Beste Stimmung bei der Sindelfinger Weihnachtssession

  • img
    Die Band The Crossways rockt die Stadthalle mit harten Bässen und Gitarrensounds Foto: Bischof

Artikel vom 27. Dezember 2017 - 23:12

SINDELFINGEN (lad). Was für eine Rockröhre! War die Tanzfläche bisher recht leer, so füllt sie sich schnell, als Ali, die junge Sängerin der Band The Crossways, zum Rockklassiker "Highway to hell" ansetzt. Ihre starke Stimme setzt sich mühelos über den Rest der Band hinweg, die Gitarren dröhnen dazu, die Drums schlagen den unverkennbaren Beat, die Menge tobt, dabei ist es erst Viertel nach acht an diesem Feiertagsdienstag.

Das gibt es nur bei der Sindelfinger Weihnachtssession, die in diesem Jahr zum 39. Mal in der Stadthalle Sindelfingen stattfand. Zehn Bands aus der lokalen Musikszene präsentierten ihre Musik, das überschüssige Geld wird wie jedes Jahr an soziale Projekte gespendet. Trotz der Streitereien hinter den Kulissen, die es im Vorfeld gab (die KRZ berichtete mehrfach), war also alles wie immer.

Los geht es um 18.30 Uhr mit der eigentlichen Session. Das Programm und die Besetzung dafür wurde eine halbe Stunde vorher festgelegt und enthält unter anderem die Klassiker "Come together", "Barbara Ann" und "Fields of Gold". Viele Musiker präsentieren sich dabei mit langen Soli, egal ob mit Gitarre, Saxophon oder Keyboard.

Kurzer Technikumbau und die erste Band spielt auf. The Wolf Gang nennen sich die sieben Musiker und haben gleich das wohl ungewöhnlichste Instrumentarium auf der Bühne parat. Neben klassischer Gitarre, Bass und Keyboard, kommen noch eine Ukulele, eine Mandoline sowie eine Mundharmonika dazu. Und als ob das noch nicht genug wäre, kommt sogar ein Theremin zum Einsatz. Das elektronische Instrument wird gespielt, ohne, dass es berührt wird und ist oft in Science-Fiction-Filmen zu hören.

Silberrücken und blutjunge Musikerinnen

Was sie spielen, klingt aber weniger nach Weltraum als vielmehr nach Western. Bluesrock, mal schneller, mal langsamer, fast mysteriös und irgendwie doch nicht ganz von dieser Welt. Ungewöhnlich bei der Wolf Gang auch die personelle Besetzung, vom alten Silberrücken bis zur blutjungen Gitarristin. Ebenso mit an Bord ist Joachim Pflieger, Vorsitzender des neu gegründeten Weihnachtssession-Vereins.

Der bekam am 23. Dezember sein schönstes Weihnachtsgeschenk: "Der Bescheid vom Finanzamt, dass unserem Verein die Gemeinnützigkeit anerkannt wurde." Nur eine von vielen Hürden, die der neue Verein im Hintergrund meistern musste. "Die Gastro ist jetzt komplett unter unserem Dach", sagt Pflieger. Auch wenn es hinter den Kulissen Veränderungen gab, am Konzept selbst wird nichts geändert, "weil es einfach gut ist", stellt Pflieger klar. Einzige Neuigkeit: In diesem Jahr spielen zum ersten Mal zehn Bands. Man wollte alle einladen, die die Session in den letzten Monaten besonders unterstützt haben. Der Nachteil für die Musiker: die Umbauzeiten sind kürzer.

Die Techniker eilen umher, stecken Kabel um, die Musiker spielen kurze Akkorde und dann geht es auch schon weiter mit The Cube. Die Rockband spielt eigentlich eigene Nummern. Da aber in diesem Jahr Jimi Hendrix 75 Jahre alt geworden wäre, haben sie ihren Auftritt ihm gewidmet. Die Altherrenband - Gitarrist und Sänger Pit Bäuerle sowie Schlagzeuger Helmut Kristmann bezeichnen sich selbst als Urgesteine der Rock-Szene im Kreis Böblingen - hat mit Svenja Bramfeld eine junge Sängerin. Zusammen begeistern auch sie das Publikum.

Ungewöhnlich, aber hörenswert sind Groove for friends mit Igor Petrov am Akkordeon. Die Truppe macht, was ihr Name verspricht: grooven für Freunde. Denn die Session ist für viele mehr als nur ein Konzert, es ist ein großes Klassentreffen, bei dem man Freunde trifft, die man sonst das ganze Jahr nicht sieht. Zur Session kommen sie alle.

Martin Johnson bringt Posaunisten mit

"Lokalmatador" Martin Johnson aus Herrenberg bringt wie schon so oft talentierte Musiker mit auf die Bühne. Dieses Jahr ein junger Posaunist vom Bundesjazzorchester. Anfangs noch etwas zaghaft, legt er bald richtig los. Leider zeigt sich hier wieder ein Mangel an der Session: Ist das Instrument nur ein bisschen vom Mikrofon weg, kann man es nur noch schwer hören. Schade, ist er doch ein großes Talent.

Johnson hat einen Song der Beatles im Gepäck sowie einen Titel, den er selbst vor wenigen Monaten mit den Heavytones, der ehemaligen Studioband von Stefan Raab, gespielt hat. Er heißt "Top Spin". Sein Sohn Lucas spielt ebenfalls mit. Zusammen legen sie einen Jazzrock aufs Parkett, der unter die Haut und in die Beine geht.

Neben den restlichen Gruppen, darunter Pfliegers Point of View Band mit mehr als 20 Musikern, ist auch im Foyer einiges geboten. Neben Essen und Getränken (bedient wird in Lederhosen), gibt es eine Paintbrush-Ausstellung der Aidlingerin Beate Rauser zu sehen.

Geplant war das Ende der Session um für 0.30 Uhr. Es wird dann aber doch 1 Uhr, als der letzte Ton des Finalstücks "That's what friends are for" erklingt, bei dem alle Musiker auf der plötzlich so kleinen Bühne stehen.

Doch nach der Session ist vor der Session. Pflieger denkt schon ans nächste Jahr, da gibt stehen die 40-Jahr-Feierlichkeiten an. Erste Ideen gibt es schon. Nur eine Frage stellt sich für Pflieger: "Johnson war mal wieder Weltklasse, wie soll man das toppen?"

 

Kommentar

Weiter so!

Von Florian Ladenburger

Vom großen Krach im Vorfeld war bei der Session selbst nichts mehr zu spüren. Für die Besucher war alles wie immer, ihre Traditionsveranstaltung hat weiter Bestand. Denn die Session wird nicht für die Organisatoren gemacht, sondern für Fans. Ganz egal, was die genauen Gründe für die Streitereien waren: Im neu gegründeten Weihnachtssession-Verein sind engagierte Leute, die dafür sorgen, dass die Session so weitergeführt wird, wie die Fans es gewohnt sind und das ist ihnen bei ihrer Premiere gelungen. Weiter so!

 

Verwandte Artikel