Schlaflos im Weltall

Umfrage: Das Böblinger Bärenkino hat den neuen "Star Wars"-Film in einer Mitternachtspremiere gezeigt - Wer tut sich das an?

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    Im Film sind sie Todfeinde, im echten Leben miteinander verheiratet: Kari Bornemann-Stäb alias Darth Maul (rechts) und Benjamin Stäb alias Obi Wan Kenobi Fotos: Langner

Seit Donnerstag läuft der achte Teil der "Star Wars"-Saga. Wer den offiziellen Start nicht erwarten wollte, konnte sich den Film in diversen Kinos bereits am Mittwoch in einer Mitternachtspremiere anschauen. Die KRZ war bei einer solchen Premiere im Böblinger Filmzentrum Bären dabei.

Artikel vom 14. Dezember 2017 - 19:00

Von Eddie Langner

BÖBLINGEN. Mittwochabend, kurz nach 23 Uhr in einer gar so weit entfernten Galaxis: Der böse Sith-Lord Darth Maul und der junge Jedi-Padawan-Schüler Obi Wan Kenobi kommen gerade aus dem Hyperraum und treffen im Sternbild des Böblinger Bärenkinos ein. Hier läuft gleich auf insgesamt drei Leinwänden der Film "Die letzten Jedi". Rund 250 Zuschauer stehen am Kassenschalter oder an der Theke, um sich noch schnell mit Popcorn und möglichst koffeinhaltigen Getränken einzudecken - darunter auch die eben eingetroffenen "Star Wars"-Fans.

Im Gegensatz zu ihren tödlich verfeindeten Kinovorbildern können sich die zwei gut gut leiden. Ziemlich gut sogar, sie sind nämlich miteinander verheiratet. In den Kostümen und unter aufwendigem Make-up verbirgt sich das Ehepaar Kari Bornemann-Stäb (26) und Benjamin Stäb (34). Die Aidlinger sind Cosplay-Fans, das heißt, sie verkleiden sich wie Figuren aus Mangas, TV-Serien oder Kinofilmen. Erst vor zwei Monaten haben sie im Comic-Helden-Kostüm ihre Hochzeit gefeiert. An ihren aktuellen Verkleidungen haben sie mehrere Stunden gearbeitet. "Auf Cosplay habe ich ihn gebracht", lächelt Kari in Richtung ihres Mannes. "Aber ich bin der größere Star-Wars-Fan", antwortet der. Als mit "Das Erwachen der Macht" der erste Film der neuen Sternensaga-Trilogie ins Kino kam, hatten die zwei sich als Han Solo und Prinzessin Leia verkleidet (wir berichteten damals).

Die Frage, warum man sich so spät in der Nacht noch einen 152 Minuten langen Film antut, ist bei den beiden natürlich überflüssig. Aber wie sieht das am nächsten Tag aus? "Ich kann ausschlafen", sagt Kari triumphierend. "Kein Problem, ich habe flexible Arbeitszeiten", sagt Benny mit der Gelassenheit eines Jedi-Meisters.

Etwas weniger gelassen wirkt ein junger IT-Fachmann, der lieber nicht namentlich in der Zeitung erwähnt werden will. "Mein Chef denkt, ich wäre krank", verrät er, dass er stattdessen den Tag genutzt hat, um sich zur Vorbereitung nochmal den Vorgängerfilm anzuschauen.

