"Ich definiere mich nicht über meine Hautfarbe"

Umfrage zum Film "Black Panther": Wie schätzen Afro-Amerikaner oder Afrikaner im Kreis Böblingen die Bedeutung des ersten Marvel-Blockbusters mit schwarzem Hauptdarsteller und nahezu durchgehend schwarzer Besetzung ein?

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    Eine Szene aus dem Film "Black Panther" mit Cahdwick Boseman (Mitte) in der Titelrolle. Foto: Marvel/Disney Pictures

Artikel vom 15. Februar 2018

KREIS BÖBLINGEN/HOLLYWOOD. Ab heute läuft der Film "Black Panther" im Kino. Die Fachpresse feiert die Comic-Adaption als "bedeutendsten aller bisherigen Marvel-Filme" oder sogar als "wichtigsten Film des Jahres". Der Grund: Erstmals bringt Hollywood einen mehrere hundert Millionen Dollar teuren Blockbuster auf die Leinwand, in dem bis auf wenige Ausnahmen alle Darsteller schwarz sind.

"Na und?", mag man aus europäischer Sicht bei so viel Bedeutungsschwere rund um einen weiteren Sprechblasen-Kinofilm fragen. Ist das heutzutage denn wirklich noch so eine große Sache? Dieselbe Frage hat die Szene-Redaktion Afro-Amerikanern und Afrikanern im Kreis Böblingen gestellt - und dabei sehr unterschiedliche Antworten bekommen.

"Ob dieser Film eine große Sache ist? Aber wie!" sagt Brian McBride aus Böblingen. "Gerade heutzutage ist dieser Film wichtig - mit allem, was das gerade in den USA passiert: Trump und die Ungleichheit", zählt der gebürtige Kalifornier auf. "Wenn ich statt Töchtern Jungs hätte, würde ich den Kinobesuch für sie zur Pflicht machen", sagt der Familienvater, der in "Black Panther" mehr sieht, als nur eine weitere Comic-Verfilmung. Der Film habe so viele Aspekte, darunter das positive Afrikabild, das über die Darstellung des futuristischen Wakanda, dem fiktiven Heimatland der Hauptfigur, vermittelt wird.

Auch die Anschlussfrage der Redaktion beantwortet der ehemalige Baseballspieler bei den Sindelfinger Squirrels. Nämlich, ob er wegen seiner Hautfarbe in Deutschland andere Erfahrungen gemacht hat als in seiner amerikanischen Heimat, die er vor 30 Jahren verlassen hat? Er werde hier durchaus anders angesehen, berichtet McBride, der in seiner Freizeit eigene Hip-Hop-Songs produziert. Trotzdem brauche man als dunkelhäutiger Mann auch in Deutschland manchmal eine dicke Haut. "Aber mit ,Schaffe-Schaffe' verdient man sich hier Respekt", habe er gelernt. "Ich habe ein Haus, habe meine Arbeit als Elektrotechniker und ich sage ,Grüß Gott', wenn mir jemand auf der Straße entgegen geht", erzählt McBride. Statt den für Menschen mit seiner Hautfarbe oft unerreichbaren American Dream lebe er eben den schwäbischen Traum, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Auch der Grafenauer Singer-Songwriter Larry Wright sieht in dem "Black Panther"-Film eine große Sache. "Jetzt kommt ans Licht, was wir geleistet haben", erhofft sich der gebürtige Texaner von dem Film eine späte, aber längst überfällige Würdigung der Rolle Afrikas für die Entwicklung der menschlichen Zivilisation. "Nur die Wahrheit bringt uns weiter und nur die Wahrheit bringt uns zusammen", setzt er letztlich auf Versöhnung und Gemeinsamkeiten zwischen den Kulturen.

"Ich bin eigentlich kein großer Fan. Aber ich komme aus einer Marvel-Familie", erzählt die Sängerin April "Journi" Cook von ihren comic-verrückten Onkels und Cousins. "Ich denke, der Film ist definitiv ein großer Schritt in die richtige Richtung", sagt sie im Gespräch mit der KREISZEITUNG. Man dürfe aber nicht vergessen, dass hinter der ganzen Produktion immer noch Weiße stehen, erinnert die Nachfolgern von Theresa Burnette als Sängerin der Playground-Reihe im Blauen Haus. Außerdem macht sie sich keine Illusionen, dass der Film letztlich doch nur ein Symbol und eine immerhin sehr willkommene Ablenkung vom Leben in den heutigen USA unter Trump sei. "Wir sind aber noch lange nicht am Ziel. Diese Sache geht sehr tief", sagt die gebürtige Südstaatlerin.

