Konzertfoto-Ausstellung in der Sindelfinger Musikschule

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    Musiklegenden aus nächster Nähe: Konzertfotograf Harald Kümmel (rechts) und Musikschulleiter Markus Nau freuen sich auf die Ausstellungseröffnung Foto: Langner

Artikel vom 22. November 2017 - 20:06

SINDELFINGEN (red). "Music was my first love - and it will be my last" - für den Titel seiner Ausstellung über "45 Jahre Musikgeschichte in Bildern", die am Freitag in der Sindelfinger Musikschule eröffnet wird, hat sich der Konzertfotograf Harald Kümmel für eine Refrainzeile aus dem Pop-Klassiker von John Miles entschieden.

Eine perfekte Wahl, schließlich ist die Musik tatsächlich schon seit früher Jugend eine treibende Kraft im Leben des gebürtigen Sindelfingers, der nach eigenen Angaben schon auf mehr als 1000 Konzerten fotografiert hat.

Bereits mit 16 Jahren begann Kümmel - damals noch mit einer kleinen Kodak Instamatic - seine ersten Konzertfotos zu schießen. Ob in Böblingen in der Sporthalle oder in Sindelfingen in der Stadthalle, der Messehalle und der damals noch als Ausstellungshalle bekannten Klosterseehalle - Harald Kümmel stand immer in der ersten Reihe und kam dabei Musiklegenden wie Status Quo, Deep Purple oder Pink Floyd ganz nah. Buchstäblich hautnah. Bei einem AC/DC-Konzert im Stuttgarter Gustav-Siegle-Haus (ja, die haben tatsächlich einmal dort gespielt) sei er sogar derart dicht an der Bühne gestanden, "dass mir der Schweiß von Angus Young direkt auf die Kamera getropft ist", erzählt der 61-Jährige. Meist staubte er vor oder nach dem Konzert "backstage" auch noch ein paar Autogramme ab - in der damaligen Zeit sei das kein Problem gewesen, sagt Kümmel.

Schweiß von Angus Young tropfte auf seine Kamera

Seine Konzertaufnahmen aus diesen glorreichen Zeiten sind seit der Langen Nacht der Museen am vergangenen Samstag im Sindelfinger Stadtmuseum zu sehen. Die dortige Ausstellung namens "Arthur, rück? den Schlüssel raus" zeigt Sindelfingens Jugendkultur in den 1970er-Jahren.

Mit der Ausstellung "Music was my first love" in der Sindelfinger Musikschule (SMTT) will Kümmel nun eine Brücke in die Gegenwart schlagen. Hier zeigt er nämlich ganz aktuelle Konzertaufnahmen von eben jenen Rock-, Pop- und Jazzgrößen, die er zum Teil schon als junger Mann bei ihren Auftritten in Böblingen, Sindelfingen oder Stuttgart fotografiert hat. Einige Aufnahmen sind nur wenige Wochen alt: "Dieses Bild von Marius Müller-Westernhagen habe ich bei seinem Unplugged-Konzert am 22. Oktober in der Stuttgarter Schleyerhalle gemacht", erzählt Kümmel, der mittlerweile in Altdorf wohnt. Offenbar war "Prinz Pfefferminz" bei seinem Auftritt nicht gerade im frischsten Zustand.

"Der sah gar nicht gut aus. Die meiste Zeit ist er nur gesessen", erinnert sich der Fotograf. Natürlich gehöre das zum Unplugged-Konzept, weiß Kümmel, der hauptberuflich als Gesundheits- und Mentalcoach tätig ist. Seinem scharfen Fotografenauge war aber auch nicht entgangen, dass der Sänger gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe war. Mit dieser Einschätzung sollte er Recht behalten: Nach dem Auftritt in der Schleyerhalle brach Marius Müller-Westernhagen seine Tournee bekanntlich wegen einer schweren Grippe ab.

Andere Musiker, die er in den letzten Jahren abgelichtet und für die Ausstellung eingerahmt hat, haben sich dagegen erstaunlich gut gehalten: Sting zum Beispiel, dem man sein Alter (66 Jahre) ebensowenig ansieht wie der Jazzsängerin De Dee Bridgewater (67), ihrer Kollegin Helen Schneider (64) oder dem Energiebündel Herbert Grönemeyer (61).

Vielen hat der Zahn der Zeit allerdings sichtlich zugesetzt, wie Kümmel an einer Bilderzusammenstellung deutlich macht. Eine Aufnahme ist das allererste Foto, dass er je bei einem Rockkonzert geschossen hat. Es zeigt die Band Status Quo bei einem Gastspiel in den 70ern in Sindelfingen. Das andere ist bei einem Auftritt vor wenigen Jahren entstanden. "Der ist auch schon tot", zeigt Kümmel auf Bandmitglied Rick Parfitt.

Der Status-Quo-Gitarrist ist nicht der einzige Künstler, den der 61-Jährige nur wenige Jahre oder Monate vor ihrem Ableben fotografiert hat. Durch seine Bilder bleiben alle diese Musikgrößen im Auge des Betrachters für immer lebendig - und natürlich durch ihre Musik.

Genau die steht bei der Eröffnung der Ausstellung am morgigen Freitag, 24. November, ab 20 Uhr im Mittelpunkt. Die Coverband Stammwürze um Schönbuch-Bräu-Chef Werner Dinkelaker will dann im Odeon das Publikum rocken - und Harald Kümmel wird sicher das eine oder andere Bild dabei machen.

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