Gut vorbereitet haben sich auch Benny Graci (37) und seine Freundin Patricia Nowak (36). Das Aidlinger Pärchen hat sich nochmal sämtliche "Star Wars"-Filme inklusive dem außer der Reihe veröffentlichten "Rogue One" angeschaut. Warum es für die beiden die Mitternachtspremiere sein muss? "Weil ich morgen jeden ärgern will, der ihn noch nicht gesehen hat", grinst Benny Graci, der sich selbst als "Nerdy-Kind" bezeichnet. "Außerdem finde ich, wir haben lange genug gewartet." Die Karten habe ihm seine "wunderbare Herzensdame" geschenkt. Die ist ebenso wie er mit den "Star Wars"-Filmen aufgewachsen. Ihre Begeisterung sieht man den beiden an: Er trägt eine Jacke mit dem Rebellen-Wappen darauf, sie hat ein buntes Filmmotiv-T-Shirt an und sich zudem die Haare zu einem "Dreifach-Dutt" arrangiert - genau wie Hauptdarstellerin Daisy Ridley in ihrer Rolle als Jedi-Schülerin Rey. "Mich hat mein Bruder darauf gebracht", erzählt sie. Ihr gefalle einfach alles an den Filmen: Der Kampf zwischen Gut und Böse, die Lichtschwertduelle, die Fantasyelemente, die Mythologie rund um die Macht . . . nur die von vielen Fans so verhasste Quasselstrippe Jar Jar Binks aus "Episode I" findet auch sie "einfach nur furchtbar".

"Was ist denn das für eine Frage? Es ist Star Wars!", antwortet Schülerin Clara Kluge (18) aus Oberhaugstett darauf, warum sie sich - trotz Aussicht auf nur rund drei Stunden Schlaf - die Mitternachtspremiere antut. Die großen Bürder beziehungsweise der Onkel haben sie und ihre Freundin Lena Finger (23) aus Ebhausen zu Fans gemacht. Dass "Star Wars" deswegen aber nur etwas für Jungs sei, stimme nicht. "Mit Rey und Prinzessin Leia gibt gibt es doch auch starke Frauenfiguren", findet Clara Kluge.

Die Kluges sind übrigens offenbar in kompletter Familienstärke angereist, wobei Reinaldo Kluge mit seinen 71 Jahren wohl der älteste Zuschauer bei dieser Premierennacht ist. Der gebürtige Argentinier hat den allerersten "Star Wars"-Film damals im Jahr 1977 in einem Kino in Buenos Aires gesehen. Mit ihm im Kino saß Véronica Kluge. Die Endfünfzigerin ist mittlerweile seine Ex-Frau. "Aber wenn es um Star Wars geht, sind wir uns immer noch einig", strahlen die beiden vor lauter Vorfreude um die Wette.

"Aus Tradition" sehen sich die Böblinger Matthias Hahn und Christian Barth jedes Jahr den jeweils neuen "Star Wars"-Film an. Dieses Jahr trauen sich die beiden 31-Jährigen erstmals in die Mitternachtspremiere. Und was kommt am Morgen danach? "Ich steh' um sieben auf. Ich arbeite im IT-Bereich und gebe morgen eine dreieinhalbstündige Schulung", sagt Matthias Hahn. Vor der kurzen Nacht ist ihm nicht bange. "Einmal im Jahr muss so was drin sein", meint er. "Und ich stehe auf, sobald mein Kleiner wach wird", meint Christian Barth. "Also bestimmt früher als ich", stichelt sein Kumpel.

"Ich wollte einmal Teil davon sein"

Ganz ähnlich dürfte es Kosta Karapanagiotidis gehen. "Wir haben einen Neugeborenen zu Hause", erzählt der Böblinger. Seine Frau habe ihm für die Mitternachtspremiere frei gegeben. "Muss!", sagt er nur knapp, um dann doch etwas ausführlicher zu erklären, warum er sich als von Schlafentzug geplagter Papa die halbe Nacht im Kino um die Ohren schlägt: "Ich wollte endlich einmal Teil einer solchen Mitternachtspremiere sein, damit ich das eines Tages meinem Kind erzählen kann", lächelt er beseelt. Rund drei Stunden später sitzt der 34-Jährige müde, aber glücklich im Kinofoyer. Und wie hat ihm der Film gefallen? "War voll genial!", sagt er, "aber auch echt anstrengend."

Draußen regnet es jetzt in Strömen. Unter dem Kinovordach drängen sich noch ein paar wenige Zuschauer und diskutieren aufgeregt über den Film. Es ist 2.37 Uhr. Zeit, den Hyperraumantrieb anzuwerfen und Kurs auf die Gute-Nacht-Galaxis zu nehmen.

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