Zweimal ausverkauft: Philipp Weber im Alten Amtsgericht Böblingen

Zwei ausverkaufte Abende in Folge: Philipp Weber hat die Kabarettsaison im Alten Amtsgericht in Böblingen eröffnet

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    Uffbassa: Bei Philipp Weber gibt es viel zu Lernen . . . und noch mehr Lachen Foto: Helga Beck

Onkel Rudi hat sich totgesoffen. Das ist traurig, liefert Philipp Weber aber viel Stoff für sein Programm "Durst - Warten auf Merlot". Der studierte Chemiker und Biologe mischt hier nüchterne Zahlen und Fakten mit einem Schnellfeuer an klugen Pointen und teils herrlich albernen Gags.

Artikel vom 18. Januar 2018 - 18:48

Von Eddie Langner

BÖBLINGEN. Perfekter Saisonauftakt für die "Kultourmacher vom Alten Amtsgericht": An zwei aufeinanderfolgenden Abenden war der kleine Theatersaal auf dem Schlossberg restlos ausverkauft. Kein Wunder. Mit Philipp Weber, dem "Mechthild"-Gewinner von 2006, hatten die Kabarettveranstalter auch einen genialen Künstler am Start.

Anders als vor drei Monaten im Schloss Dätzingen präsentierte er am Dienstag- und Mittwochabend in Böblingen aber nicht sein neustes Solomaterial. Das hießt "Weber N°5: Ich liebe ihn!" und handelt von Manipulation, Image und den Tricks der Werbung (wir berichteten). Stattdessen holte er noch einmal sein mittlerweile über vier Jahre gereiftes Vorgängerprogramm aus dem Keller. Und genau wie guter Wein ist auch dieser Stoff mit den Jahren immer besser geworden.

Alkohol nimmt dabei im Programm gar nicht so eine zentrale Rolle ein, wie der Untertitel "Warten auf Merlot" vermuten ließe. Zwar gibt es viel Wissenswertes und Witziges zum Thema und auch Webers eingangs erwähnter Onkel Rudi kommt zwischendurch mit feinen Sprüchen wie diesem zu Wort: "Schorle ist wie Waterboarding für Wein". Weber hat aber noch zu vielen anderen Themen etwas zu sagen und beschert so dem Publikum neben unzähligen Lachern immer wieder auch überraschende beziehungsweise ernüchternde Erkenntnisse.

Zum Beispiel über zunehmende Wasserknappheit und die gigantischen Flüchtlingskrise, die uns deswegen noch bevorstehe. Schuld daran sind wir laut Weber selbst - weil wir lieber billig konsumieren wollen, anstatt genau hinzuschauen, wenn etwa Konzerne wie die Lufthansa sich in Afrika Ackerflächen zur Ethanolgewinnung aneignen (der englische Begriff dafür heißt "land grabbing") und so der hungernden Bevölkerung das Leben noch schwerer machen.

Ein anderes Thema im Programm des 43-Jährigen mit Wohnsitz in Tübingen sind die Auswüchse unserer Leistungsgesellschaft, in der viele ihren Arbeitsalltag nur noch mit Aufputschmitteln oder Alkohol bewältigen können und in der psychische Erkrankungen wie Depressionen noch immer mit Scham behaftet sind. "Man darf an allem erkranken in Deutschland, nur nicht an der Seele", spricht Weber aus, was dem Applaus nach zu urteilen viele im Publikum denken.

Apropos Publikum: Die flapsig-freche Interaktion mit den Gästen ist bei Weber Programm. Besonders witzig ist es, als der gebürtige Odenwälder von seiner trost-, weil kinolosen Jugend im Dorf Amorbach erzählt ("Wenn ich einen Film sehen wollte, musste ich einen Fliegenpilz rauchen"). Da meldet sich die Sindelfinger Zuschauerin Ute Zierlinger zu Wort. Sie stammt aus dem Nachbarort Schneeberg. Webers Vater war ihr Hausarzt. Sie beharrt darauf, dass es in Amorbach sehr wohl ein Kino gebe. "Ja, haben wir denn heute die Kabarettpolizei im Haus?", kontert der Künstler humorvoll.

Noch eine Lehre des Abends: Nicht Alkohol, sondern Zucker ist die eigentliche Volksdroge Nummer Eins. "Wenn du was verkaufen willst, pack' Zucker rein", empört sich Weber. Auch gegen irreführende Werbung und Verbrauchertäuschung wettert er. Zum Beispiel beim Energydrink Red Bull, in dem nämlich nicht das auf der Dose angepriesene Taurin, sondern eine Unmenge an Zucker der eigentliche Energielieferant sei. Witzig dabei ist, dass der Kabarettist auf der Bühne selbst so wirkt, als sei er gerade in ein Fass Red Bull gefallen: Weber wuselt, wirbelt, kiekst und babbelt in so einem Tempo, dass mancher Zuschauer mit ihm ins Schwitzen gerät.

Am Ende bleibt jedenfalls die Erkenntnis, dass man auch ohne Alkohol sehr viel Spaß haben kann - vor allem, wenn man den Abend mit Philipp Weber verbringt.

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