Auch sie bezieht Stellung zur Frage, wie es für sie ist, als Afro-Amerikanerin nicht mehr in den USA, sondern in Deutschland zu leben. "Es gibt da definitiv einen Unterschied", stellt die Background-Sängerin von Helene Fischer fest. Wobei sie diesen Unterschied vorrangig auf ihr amerikanerinische Herkunft bezieht. "Ich habe den Eindruck, die Deutschen sind einfach netter zu Amerikanern - sogar netter als zu sich selbst", findet Journi Cook. Ihr sei aber auch klar, dass sie durch ihren Beruf als Sängerin von vornherein anders behandelt und angesehen werde.

Ähnlich sieht das Alvin Mills. Der Bass-Spieler spielt immer wieder mit Journi Cook im Blauen Haus. "Weil ich Künstler bin, haben die Menschen eine andere Wahrnehmung von mir", erklärt der Profi-Musiker. Klar ist für ihn aber auch, dass es ein gewaltiger Unterschied ist, ob er in den USA oder in Deutschland lebt. "Ich bin in Alabama aufgewachsen. Jeder weiß, dass Rassismus in den Südstaaten sehr stark ausgeprägt ist", berichtet auch er von eigenen negativen Erlebnissen.

Aus diesem Grund ist der "Black Panther"-Film für ihn tatsächlich "eine große Sache". Vor allem aber, weil Alvin Mills selbst ein riesiger Marvel-Fan ist. "Mein Bruder ist Comic-Zeichner. Deswegen kenne ich mich richtig gut mit der Materie aus", kommt er ins Schwärmen. Dass ein schwarzer Superheld jetzt seinen eigenen "Marvel-Movie" bekommt, ist "ganz großes Kino" findet Mills. Er ist überzeugt, dass der Film ein großer Kassenschlager wird. Warum? Weil Marvel hinter der Produktion stehe. "Das sind die Vorreiter. Die machen das richtig", lobt er den Comic-Konzern. Auf die Frage, wer denn eigentlich sein Lieblings-Comic-Held ist, hat er keine schnelle Antwort parat. Aber eins ist für ihn klar: "Die Hautfarbe spielt dabei keine Rolle."

Mit dieser Antwort spricht er Ogu Nwagbara sicher aus der Seele. "Ich definiere mich nicht über meine Hautfarbe, Religion oder Staatsangehörigkeit", sagt der gebürtige Nigerianer. Da enden dann aber schon die Gemeinsamkeiten mit seinem Vorredner, denn anders als Mills kann der ehemalige Handballnationalspieler und langjährige Trainer HSG-Trainer mit dem Hype um den Film nur wenig anfangen. Vor allem die daran geknüpfte Rassenthematik gefällt ihm nicht. "Die Menschen sind begeistert von dem Film - aber wie geht es dann weiter?", fragt der studierte Sozialpädagoge.

Das Problem entstehe seiner Meinung nach doch gerade dadurch, dass Menschen sich als "Schwarze" oder Weiße" sehen. "Das passiert, wenn Menschen nicht in der Lage sind, zu reflektieren", sagt der Mitarbeiter in der Jugendhilfeeinrichtung Waldheim am Ortsrand von Hildrizhausen. Der Schlüssel für einen besseren Umgang mit einander ist für ihn gegenseitiger Respekt.

Dass Menschen ihn wegen seiner Hautfarbe anders ansehen, hat aber auch Ogu Nwagbara schon erlebt. Auf Zypern, wo er als Handballprofi in Nikosia sein Studium finanzierte, habe ihn einmal eine Gruppe von Menschen angesehen, "als wäre ich direkt aus dem Zoo ausgebüxt", erinnert er sich. "Ich habe ihnen das dann direkt zurückgespiegelt. Am Ende haben wir uns angesehen und gelacht", erzählt er. So sei das eben mit Respekt: "Das funktioniert wie ein Bumerang: Wenn ich andere respektiere, dann kommt dieser Respekt auch wieder zu mir zurück."

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