchentlich nachts um vier Schweinehälften, um das schlachtwarme Fleisch zu verschiedenen Wurstsorten zu verarbeiten. "Das wie selbst geschlachtete, noch warme Fleisch ist der beste Geschmacksträger. Auch Bindung und Konsistenz sind besser", weiß er aus langer Erfahrung im Beruf.

"Metzger. Ja, ich würds gleich wieder machen. Und ich habe Glück gehabt, dass ich mich hier angesiedelt habe. Hier fühle ich mich wohl!" Zugleich lässt er keinen Zweifel daran, dass Ehefrau Elfriede daran großen Anteil hat: "Sie hat uns beim Aufbau wesentlich unterstützt und sehr viel geleistet." Auch dass Tochter Birgit als Meisterin und die Töchter Monika und Bettina heute ebenfalls im Betrieb anpacken, ist ein großer Baustein zur persönlichen Zufriedenheit.

Im Rahmen der Lossprechungsfeier der Fleischer-Innung erhielten Max Wörner (Fleischer, Metzgerei Wörner) und Natascha Schweizer (Verkäuferin, Metzgerei Geiser) ihre Gesellenbriefe. Geehrt wurden für zehn Jahre im Beruf: Margarita Kösling und Teresa Soares-Pinto (beide Metzgerei Kegreiß), Petra Läßle (Metzgerei Lipp), Galina Daungauer, Joachim Michael Knobel, Carmen Reinstorf (alle Metzgerei Heinkele). Für 15 Jahre geehrt wurden Taisija Bondar und Nelli Weichel, für 20 Jahre Maria Bernardino Mendes dos Santos (alle drei Metzgerei Heinkele).