Böblinger Kinochef sieht Cloverfield-Aktion auf Netflix gelassen

Nachgefragt

  • img
    Blockbuster für die Flimmerkiste: "The Cloverfield Paradox" Szenenbild: Netflix

Überraschungs-Coup von Netflix: In einer Werbepause während des Super Bowls kündigte der Streaming-Anbieter die Veröffentlichung des Films "The Cloverfield Paradox" an, dem dritten Teil eines ursprünglich fürs Kino gedachten Hollywood-Blockbusters. Die KRZ hat den Böblinger Kinogeschäftsführer Andreas Zienteck gefragt, was er davon hält.

Artikel vom 08. Februar 2018 - 13:54

Von Eddie Langner

Herr Zienteck, kurz vor Weihnachten veröffentlichte Netflix den potenziellen Filmhit "Bright" mit Kinostar Will Smith exklusiv für seine Kunden und jetzt landet auch noch das Sequel der erfolgreichen "Cloverfiled"-Reihe ohne Umweg direkt auf dem TV-Bildschirm. Weitere Projekte dieser Art sind bei dem Streaming-Anbieter bereits in Planung. Wie sehr ärgert Sie dieser Trend?

Ich habe dazu zwei Sichtweisen: Zum einen sehe ich es durchaus als Warnsignal, dass die großen Streaming-Anbieter wie Amazon und Netflix immer mehr ins Kinogeschäft einsteigen. Schon jetzt sehe ich bei vielen Filmen im Abspann ein Amazon-Logo. Auf der anderen Seite stehe ich als Kinobetreiber vor dem Problem, dass es auf dem Markt schon jetzt ein völliges Überangebot gibt.

Wie meinen Sie das?

Es ist so: Wir haben in Deutschland zwischen 700 und 800 Filmstarts im Jahr. Mit meinen neuen Sälen bin ich zwar sogar überdurchschnittlich gut gerüstet, aber selbst mit unserer Herzkinoreihe [ein Zusatzangebot der Böblinger Kinos, um Filmperlen abseits des Mainstreams auf die Leinwand zu bringen, die Redaktion] komme ich nur auf rund 300 Filme pro Jahr.

Bei manchen Filmen ist das auch kein großer Verlust. "The Cloverfield Paradox" wird von den Netflix-Nutzern ziemlich verrissen.

Stimmt. Es gibt ja den Slogan "Kino - dafür werden Filme gemacht". Prinzipiell ist das auch richtig: Viele Produktionen haben es wirklich verdient, dass man sie auf der großen Leinwand und nicht auf dem Fernseher, einem Tablet oder gar auf dem Handy anschaut. Es gibt aber auch Filme, die muss man nicht im Kino gesehen haben.

Das heißt, Sie sehen Netflix, Amazon und Co. gar nicht als so große Bedrohung an?

Na ja, die Konkurrenz zum Heimkino begleitet Kinobetreiber ja schon seit Jahrzehnten: Erst kam das Fernsehen, dann VHS-Kassetten, DVDs und Blu-ray - und zuletzt waren Raubkopien im Internet das große Aufregerthema.

Jetzt nicht mehr?

Heute redet da doch kein Mensch mehr davon. Wir Kinobetreiber haben all diese Trends überlebt. Jetzt gibt es Streaming. Klar, auch diese Entwicklung wird man mit Argusaugen beobachten müssen. Aber Existenzängste habe ich deswegen keine.

Verwandte Artikel