Diabelli-Variationen weiter im Programm

Böblinger Pianistenfestival: Jacob Leuschner springt heute ein

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    Jacob Leuschner lehrt an der Musikhochschule in Detmold Foto: red

Zum Auftakt des Pianistenfestivals heute Abend um 20 Uhr sollte eigentlich Jan Jiracek von Arnim auftreten. Doch den Hochschuldozenten hat die Grippe erwischt. Die Organisatoren wurden kurzfristig fündig: Jacob Leuschner springt ein - und kann auch die angekündigten Diabelli-Variationen spielen.

Artikel vom 11. Januar 2018 - 16:36

BÖBLINGEN (red/krü). Der Tritonus ist ein musikalisches Intervall, das drei Ganztöne umfasst. Er wurde früher wegen der damit verbundenen gesangstechnischen und harmonischen Probleme auch der "Teufel in der Musik" (lateinisch "diabolus in musica") oder Teufelsintervall genannt.

Der Teufel im Detail hat jetzt beim Internationalen Pianistenfestival zugeschlagen und das Auftakt-Konzert heute Abend über den Haufen geworfen. Der eingeplante Pianist Jan Jiracek von Arnim, der bereits mehrfach in Böblingen zu Gast war, wurde in Wien von der Grippe heimgesucht und befindet sich zurzeit auf Krankenstation. "Er hat seit Tagen einen schweren Virus, der sich auch mit erhöhter Medikamentengabe nicht eindämmen ließ", erklärt Festivalleiter Dr. Ulrich Köppen, "vor allem hat sein linkes Ohr den Dienst eingestellt, so dass es ihm nicht möglich ist, in der Böblinger Kongresshalle aufzutreten."

Jan Jiracek von Arnim selbst habe das außerordentlich bedauert, weil er sich lange auf das Böblinger Konzert vorbereitet hatte - aber es half nichts, er musste diesen und auch andere Termine absagen. Vor allem dem Böblinger Publikum gegenüber fühlt er sich in großer Schuld, aber sein kranker Zustand macht einen Auftritt unmöglich - für die Organisatoren sozusagen ein doppeltes Problem. Zum einen musste nun überhaupt ein Pianist von Rang gefunden werden, der kurzfristig auftreten kann. Zudem waren (bereits zum zweiten Mal) die Diabelli-Variationen von Beethoven als Programmteil angekündigt worden. Und die Blöße, dieses Werk erneut nicht aufzuführen, wollte man sich wohl nicht geben.

"Wir haben dann die halbe westliche Klassikwelt nach einem Pianisten von Rang abgesucht, der am Freitag verfügbar ist und die Diabelli-Variationen spielen kann", erzählt der Böblinger Kulturamtsleiter Peter Conzelmann. Und siehe da: Die Organisatoren wurden fündig: Das Konzert heute Abend wird bestritten von Jacob Leuschner, Professor für Klavier an der Musikhochschule Detmold, an der schon Johannes Brahms und andere Berühmtheiten des 19. Jahrhunderts gelehrt haben.

Leuschner hat die komplexen und fast einstündigen Variationen in den vergangenen Jahren über 20-mal gespielt. "Das Böblinger Festival hat überregional einen guten Ruf und ich freue mich auf das Konzert", sagt Leuschner. Sein Vater, der ebenfalls Klavierprofessor und übrigens mit dem in Böblingen bestens bekannten Pianisten-Paar Natasha Vlassenko und Oleg Stepanov befreundet war, verkörpert die klassisch-romantische, deutsche Pianistenschule.

Der Beethoven-Programmpunkt bleibt also, das restliche Programm wird etwas geändert. Jacob Leuschner interpretiert die Sonaten C-Dur KV 330 von Wolfgang Amadeus Mozart und Es-Dur Hob XVI:52 von Joseph Haydn; letztere eine hoch virtuose Konzertsonate. Die Diabelli-Variationen werden nach der Pause erklingen. Es gibt noch Restkarten an der Abendkasse.

Fünf Konzerte insgesamt, zusätzlich Vortrag am 26. Januar

Bis zum 9. Februar läuft das Pianistenfestival, jeden Freitag um 20 Uhr sind Konzerte im Württembergsaal der Böblinger Kongresshalle. Aufgrund der guten Resonanz bei der letzten Auflage haben sich die Organisatoren dazu entschlossen, auch beim 2018er-Festival wieder einen Vortrag anzubieten. Ging es das letzte Mal um die Geheimnisse der Virtuosität, wird dieses Mal der künstlerische Leiter des Festivals, Dr. Ulrich Köppen, über die Geheimnisse der Musikalität sprechen. Der Vortrag findet statt am Freitag, 26. Januar, um 18.30 Uhr im Schwarzwald-Saal der Kongresshalle, unmittelbar vor dem Konzert mit den Solisten des SWR-Sinfonieorchesters.

Anhand von Texten, vor allem aber Audio- und Videosequenzen, wird der Referent erläutern, wie viel Arbeit und wie viel handwerkliches Können investiert werden müssen, um die emotionale Botschaft der Kompositionen dem Publikum näherzubringen. Der Eintritt zum Vortrag ist frei, Anmeldungen bitte an conzelmann@boeblingen.de per Mail. Zudem werden bei den ersten beiden Konzerten Anmeldelisten ausgelegt.

http://www.piano-bb.de

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