Trump-Land

Kommentar

Artikel vom 12. Oktober 2017 - 16:54

Von Michael Stierle

Armes Amerika. Was ist nur aus diesem großartigen Land der unbegrenzten Möglichkeiten geworden, seitdem Donald Trump als 45. Präsident an seiner Spitze steht. Ein selbstverliebter, impulsiver 71-Jähriger, der jeden Tag aufs Neue für Kopfschütteln rund um den Erdball sorgt. Der protestierende Footballer als "Hurensöhne" beschimpft, weil sie beim Abspielen der Nationalhymne knien, um damit gegen die ihrer Ansicht nach grassierende soziale Ungerechtigkeit und Polizeigewalt gegen Schwarze zu protestieren. Der von LeBron James, dem wohl populärsten NBA-Basketballer, im Gegenzug als "Penner" bezeichnet wird. Der seinen Außenminister Rex Tillerson in aller Öffentlichkeit zum IQ-Test herausfordert, weil der ihn intern als "Trottel" beschimpft haben soll. Wer nicht für Trump ist, ist sein Feind. Der US-Präsident spaltet die Nation immer mehr, seine Rhetorik ist plump und brachial, der Umgangston eines Präsidenten unwürdig. Wenn die Themen nicht so ernst wären, könnte man darüber lachen. Oder müsste sich fremdschämen.

Dass er seine politischen Botschaften über einen Kurznachrichtendienst unter die Leute bringt? Geschenkt, man hat sich an den täglichen Unsinn, für den 140 Zeichen völlig ausreichen, fast gewöhnt. Dass er das Pariser Klimaabkommen kündigt, obwohl gerade erst der Hurrikan "Irma" für gewaltige Verwüstungen und mindestens 61 Opfer in den USA und der Karibik sorgte? Mit dem normalen Menschenverstand nicht zu begreifen. Dass er im Atomstreit mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un den Finger fast schon am Abzug hat? Man bekommt unweigerlich Angst, ob nicht der Dritte Weltkrieg ausgelöst wird. Dass er Muslime aus Syrien, Libyen, Iran, Somalia, dem Sudan und aus Jemen nicht mehr ins Land lassen will? Betrifft uns ja nicht.

Oder doch? Hamide Zarifian-Arnold muss jetzt die Erfahrung machen, dass es gar nicht mehr so einfach ist, in die USA zu reisen. Weil es der gebürtigen Iranerin, die seit 1985 und damit seit 32 Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, nicht gelungen ist, aus der iranischen Staatsbürgerschaft entlassen zu werden. Dadurch steht sie auf der Liste der Nationen, die Trump mit einem Einreiseverbot belegt hat. Dabei möchte sie doch nächstes Jahr in Las Vegas nur an der Senioren-Weltmeisterschaft im Tischtennis teilnehmen. Zusammen mit ihrem Mann ein paar Tage Urlaub dranhängen, so wie das beide in der Vergangenheit schon so oft und problemlos gemacht haben. Nachdem ihr erster Antrag abgelehnt wurde, muss sie persönlich im amerikanischen Konsulat in Frankfurt erscheinen. Ausgang ungewiss.

Ob sie schon daran gedacht hat, die WM 2018 und Las Vegas einfach sausen zu lassen? Den Ort, wo am 1. Oktober 58 Menschen beim Besuch eines Festivals aus einer Hotelsuite heraus mit einem Schnellfeuergewehr erschossen und fast 500 weitere verletzt wurden. Das Motiv des 64-jährigen Amerikaners Stephen Paddock, kein Islamist, ist nach wie vor unklar, die Waffengesetze in Amerika machen solche entsetzliche Taten aber möglich. Vielleicht sollten sich die Arnolds für ihren Urlaub im nächsten Jahr ganz einfach ein friedlicheres und menschenfreundlicheres Ziel aussuchen.

 

 

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